Norwegen will generative KI für Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 bis 7, also im Alter von sechs bis 13 Jahren, nahezu vollständig verbieten. 14- bis 16-Jährige sollen KI nur unter direkter Aufsicht einer Lehrkraft verwenden dürfen . Smartphones sind an norwegischen Schulen bereits seit 2024 verboten; außerdem plant die Regierung ein Gesetz gegen die Nutzung sozialer Medien durch unter 16-Jährige .
Schweden bereitet für Herbst 2026 ein landesweites, verpflichtendes Handyverbot an Schulen vor . Großbritannien hat eine Konsultation zur Nutzung sozialer Medien durch Kinder gestartet, setzt auf standardmäßig handyfreie Schulen und prüft unter anderem Einschränkungen für suchtfördernde Funktionen sowie strengere Alterskontrollen . Auch in mehreren europäischen Ländern werden Bildschirmzeiten und digitale Geräte im Unterricht reduziert, während gedruckte Materialien wieder stärker in den Vordergrund rücken .
Hongkongs Bildungsbehörde veröffentlichte im Juni 2026 den Blueprint for Digital Education Development in Primary and Secondary Schools. Das Konzept wird von zwei zentralen Ergänzungen begleitet :
Der Plan setzt auf vier Schwerpunkte: digital kompetente junge Menschen mit „menschlicher Fürsorge“ auszubilden, die Lehrerfortbildung zu stärken, intelligente Schulstandorte aufzubauen und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Bereichen zu fördern .
Konkret sollen alle Grund- und weiterführenden Schulen Strategien für digitale Bildung und KI in ihre Schulentwicklungspläne aufnehmen und eigene Zeitpläne für die Umsetzung festlegen . Für die Einführung digitaler Bildung sind außerdem 2 Milliarden Dollar aus dem Quality Education Fund vorgesehen .
Auch für generative KI gibt es gesonderte Vorgaben: Eine im April 2025 veröffentlichte technische und anwendungsbezogene Leitlinie des Digital Policy Office empfiehlt, dass Schülerinnen und Schüler vor der Nutzung generativer KI für schulische Aufgaben eine Genehmigung einholen und dass Lehrkräfte den Einsatz beaufsichtigen . Ergänzend bietet die Bildungsbehörde Fortbildungen zu KI-Kompetenz, dem Einsatz von KI in einzelnen Fächern und digitaler Führung an . Für Grundschulen wurde zudem ein Pilotkurs „Erste Studien zur künstlichen Intelligenz“ eingeführt .
Hongkongs Modell lässt sich als „Erklären statt Verbieten“ mit klaren Schutzvorkehrungen zusammenfassen:
| Bereich | Hongkongs Ansatz |
|---|---|
| KI im Unterricht | Integration über einen KI-Kompetenzrahmen; beaufsichtigte Nutzung wird empfohlen, ein generelles Verbot gibt es nicht |
| Soziale Medien | Kein stadtweites Verbot für unter 16-Jährige; stattdessen Bildung zu verantwortungsvoller Nutzung und digitalen Werten |
| Smartphones | Kein einheitliches Verbot für das gesamte Gebiet; die Schulen regeln den Umgang im Rahmen eigener Richtlinien |
| Grundidee | Schülerinnen und Schüler sollen technische Fähigkeiten und ethisches Urteilsvermögen entwickeln; Lehrerfortbildung ist dabei zentral |
| Schutzmaßnahmen | Leitlinien für generative KI, Lehreraufsicht, Genehmigungsverfahren und werteorientierte Bildung |
Die Logik dahinter: Pauschale Verbote sind möglicherweise schwer durchzusetzen – Australiens Erfahrungen liefern dafür ein aktuelles Beispiel. Langfristig könnten Schülerinnen und Schüler besser geschützt sein, wenn sie lernen, Quellen zu prüfen, KI-Ausgaben kritisch zu hinterfragen und digitale Angebote selbstständig einzuschätzen.
Ray Cheung Chak-chung, Mitglied des Curriculum Development Council, erklärte, der neue Blueprint solle die bislang unterschiedlich organisierten schulischen Ansätze stärker vereinheitlichen und das kritische Denken der Schülerinnen und Schüler fördern. So soll eine übermäßige Abhängigkeit von künstlicher Intelligenz verhindert werden .
Der offene Ansatz birgt zugleich ein Risiko. Wenn Schulen die Regeln im Alltag nicht konsequent umsetzen, können Schülerinnen und Schüler außerhalb des Unterrichts weiterhin mit problematischen Inhalten, übermäßiger Nutzung oder unzuverlässigen KI-Ergebnissen konfrontiert sein. Hongkong setzt hier vor allem auf Wertebildung und digitale Kompetenz – nicht auf ein gesetzliches Verbot.
Auch die Begründungen für strengere Regeln in anderen Ländern sind nicht vollständig vergleichbar. Norwegen verweist bei der Einschränkung generativer KI auf sinkende Ergebnisse bei Lese- und Mathematiktests. Das misst schulische Leistung, sagt aber nicht automatisch, welche Fähigkeiten junge Menschen für eine digital geprägte Zukunft benötigen . Zugleich meldete die norwegische Regierung nach dem Smartphone-Verbot von 2024 rund 60 Prozent weniger Besuche bei psychologischen Fachdiensten .
Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass Hongkong ein stadtweites Mindestalter für soziale Medien oder ein allgemeines Handyverbot an Schulen plant. Die politische Richtung zielt klar darauf, digitale Fähigkeiten zu ermöglichen und gleichzeitig ethische Grenzen zu setzen.
Ob dieses Modell funktioniert, hängt deshalb weniger von der bloßen Veröffentlichung des Blueprints ab als von seiner Umsetzung: Werden Lehrkräfte ausreichend geschult? Werden KI-Ergebnisse zuverlässig überprüft? Haben Schulen klare Regeln für Genehmigung, Datenschutz und Leistungsbewertung? Und werden Daten zum Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler regelmäßig ausgewertet?
Sollten sich diese Daten deutlich verschlechtern, könnte Hongkong die Schutzvorkehrungen auf Schulebene verschärfen, ohne zwangsläufig dem gesetzlichen Verbotsmodell anderer Länder zu folgen. Der Kern des Plans bleibt damit ein pragmatischer Mittelweg: digitale Werkzeuge nutzen, aber nicht zulassen, dass sie kritisches Denken, menschliche Betreuung oder grundlegende Lernfähigkeiten ersetzen.