Bemerkenswert: Die Investoren werden gebeten, Gewinne zu reinvestieren, die sie gerade erst erhalten haben. Eine letzte Barausschüttung aus dem Nvidia-Deal stand für die Groq-Anteilseigner unmittelbar bevor. Nun werden sie eingeladen, einen Teil dieses Geldes direkt in das neue Wagnis „Groq 2.0“ zu stecken. Geführt wird die neue Einheit von altgedienten Unternehmensveteranen: CEO Adam Winter und CFO Matt Eng.
Dieser erneute Finanzierungsversuch ist die direkte Folge einer transformierenden, aber höchst unkonventionellen Vereinbarung mit Nvidia im Dezember 2025. Am 24. Dezember gaben beide Unternehmen einen Deal bekannt, dessen Volumen mit 17 bis 20 Milliarden Dollar angegeben wird. Die meisten Quellen sprechen von 20 Milliarden Dollar, eine Reuters-Quelle beziffert die Summe jedoch auf 17 Milliarden.
Die Struktur des Deals war darauf ausgelegt, die strenge kartellrechtliche Prüfung zu umgehen, die eine klassische Übernahme mit sich gebracht hätte. Es handelte sich um eine nicht-exklusive Lizenzvereinbarung, die Nvidia das Recht einräumte, Groqs proprietäre Language Processing Unit (LPU)-Inferenztechnologie zu nutzen. Zeitgleich heuerte Nvidia im Rahmen eines „Reverse Acqui-Hire“ (zu Deutsch etwa: umgekehrte Übernahme zur Talentgewinnung) die Köpfe hinter der Firma an: Gründer und CEO Jonathan Ross sowie Präsident Sunny Madra, beide Schwergewichte der Branche.
Groq blieb nach der Vereinbarung ein unabhängiges Unternehmen und ernannte Simon Edwards zum neuen CEO. Der Deal war der bis dahin größte seiner Art und unterstrich einen klaren strategischen Trend: Big-Tech-Unternehmen sichern sich vermehrt Spitzenkräfte und Zukunftstechnologie, ohne gleich die ganze Firma und alle damit verbundenen regulatorischen Risiken zu kaufen.
Die Strategie hinter Groq 2.0 kommt einer kompletten Neuerfindung des Unternehmens gleich. Nach dem Verkauf einer nicht-exklusiven Lizenz für die eigene Kerntechnologie und dem Verlust der Gründungsmannschaft an den großen Rivalen, wagt Groq nun den Sprung in einen hart umkämpften Markt. Mit einem eigenentwickelten Chipdesign im Gepäck will die Firma im schnell wachsenden Segment der KI-Inferenz-Cloud etablierte Anbieter herausfordern. Die abgesicherte Finanzierungszusage von Disruptive und Infinitum bietet ein solides Fundament. Doch der Erfolg dieses riskanten Manövers wird maßgeblich davon abhängen, ob sich die neue Einheit gegen die Cloud-Giganten behaupten kann.
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