So funktioniert es: Der Vorschlag ändert nicht die Berechnung der Validator-Belohnungen. Jede Epoche werden Belohnungen für Attestierungen, Blockvorschläge und Sync-Committee-Teilnahme wie heute ausgezahlt. Anschließend wird ein Bruchteil der idealisierten Belohnungen jedes Validators verbrannt. Der Verbrennungsbruchteil b berechnet sich als b = (D / 60.250.000)^1,5, wobei D die Gesamtzahl der eingezahlten ETH ist . Sinkt der Staking-Anteil unter 50 %, schrumpft der Burn und die Renditen steigen wieder – ein automatischer Anreiz, ohne feste Grenzen .
Argumente dafür: Befürworter verweisen auf das Verdünnungsrisiko: Da etwa 33 % des ETH-Angebots gestakt sind und der Trend zu 50 % geht, erzeugen ungebremste Emissionsbelohnungen wachsenden Verkaufsdruck und verwässern Nicht-Staker . Zudem blieben Sicherheitsanreize erhalten: Validatoren erhielten weiterhin Bruttobelohnungen und könnten Execution-Layer-Tipps und MEV verdienen .
Argumente dagegen: Kritiker errechnen, dass die Netto-Staking-Rendite selbst beim heutigen Staking-Anteil von 33 % auf etwa 1,2 % einbrechen würde – weit unter den rund 1,75 %, die frühere Vorschläge bereits kontrovers machten . Dies könnte kleine Solo-Staker und kleinere Liquid-Staking-Protokolle aus dem Markt drängen und Lido sowie große zentralisierte Börsen stärken . Manche argumentieren auch, dass der Wegfall der Staking-Rendite einen der wichtigsten Vorteile von ETH gegenüber Bitcoin als zinstragenden Vermögenswert beseitigen und die Nachfrage senken könnte .
Timing-Kontroverse: Der Vorschlag wurde nur zwei Tage vor dem Review-Zyklus für den nächsten Hard-Fork „Hegotá“ eingereicht, was viele Beteiligte überraschte und Kritik am übereilten Timing hervorrief .
Die Debatte auf Solana umfasst mehrere Solana Improvement Documents (SIMDs), die bereits weiter in Richtung On-Chain-Abstimmungen fortgeschritten sind:
SIMD-0228 (marktbasierte Emissionen): Vorgeschlagen von Partnern von Multicoin Capital, würde dies Solanas festen, sinkenden Inflationsplan durch ein dynamisches System ersetzen, bei dem die Inflation bei hoher Staking-Beteiligung sinkt und bei niedriger steigt. Schätzungen zufolge könnte die Inflation von ~4,7 % auf bis zu ~0,87–1,5 % fallen, abhängig von den Staking-Bedingungen . Anfang 2025 wurde es zur Validator-Abstimmung gestellt, erreichte damals aber nicht die nötige Mehrheit .
SIMD-0550 (beschleunigte Disinflation): Verdoppelt Solanas jährliche Disinflationsrate von 15 % auf 30 % und zieht die terminale Inflationsuntergrenze von 1,5 % von ~2032 auf ~2029 vor. Dadurch würden über sechs Jahre etwa 18,9 Millionen SOL (~1,36 Milliarden Dollar) aus den Emissionen entfernt .
SIMD-0553 (ressourcenbasierte Gebührenverbrennung): Ergänzt SIMD-0550 und erhöht die täglichen SOL-Verbrennungen um bis zu 14x (von ~47.000 Dollar auf ~650.000 Dollar) durch Anpassungen bei der Berechnung ressourcenbasierter Gebühren .
Beide Vorschläge (SIMD-0550 und SIMD-0553) nähern sich im August 2026 der 15%-Schwelle, die für eine formelle On-Chain-Abstimmung nötig ist .
| Dimension | EIP-8363 (Ethereum) | SIMD-0228 / SIMD-0550/0553 (Solana) |
|---|---|---|
| Mechanismus | Verbrennung eines steigenden %-Anteils der Konsens-Belohnungen mit steigender Staking-Quote | Dynamischer Inflationsplan (SIMD-0228) oder beschleunigte Disinflation + Gebühren-Burns (SIMD-0550/0553) |
| Ziel | Netto-Staking-Rendite über 50 % Staking-Anteil auf null begrenzen; Verwässerung eindämmen | Gesamt-Token-Inflation senken und schneller eine niedrige Endrate erreichen |
| Ansatz | Harte, schwellenwertbasierte Verbrennung von Neuemissionen | Marktgetriebene / fahrplangesteuerte Emissionsreduktion, keine harte Obergrenze |
| Status August 2026 | Frischer Entwurf; frühe Community-Debatte | SIMD-0228 scheiterte bei früherer Abstimmung; SIMD-0550/0553 nähern sich der formellen Abstimmungsschwelle |
| Zentralisierungsrisiko | Höher – niedrige Renditen könnten Solo-Staker zu großen Liquid-Staking-Anbietern treiben | Niedriger – Validatoren erhalten bereits Priority-Fee-Sharing (SIMD-0123), um geringere Emissionen auszugleichen |
| Philosophie | „Weniger ETH ist besser“ – Verbrennung macht ETH knapper | „Effiziente Emissionen“ – nur ausgeben, was der Markt verlangt; Burns + Disinflation für Sound-Money-Eigenschaften |
Der grundlegende philosophische Unterschied ist dieser: Ethereum setzt auf Verbrennung als Staking-Regulator – der Burn existiert nur, wenn viel gestakt wird, und wirkt wie eine Bremse für weiteres Staking. Solanas Vorschläge zielen auf eine breite Senkung der Gesamtinflation durch schnellere Disinflationspläne und höhere Gebührenverbrennungen ab, ohne explizit auf die Staking-Quote abzuzielen.
Beide Ansätze spiegeln einen wachsenden Konsens in beiden Ökosystemen wider, dass die aktuellen Emissionsraten sinken müssen – doch sie gehen stark auseinander, wie und zu welchem Preis für die Staker. Die Ethereum-Debatte steckt in den Anfängen; die Solana-Debatte ist weiter fortgeschritten, mit konkreten Governance-Abstimmungen in greifbarer Nähe.