Statt ausschließlich auf klassische Abwicklungssysteme zu setzen, nutzt Seturion Blockchain‑basierte Vermögenswerte und interoperable Netzwerke, um verschiedene Marktteilnehmer über eine gemeinsame Infrastruktur zu verbinden.
Die Kooperation verbindet drei entscheidende Elemente der Kapitalmarktstruktur: Emission, Abwicklungsgeld und Zugang zu Anlegern.
Société Générale – Emittent tokenisierter Produkte
Die französische Großbank plant, strukturierte Finanzprodukte in tokenisierter Form direkt über Seturion auszugeben. Dazu gehören etwa Turbo‑Optionsscheine und Anlagezertifikate, die in Europa weit verbreitet sind.
SG‑FORGE – Stablecoins für die Zahlungsabwicklung
SG‑FORGE, die Digital‑Asset‑Tochter der Bank, stellt die Zahlungsseite der Transaktion bereit. Abgewickelt werden Trades mit den sogenannten CoinVertible‑Stablecoins:
Diese regulierten Stablecoins dienen als digitales Settlement‑Geld für die Transaktionen tokenisierter Wertpapiere auf der Plattform.
flatexDEGIRO – Zugang zu Millionen Privatanlegern
Der Online‑Broker fungiert als Vertriebs‑ und Handelszugang für Retail‑Investoren. flatexDEGIRO betreut mehr als 3,5 Millionen Kunden in 16 europäischen Ländern und kann so Nachfrage und Liquidität für die tokenisierten Produkte schaffen.
Zusammen entsteht damit ein Netzwerk, das Emission, Handel, Abwicklung und Investorenzugang in einer gemeinsamen digitalen Infrastruktur vereint.
Der Prozess lässt sich vereinfacht in fünf Schritte unterteilen:
Damit wird der gesamte Lebenszyklus eines Wertpapiers – von der Ausgabe bis zur endgültigen Abwicklung – innerhalb einer digitalen Infrastruktur verbunden.
Ein wichtiges Designziel der Plattform ist Interoperabilität. Seturion unterstützt sowohl öffentliche Blockchains als auch ausgewählte private Netzwerke, sodass Finanzinstitute unterschiedliche Tokenisierungs‑ und Handelsplattformen integrieren können.
Die Abwicklung kann dabei mit verschiedenen Formen digitalen Geldes erfolgen, etwa:
Diese Flexibilität soll es ermöglichen, die Plattform in verschiedenen regulatorischen und technischen Umgebungen innerhalb Europas zu nutzen.
Produkte wie Zertifikate oder Turbo‑Optionsscheine werden in Europa in sehr hohen Stückzahlen emittiert und gehandelt. Dadurch eignen sie sich gut, um neue digitale Emissions‑ und Abwicklungsprozesse in großem Maßstab zu testen.
Für Marktteilnehmer entsteht so ein realistischer Test, ob Blockchain‑basierte Infrastruktur Effizienzgewinne gegenüber traditionellen Systemen liefern kann.
Die Wertpapierabwicklung in Europa ist historisch gewachsen und stark fragmentiert, da viele nationale Systeme parallel existieren. Das erschwert grenzüberschreitenden Handel und erhöht operative Komplexität.
Die Seturion‑Initiative versucht, diese Fragmentierung zu reduzieren, indem sie eine gemeinsame digitale Abwicklungsschicht schafft, die verbindet:
Sollte sich ein solches Netzwerk breit durchsetzen, könnte es langfristig dazu beitragen, europäische Kapitalmärkte stärker zu integrieren und effizientere grenzüberschreitende Prozesse zu ermöglichen.
Viele Blockchain‑Initiativen im Finanzsektor konzentrieren sich bisher entweder auf tokenisierte Emissionen oder auf experimentelle Handelsplattformen. Die Seturion‑Partnerschaft geht einen Schritt weiter: Sie verbindet mehrere Teile der Marktstruktur gleichzeitig – Emittent, Abwicklungsinfrastruktur, Settlement‑Geld und Investorenzugang.
Damit testen die Beteiligten letztlich eine zentrale Frage für die Zukunft der Finanzmärkte: Kann Blockchain als vollständige Post‑Trade‑Infrastruktur für regulierte Wertpapiermärkte in Europa funktionieren?
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