Huang kommentierte den Umfang der Zusammenarbeit mit den Worten, man habe ein „sehr großes Jahr mit SK hynix“ erlebt und bereite sich auf ein „sehr, sehr großes zweites Halbjahr und nächstes Jahr“ vor . Parallel dazu verkündete die SK Group auf der Computex-Messe in Taipeh zwei massive Investitionen, die als direkte Antwort auf den Chip-Hunger zu werten sind:
Südkorea ist für Nvidia der kritischste Partner überhaupt. Rund 70 Prozent des Speichers für die KI-Chips kommen von dort, und Nvidia hat bereits über 250.000 GPUs im Land installiert, mit Plänen für weitere 260.000 Einheiten .
Für die Zulieferkette lieferte Huang das entscheidende Signal. Die drei größten Speicherhersteller der Welt – Samsung Electronics, SK hynix und Micron – haben alle die Zertifizierung für den High-Bandwidth-Memory-Standard HBM4 erhalten. Dieser ist das Herzstück der nächsten KI-Plattform-Generation, die den Namen Vera Rubin trägt und sich nun in der Massenproduktion befindet .
Direkt nach seiner Ankunft am Gimpo-Flughafen in Seoul am 5. Juni erklärte Huang laut einem Bericht der TechTimes: „Alle drei Anbieter sind qualifiziert. Alle drei Anbieter produzieren und konkurrieren darum, HBM4 für die Auslieferung im dritten Quartal 2026 zu liefern“ . Dass gleich drei Zulieferer bereitstehen, diversifiziert Nvidias Basis enorm und setzt die Speicherhersteller unter Wettbewerbsdruck.
Besonders bemerkenswert ist die Qualifikation von Samsung. Der Konzern hatte im Wettlauf um HBM-Produkte hinter SK hynix zurückgelegen. Nun hat er Nvidias harte Qualifikationstests bei Datenraten von 10 und 11 Gigabit pro Sekunde bestanden, die das Rubin-Design verlangt .
Die Vera-Rubin-Plattform, die eine Vera-CPU mit Rubin-GPU-Clustern kombiniert, ist ein gigantischer Technologiesprung. Huang gab an, die Lieferkette sei doppelt so groß wie die der vorherigen Grace-Blackwell-Generation . Interessant: Der DRAM von SK hynix steckt dabei nicht nur in den GPUs, sondern erstmals auch direkt in der Vera-CPU
.
Doch all diese Erfolgsmeldungen werden von einer düsteren Prognose überschattet: Der Komponentenmangel wird bleiben. „Die gesamte Lieferkette der Industrie, von Wafern über die Chip-Gehäuse bis hin zur Silizium-Photonik, ist knapp, weil die Nachfrage so enorm hoch ist“, wird Huang vom pakistanischen News-Portal The News zitiert. „Das wird noch mehrere Jahre so weitergehen“ . Er warnte eindringlich, der Speichermangel werde noch „ziemlich viele Jahre“ andauern
.
SK-Chairman Chey Tae-won wurde in seinem Ausblick sogar noch präziser und alarmierender. Er prognostizierte in der Korea Times, die weltweite Chip-Knappheit könne mindestens bis 2030 anhalten. Die Ursache sei ein grundsätzlicher Mangel an Wafer-Kapazitäten. „Die Sicherung zusätzlicher Wafer dauert mindestens vier bis fünf Jahre“, erklärte er eine Vorlaufzeit, die an die Planung von Autobahnen oder Kraftwerken erinnert. Chey erwartet, dass das branchenweite Angebotsdefizit bis zum Ende des Jahrzehnts bei über 20 Prozent liegen wird .
Nvidia steht mit dieser Sorge nicht allein da. Intel-Chef Lip-Bu Tan hatte bereits im Februar gegenüber Bloomberg gewarnt, dass die Knappheit bis 2028 dauern könne . Der Druck ist strukturell. Hyperscaler wie Google, Microsoft, Meta, OpenAI und Amazon haben ihre GPU-Verträge bis 2026 festgeschrieben, was den Speichermarkt in einem noch nie dagewesenen Würgegriff hält
. Erste Kollateralschäden sind bereits sichtbar: Einem Bericht von The Information zufolge musste Nvidia die Markteinführung einer neuen Consumer-Grafikkartenserie auf Eis legen – es fehlt schlicht an Speicherchips
.
Die Botschaft dieses Juni 2026 ist so simpel wie brutal: Die Technologie für die nächste KI-Ära ist da, die Lieferanten sind qualifiziert, alle Zeichen stehen auf Wachstum. Doch die Industrie kann mit dem Tempo der Nachfrage nicht Schritt halten. Die 4,9 Milliarden Dollar schwere Wette auf Südkorea und die Verdopplung der Fab-Kapazitäten sind mutige Versuche, die Lücke zu schließen. Huangs handgeschriebene Bitte auf dem Wafer ist jedoch mehr als ein PR-Gag – es ist ein Menetekel. Auf absehbare Zeit wird die Devise in der Tech-Branche lauten: Wer Chips hat, hat Macht.
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