Estland komplettierte das Trio neun Tage später, am 29. Mai 2026. Auch die estnische Verkehrsbehörde akzeptierte formell die niederländische Zertifizierung und machte den Weg für die Freischaltung per Funk-Update frei . Tesla Europa verkündete den Schritt prompt auf X: „FSD Supervised jetzt in Estland zugelassen. Die Auslieferung beginnt in Kürze.“
. Dieser Anerkennungsweg ist ein Schnellverfahren für kleinere Staaten, die über keine eigene, umfassende Testinfrastruktur verfügen, aber dennoch fortschrittliche Assistenzsysteme genehmigen wollen, sobald eine andere EU-Behörde die Sicherheitsbewertung abgeschlossen hat.
Auch Griechenland und Belgien stehen in den Startlöchern. Das griechische Verkehrsministerium deutete Ende Mai 2026 an, ein anstehender Gesetzentwurf werde die FSD-Genehmigung enthalten. Belgien autorisierte unterdessen einen ersten beaufsichtigten Testbetrieb auf einer Strecke von 5.000 Kilometern .
Estlands Zulassung ist ein Lehrstück dafür, wie der EU-Rahmen zur gegenseitigen Anerkennung die Einführung neuer Technologien prägt. Statt das System einem eigenen nationalen Prüfmarathon zu unterziehen, vertraute Estland auf die Arbeit der niederländischen RDW. Deren Evaluation umfasste über 1,6 Millionen Testkilometer und tausende realer Verkehrsszenarien . Das Ergebnis: Innerhalb kürzester Zeit können nun berechtigte Fahrzeuge in Estland das System nutzen, ohne dass Tallinn eigene aufwändige Testreihen starten musste.
Nationale Genehmigungen summieren sich jedoch nicht automatisch zu einem EU-weiten Segen. Damit FSD in allen 27 Mitgliedstaaten gültig wird, muss die niederländische RDW eine Abstimmung im Technischen Ausschuss für Kraftfahrzeuge (TCMV) der Europäischen Kommission gewinnen. Das Gremium ist für Fragen der Fahrzeugtypgenehmigung zuständig. Die Rechenregel ist eindeutig: Für eine qualifizierte Mehrheit müssen 55 % der Mitgliedstaaten zustimmen, die mindestens 65 % der EU-Bevölkerung repräsentieren .
Niederländische Beamte legten dem Ausschuss am 7. Mai 2026 in einem 20-minütigen Vortrag ihre Argumente dar . Doch die Tagesordnung der 117. Sitzung enthielt keinen Abstimmungspunkt. Die nächsten TCMV-Treffen sind für Juli und Oktober 2026 angesetzt
. Teslas selbstgestecktes Ziel, FSD bis zum Sommer 2026 EU-weit verfügbar zu machen, wirkt damit zunehmend optimistisch. Ohne diesen Beschluss bleibt das System ein länderspezifischer Flickenteppich – auch wenn die gegenseitige Anerkennung nach und nach weitere Nationen ins Boot holt.
Eine Reuters-Recherche förderte Anfang Mai 2026 zuvor unveröffentlichte E-Mail-Korrespondenz von Behördenvertretern aus den Niederlanden, Schweden, Finnland, Dänemark und Norwegen zutage. Deren Einwände lassen sich in drei Hauptkritikpunkte bündeln :
Diese Bedenken wirken weit über Skandinavien hinaus. Mehrere mitteleuropäische Zulassungsbehörden signalisierten, sie wollten zunächst den Ausgang des EU-weiten Verfahrens abwarten, bevor sie über nationale Genehmigungen entscheiden .
Aktuell ist FSD (Supervised) in etwa zehn Ländern verfügbar: in den USA, Kanada, ausgewählten Märkten im Nahen Osten und im asiatisch-pazifischen Raum sowie – neu – in den drei genannten europäischen Ländern. Jede weitere Zulassung in der EU erweitert Teslas adressierbaren Markt für das System signifikant . Die europäische Einführung steht aber noch ganz am Anfang.
In Europa kostet FSD (Supervised) beim Einmalkauf je nach Markt und Fahrzeugkonfiguration zwischen rund 7.500 und 9.900 Euro. In manchen Ländern wird auch ein Abonnement angeboten, das monatlich etwa 99 bis 199 Euro kostet. Tesla hat öffentlich den Sommer 2026 als möglichen Starttermin für Deutschland, Frankreich und Italien genannt. Keines dieser Länder hat die Software bislang formal freigegeben; alle drei unterliegen dem gleichen TCMV-Zeitplan wie der Rest der Gemeinschaft und den jeweiligen Entscheidungen der nationalen Behörden .
Die Geschichte von FSD in Europa ist Ende Mai 2026 eine Erzählung von regulatorischem Schwung und regulatorischer Reibung zugleich. Gegenseitig anerkannte Genehmigungen haben die Software schneller in drei Länder gebracht, als es ein rein nationales Prüfverfahren je erlaubt hätte. Doch die entscheidende EU-Abstimmung, die aus den Einzelgenehmigungen eine Binnenmarkt-Zulassung machen würde, ist weiterhin nicht terminiert – eine Koalition sicherheitsbewusster nordischer Behörden verlangt zuerst Antworten zu Tempoverhalten, winterlichen Straßen und Fahrerablenkung.
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