Der Hauptgrund für den Schwenk zu Intel ist simpel: TSMC kommt mit der schieren Nachfrage nicht mehr hinterher. Die taiwanesische Chip-Schmiede, die jahrelang den Markt für Hochleistungschips dominierte, ist schlicht ausgelastet. Immer mehr große KI-Kunden suchen daher händeringend nach einer zweiten Bezugsquelle . Google hat sie nun gefunden.
Auch der große KI-Platzhirsch Nvidia bewegt sich – aber mit angezogener Handbremse. Mehreren Berichten zufolge testet Nvidia derzeit aktiv Intels 18A-Prozessknoten sowie die EMIB-Verpackungstechnologie für eine neue GPU-Architektur, die voraussichtlich 2028 unter dem Codenamen „Feynman“ erscheinen soll .
Wichtig ist hier das Wörtchen „testen“. Von einem festen Produktionsauftrag ist Nvidia noch weit entfernt. Sollte es zu einer Zusammenarbeit kommen, dann nach Einschätzung von Branchenexperten nur mit einem kleinen, risikoarmen Baustein: dem I/O-Die, also dem Schnittstellen-Chip. Der komplexe und leistungsentscheidende GPU-Rechenkern bliebe weiterhin bei TSMC .
Selbst dieser Teil-Erfolg wäre für Intel ein Meilenstein. Es wäre das erste Mal, dass ein führender KI-GPU-Hersteller einen Teil seiner Produktion an Intel vergibt – auch wenn es nur um bis zu 25 Prozent der Wafer-Kapazität geht .
Die Anleger reagierten prompt: Die Intel-Aktie schoss am Morgen des 8. Juni um 9 bis 12 Prozent nach oben . Die Botschaft war klar: Aus der reinen Turnaround-Story wird greifbarer Auftragseingang. Die jahrelange Strategie, Intel als ernstzunehmenden Foundry-Dienstleister zu etablieren, zeigt erste handfeste Ergebnisse.
Dass Google und Intel enger zusammenrücken, hat nicht nur mit KI-Beschleunigern zu tun. Bereits im April 2026 gaben beide Unternehmen eine mehrjährige Partnerschaft für Server-Prozessoren bekannt. Google Cloud setzt weiterhin auf Intels neueste Xeon-6-Chips – etwa in den Cloud-Instanzen C4 und N4 – und treibt gemeinsam mit Intel die Entwicklung sogenannter Infrastructure Processing Units (IPUs) voran. Diese Spezialchips entlasten die Hauptprozessoren bei Netzwerk-, Speicher- und Sicherheitsaufgaben .
Diese Partnerschaft macht deutlich: Intels Strategie steht nicht nur auf dem Foundry-Pfeiler. Das Unternehmen will seine Xeon-CPUs als Rückgrat der KI-Infrastruktur positionieren, selbst wenn die öffentliche Wahrnehmung sich auf GPUs konzentriert.
Seit Intel-Chef Lip-Bu Tan im März 2025 das Ruder übernommen hat, geht es Schlag auf Schlag. Er hat Management-Ebenen halbiert, Randgeschäfte verkauft und Milliardeninvestitionen von Nvidia und SoftBank eingeworben. Eine geplante US-Förderung von 8,9 Milliarden Dollar wurde in eine staatliche Kapitalbeteiligung umgewandelt .
In der Produktion zieht die 18A-Technologie an: Sie läuft mittlerweile in der Serienfertigung, der Produktionsausstoß verbessert sich monatlich um rund sieben Prozent. Die nächste Generation, 14A, soll 2028 in die Risikoproduktion und 2029 in die Massenproduktion gehen .
Tan vertritt dabei eine klare These: Die nächste KI-Welle gehört den CPUs. Denn während das Training großer KI-Modelle auf GPUs angewiesen ist, dominieren bei der späteren Anwendung – der sogenannten Inferenz – zunehmend klassische Prozessoren. Agentische KI-Systeme, die selbstständig Aufgaben planen und ausführen, sind extrem CPU-intensiv. In Tans Worten wird die CPU zur „Orchestrierungsschicht und kritischen Steuerungsebene für den gesamten KI-Stack“ .
Intel bleibt ein Konzern im Umbau, mit anerkannten Lieferengpässen und Produktionsrisiken. Doch die Kombination aus einem festen Hyperscaler-Auftrag, wachsenden Xeon-KI-Infrastruktur-Deals und einer disziplinierten Führung deutet auf eine echte Trendwende hin. Die Branche beobachtet gespannt, ob aus der Alternative zu TSMC ein gleichwertiger Rivale werden kann.
Ein erster Schritt ist jedenfalls getan: Intel produziert wieder das, worauf die KI-Welt wartet – im großen Stil.
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