Bereits im Februar hatte Alphabet weltweit Anleihen im Umfang von 31,51 Milliarden US-Dollar aufgenommen. Zu dieser Transaktion gehörte auch eine ungewöhnliche Sterling-Tranche mit einer Laufzeit von 100 Jahren.
Alphabet und Amazon hatten in den zwölf Monaten zuvor zusammen rund 60 Milliarden US-Dollar in mehreren Währungen am Anleihemarkt aufgenommen. Das zeigt, wie stark große Cloud- und Plattformunternehmen ihre Finanzierungsquellen international ausweiten, während sie Milliarden in Rechenzentren, Chips und KI-Kapazitäten investieren.
Die breite Streuung verschafft Alphabet Zugang zu unterschiedlichen Anlegergruppen. Zugleich kann der Konzern Laufzeiten und Währungen stärker an die Nachfrage und die jeweiligen Marktbedingungen anpassen. Dahinter steht ein strukturelles Thema: KI-Infrastruktur ist kein kurzfristiges Einzelprojekt, sondern erfordert über Jahre hinweg hohe Investitionen.
Die jüngste US-Dollar-Emission über 25 Milliarden US-Dollar zog zeitweise Aufträge von rund 115 Milliarden US-Dollar an. Das entspricht ungefähr dem 4,6-Fachen des tatsächlich verkauften Volumens und signalisiert eine hohe Nachfrage nach Alphabet-Anleihen – auch wenn Investoren zunehmend genauer auf die Kosten und die möglichen Erträge des KI-Ausbaus schauen.
Ein solch großer Auftragsbestand kann einem Emittenten helfen, günstigere Finanzierungskonditionen auszuhandeln oder Volumen und Laufzeiten flexibler festzulegen. Eine Garantie für eine ähnlich starke Nachfrage in Australien ist das allerdings nicht. Anlegerinteresse, Preisniveau und Kosten für die Absicherung von Währungsrisiken können sich von Markt zu Markt deutlich unterscheiden. Für die geplante Kangaroo-Anleihe gibt es bislang keinen veröffentlichten Auftragsbestand.
Australien erlebt derzeit einen starken Zustrom ausländischer Emittenten. Das Volumen von Kangaroo-Anleihen lag laut von Reuters zitierten LSEG-Daten bis Ende Juli bei rund 60 Milliarden australischen Dollar beziehungsweise etwa 42 Milliarden US-Dollar. Damit wurde bereits ein Jahresrekord erreicht – rund 40 Prozent mehr als im vergleichbaren Zeitraum 2025.
Für Unternehmen bietet der Markt eine zusätzliche Finanzierungsquelle neben US-Dollar-Anleihen. Australische Anleger wiederum könnten mit Alphabet einen der bekanntesten globalen Technologiekonzerne in diesem Segment begrüßen. Ein erfolgreicher Abschluss wäre damit nicht nur ein Test für die Kreditattraktivität von Alphabet, sondern auch für die Aufnahmefähigkeit des australischen Marktes bei großen, langfristigen Anleihen aus dem Technologiesektor.
Der Hintergrund ist eine breitere Kreditoffensive der sogenannten Hyperscaler – großer Cloud- und Rechenzentrumsanbieter. Amazon, Alphabet, Meta Platforms und Oracle hatten bis zum 7. Juli 2026 zusammen rund 194 Milliarden US-Dollar an Anleihen ausgegeben. Das waren 79 Prozent mehr als die ungefähr 108 Milliarden US-Dollar im gesamten Jahr 2025, wie eine Reuters-Auswertung von LSEG-Daten ergab.
Alphabet folgt mit dem möglichen Australdollar-Deal diesem Trend. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass die australische Transaktion die Größenordnung der US-Emission erreichen wird.
Die Bedeutung von Alphabets möglicher erster Australdollar-Anleihe läge weniger in ihrem späteren Nennwert als in dem Signal an die Märkte. Der Konzern würde seine Finanzierungsbasis auf eine weitere Währung und eine weitere internationale Anlegergruppe ausdehnen.
Eine Struktur mit möglicherweise vier Laufzeiten und einer längsten Laufzeit von bis zu 20 Jahren könnte Alphabet langfristiges Kapital für den KI-Ausbau sichern und zugleich australische Dollar-Investoren ansprechen.
Die belastbare Bilanz folgt aber erst, falls Alphabet den Deal tatsächlich startet: Entscheidend wären dann das endgültige Volumen, die Laufzeiten, die Preisgestaltung und die Stärke des Orderbuchs. Bis dahin steht fest: Die Nachfrage nach Alphabet-Schuldtiteln ist hoch, der Kangaroo-Markt wächst rasant – und der geplante Deal könnte beide Entwicklungen weiter verstärken.