Dieser Vorgang ist kein Einzelfall, sondern der jüngste Schritt in einem streng strukturierten, monatlichen Ritual. Seit November 2023 folgt der Nachlass diesem systematischen Liquidationsmuster . Die Regelmäßigkeit ist so verlässlich, dass sie von Analysten mittlerweile antizipiert wird: Die Abhebungen erfolgen meist zwischen dem 10. und 15. eines jeden Monats, wobei die Mengen häufig im Bereich von 170.000 bis 200.000 SOL liegen
.
Es gibt jedoch Ausnahmen von dieser Regel. So führte der Nachlass im März 2026 eine deutlich größere Transaktion durch und löste 1,1 Millionen SOL aus dem Staking . Bis Oktober 2025 beliefen sich die kumulierten Rücknahmen von der Staking-Adresse auf insgesamt 9,173 Millionen SOL mit einem Wert von rund 1,85 Milliarden Dollar bei einem durchschnittlichen Überweisungspreis von etwa 135 Dollar
.
Diese wiederkehrenden SOL-Liquidationen sind Teil eines gigantischen, gerichtlich genehmigten Tilgungsplans. Ein US-Gericht verurteilte FTX zur Zahlung von 12,7 Milliarden Dollar Entschädigung an seine Kunden im Rahmen eines Vergleichs mit der Commodity Futures Trading Commission (CFTC), der amerikanischen Aufsichtsbehörde für den Rohstoff- und Terminhandel . Das zuständige Insolvenzteam hat sich verpflichtet, viele Forderungen inklusive Zinsen zu 100 Prozent zu bedienen
.
Die Rückzahlungen sind bereits weit fortgeschritten:
Trotz der bereits liquidierten Milliarden sind die Solana-Reserven des FTX-Nachlasses noch lange nicht erschöpft. Ein erheblicher Teil der Bestände stammt aus Käufen, die vor der Insolvenz getätigt wurden und mehrjährigen Freigabeplänen unterliegen . Ein Beispiel: Im März 2026 hielten mit Alameda verbundene Wallets noch rund 3,75 Millionen SOL im Wert von zu diesem Zeitpunkt etwa 321 Millionen Dollar
. Die tatsächliche Beteiligung ist jedoch weit größer. Rechnet man die Token hinzu, die noch in langfristigen Freigabeverträgen gebunden sind, wird das verbleibende Solana-Interesse des Nachlasses auf über eine Milliarde Dollar geschätzt
. Die fortlaufende monatliche Freigabe dieser gesperrten Token ist die Quelle für die sich wiederholenden Unstaking-Ereignisse – ein Muster, das so schnell nicht enden wird.
Man könnte erwarten, dass dieser anhaltende, fast schon mechanische Verkaufsdruck den Solana-Kurs schwer belastet. Überraschenderweise ist der Markteffekt aber bisher gering. Dies liegt an der bewussten Strategie der Liquidatoren, die Abwicklung möglichst marktschonend zu gestalten: Nach dem Unstaking werden die Token über mehrere Zwischenadressen fragmentiert, bevor sie tröpfchenweise an den großen Börsen ankommen . So wird ein einziger großer Verkauf, der den Markt bewegen könnte, vermieden.
Hinzu kommt, dass der breitere Markt einen Teil des Drucks abfedert. Analysten sehen in den massiven Gläubiger-Auszahlungen, wie etwa dem im März 2026 gestarteten 2,2-Milliarden-Dollar-Zyklus, eine potenzielle Quelle neuer Liquidität. Denn das Geld, das an die Anleger zurückfließt, könnte wieder in den Kryptomarkt investiert werden und so dem Verkaufsdruck der Insolvenzmasse entgegenwirken .
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