Yurii überlebte den Angriff. Nach Angaben eines Arztes erlitt er mehrere Splitterverletzungen, eine Gehirnerschütterung sowie ein Explosions- und Schocktrauma. Aus dem Krankenhaus sagte er, er habe der Drohne signalisieren wollen, dass er lediglich Gemüse verkaufe und keine Gefahr darstelle .
Die ukrainische Polizei erklärte, der Mann zeige „keine Anzeichen dafür, ein Kombattant zu sein; er verkauft einfach Waren auf dem Markt“ .
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha warf Russland vor, mit dem Angriff ein Kriegsverbrechen begangen zu haben. Das Video dokumentiere aus ukrainischer Sicht einen vorsätzlichen Angriff auf einen Zivilisten .
Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte die Aufnahmen in sozialen Medien. Er bezeichnete den Vorfall als Beispiel für eine russische „Drohnen-Safari“ beziehungsweise „Menschensafari“ – eine Formulierung, mit der ukrainische Behörden und Politiker die gezielte Jagd auf Zivilisten in Frontgebieten beschreiben .
Die Aufnahmen sind verstörend. Sie zeigen jedoch nicht unmittelbar, wer die Drohne gesteuert hat oder welche konkreten Befehle dahinterstanden. Die ukrainischen Behörden ordnen den Angriff Russland zu und ermitteln ihn als mutmaßliches Kriegsverbrechen.
Der Vorfall auf dem Markt ereignete sich nicht isoliert. Auch am 3. und 4. August wurden aus mehreren ukrainischen Regionen zivile Opfer gemeldet:
Eine in der Ausgangsanfrage genannte Bilanz von 18 Verletzten und zwei Toten in der Region Cherson lässt sich den verfügbaren Berichten keinem eindeutig belegten „Sonntag“-Zeitraum zuordnen. Die Zahlen beziehen sich offenbar auf unterschiedliche Berichtszeiträume und sollten daher nicht ohne weitere Prüfung zusammengeführt werden.
Laut den in der Anfrage genannten, innerhalb des verfügbaren Rechercheumfangs jedoch nicht unabhängig überprüften UN-Zahlen wurden in der Ukraine im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 1.396 Zivilisten getötet und 7.978 verletzt. Das wäre ein Anstieg um 37 Prozent gegenüber 2025 und mehr als eine Verdoppelung der Werte von 2024.
Die exakte Fundstelle des UN-Berichts konnte anhand der vorliegenden Quellen nicht verifiziert werden. Deshalb sind diese Zahlen mit einem entsprechenden Vorbehalt zu lesen. Mehrere Quellen berichten allerdings übereinstimmend von einer hohen und zunehmenden zivilen Opferzahl.
Russland beschuldigte die Ukraine nach einem Angriff in Gelendschik in der Region Krasnodar eines „Terroranschlags“. Dabei sollen sieben Menschen, darunter drei Kinder, getötet worden sein. Die Einzelheiten dieses Vorfalls konnten anhand der verfügbaren Quellen nicht unabhängig überprüft werden.
Moskau weist den Vorwurf zurück, in der Ukraine gezielt Zivilisten anzugreifen, und erklärt, russische Angriffe richteten sich ausschließlich gegen militärische Infrastruktur. Zum konkreten Video des Angriffs auf den Verkäufer in Cherson lag in den bereitgestellten Quellen keine spezielle Stellungnahme Russlands vor.
Die Ukraine bestreitet ihrerseits, Zivilisten in Russland anzugreifen. Sie weist auch eine Verantwortung für den Vorfall in Gelendschik zurück und hat sich dazu nicht als Urheber bekannt.
Nach einem weiteren Drohnenangriff auf ein türkisches Frachtschiff nahe Noworossijsk forderte die Türkei mehr Sicherheit für die Schifffahrt im Schwarzen Meer. Ankara rief alle Beteiligten dazu auf, Handelsschiffe zu schützen.
Bei dem Vorfall wurden nach den vorliegenden Angaben keine Menschen verletzt. Die Türkei warnte jedoch vor den Risiken für neutrale Handelsschiffe in einem Seegebiet, in dem der Krieg zunehmend auch die zivile Schifffahrt gefährdet.
Der Angriff auf den Gemüseverkäufer in Cherson ist durch von ukrainischen Behörden veröffentlichte Aufnahmen sowie die Berichterstattung von Reuters und BBC umfassend dokumentiert . Ebenfalls durch mehrere Berichte bestätigt sind die Todesfälle der beiden Kinder und der älteren Frau in Sumy .
Offen bleiben dagegen die genaue UN-Quelle, die korrekte Zuordnung einzelner Opferzahlen in der Region Cherson sowie weitere Details zum Vorfall in Gelendschik und zum Angriff auf das türkische Frachtschiff. Die Bezeichnung „Menschensafari“ ist eine politische Bewertung der ukrainischen Führung und beschreibt nicht für sich genommen eine bereits rechtskräftig festgestellte Schuld.