Eine Schätzung des Institute of Energy im vietnamesischen Ministerium für Industrie und Handel fällt mit 533,9 bis 657,8 Milliarden US-Dollar etwas niedriger aus. Davon sollen allein 499 bis 631 Milliarden US-Dollar in den Ausbau der Stromerzeugung fließen – etwa in Onshore- und Offshore-Windkraft, Pumpspeicherkraftwerke und Wasserstoff .
Ein großer Teil des Geldes wird nicht nur für die Verringerung von Emissionen benötigt, sondern für den Schutz vor den Folgen des Klimawandels. Das Finanzministerium beziffert den Bedarf für die Klimaanpassung auf etwa 368 Milliarden US-Dollar, entsprechend rund 6,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts pro Jahr . Die Weltbank schätzt separat, dass allein die Widerstandsfähigkeit kommerzieller und industrieller Vermögenswerte im Zeitraum 2022 bis 2050 etwa 228 Milliarden US-Dollar kosten könnte . Für einen kombinierten Pfad aus Klimaanpassung und Dekarbonisierung veranschlagt die Weltbank bis 2040 insgesamt bis zu 368 Milliarden US-Dollar .
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis der Konferenz lautet: Weltweit ist durchaus viel grünes Kapital verfügbar. Vietnam fehlen jedoch Projekte, die den Anforderungen internationaler Investoren genügen und sich als solide Anlage darstellen lassen .
Die Konferenz fand am 6. August 2026 in Ho-Chi-Minh-Stadt unter dem Motto „Where Green Capital Connects Investment Opportunities“ statt. Veranstalter waren die Nam A Bank, das Executive Board des Vietnam International Financial Centre in Ho-Chi-Minh-Stadt (VIFC-HCMC), FiinGroup und das Global Green Growth Institute (GGGI) Vietnam .
Der vietnamesische Markt für grüne Anleihen steckt noch in den Anfängen. Im Jahr 2025 gab es lediglich fünf Emissionen in Landeswährung mit einem Gesamtvolumen von 3.407 Milliarden vietnamesischen Dong, umgerechnet rund 140 Millionen US-Dollar .
Die Teilnehmer forderten deshalb eine klare und einheitliche Taxonomie für grüne Anleihen, die sich an internationalen Standards wie den Green Bond Principles der International Capital Market Association (ICMA) orientiert . Einheitliche Kriterien könnten das Vertrauen der Anleger stärken, die Prüfung vereinfachen und die Kosten einer Emission senken .
Am 29. Juni 2026 hatte Vietnam offiziell die Pilotphase seines nationalen CO₂-Marktes gestartet. Dazu wurde eine nationale Plattform für den Handel mit CO₂-Zertifikaten eingerichtet . Sie soll künftig helfen, Finanzmittel in emissionsarme Projekte zu lenken.
Bei der Konferenz wurde das VIFC-HCMC als möglicher zentraler Knotenpunkt für die Börsennotierung grüner Anleihen und den Handel mit CO₂-Zertifikaten positioniert . Nach den Plänen soll das Zentrum nicht nur Investoren und Unternehmen zusammenbringen. Es soll Projekte standardisieren, Risiken verringern und ihre Finanzierung erleichtern.
Nguyen Huu Huan, stellvertretender Vorsitzender des Executive Board des VIFC-HCMC, bezeichnete die angestrebte Rolle als „Green Capital Conversion Hub“. Ein solcher Hub könnte Projektunterlagen vereinheitlichen, deren Wirkung messbar machen und die Voraussetzungen für internationale Finanzierung verbessern .
Die Nam A Bank schlug zudem die Einrichtung einer Green Finance Community unter dem Dach des VIFC vor. Sie soll Standards koordinieren, Informationen über Projekte und Finanzierungsmöglichkeiten teilen und kleinere Vorhaben zu größeren, investierbaren Finanzinstrumenten bündeln .
Eine konkrete Vereinbarung wurde während der Konferenz ebenfalls unterzeichnet: Nam A Bank schloss ein internationales Abkommen über 20 Millionen US-Dollar grünen Kredit mit SIFEM AG, einem vollständig im Besitz der Schweizer Bundesregierung befindlichen Entwicklungsfinanzierungsinstitut. Zusätzlich erhielt die Bank Zugang zu Kapital aus Fonds, die von responsAbility Investments AG verwaltet werden .
Damit steigt das gesamte von Nam A Bank international mobilisierte grüne Kapital auf knapp 350 Millionen US-Dollar . Nach Angaben des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Vo Hoang Hai war zuvor aufgenommenes grünes Kapital bereits vollständig an Projekte weitergereicht worden .
Die neuen Mittel sollen vor allem kleinen und mittleren Unternehmen zugutekommen. Priorität haben Projekte in den Bereichen erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Anpassung an den Klimawandel . Nam A Bank zufolge liegen die Zinssätze grüner Kredite typischerweise 0,5 bis 1 Prozentpunkte unter denen herkömmlicher Kredite .
Die Konferenz brachte damit nicht nur eine große Zielzahl hervor, sondern benannte ein praktisches Problem: Vietnam muss aus Projektideen belastbare Anlageprodukte machen. Dafür braucht es verlässliche Regeln, vergleichbare Daten, unabhängige Prüfungen und Instrumente, die Risiken zwischen Staat, Banken, Entwicklungsfinanzierern und privaten Investoren verteilen.
Die neue CO₂-Handelsplattform, die geplante Rolle des VIFC-HCMC und das Schweizer Kreditabkommen für Nam A Bank sind erste Bausteine. Ob Vietnam jedoch tatsächlich 670 bis 700 Milliarden US-Dollar mobilisieren kann, wird davon abhängen, ob daraus dauerhaft eine Pipeline international finanzierbarer Projekte entsteht.