Die israelischen Streitkräfte haben ihre Militäroperationen im gesamten Westjordanland verschärft:
Am 11. August griffen Dutzende israelische Siedler, geschützt von israelischen Streitkräften, palästinensische Bauern an, die ihr Land in Al-Mughayyir (nordöstlich von Ramallah) pflügten. Sechs Menschen wurden verletzt, darunter drei Kinder und zwei Frauen. Die Siedler legten auch einen Teil des Tals in Brand und griffen nahegelegene Häuser an.
Al-Mughayyir ist immer wieder ein Brennpunkt. Im April 2026 erschoss ein israelischer Armeereservist in demselben Dorf zwei Palästinenser, darunter einen 14-jährigen Jungen.
Am 29. Juli warnte das UN-Menschenrechtsbüro (OHCHR), dass die Gewalt im Westjordanland zunehme. Bis zum 20. Juli 2026, so die Behörde, seien in diesem Jahr 76 Palästinenser im Westjordanland getötet und rund 1.430 Siedlerangriffe dokumentiert worden – ein „Allzeithoch“.
Nach Angaben des OHCHR wurden 18 der Getöteten bei Angriffen getötet, an denen Siedler beteiligt waren (zwölf durch Siedler, drei durch israelische Streitkräfte; bei drei weiteren Todesfällen ist die Verantwortung umstritten).
Das OHCHR zeigte sich zudem zutiefst besorgt darüber, dass die israelische Regierungspolitik – darunter die fortgesetzte Genehmigung von Siedlungen und die Koordinierung von Siedler- und Sicherheitskräfteaktionen gegen palästinensische Gemeinden – eine „faktische Annexion“ des besetzten Gebiets vorantreibe.
Verletzungen infolge von Siedlerangriffen sind seit Jahresbeginn 2026 stark angestiegen – auf mehr als drei pro Tag.
Die aktuelle Gewaltwelle wurde Ende Juli ausgelöst, als eine Konfrontation zwischen Siedlern und Palästinensern in der Nähe des Dorfes Tal bei Nablus vier Palästinenser und zwei Israelis das Leben kostete. Dieser Vorfall, der schwerste einzelne Zwischenfall im Westjordanland des gesamten Jahres, löste weitreichende Vergeltungsangriffe von Siedlern aus – darunter Brandanschläge auf zwei Moscheen in Qusra – sowie eine massive israelische Militäroffensive mit Hunderten von Festnahmen.
Angesichts der sich verschlechternden Lage warnen Anwohner und Hilfsorganisationen, dass das Westjordanland die schlimmste Gewalt seit der Zweiten Intifada erlebt. Siedlerangriffe, Militärrazzien und Hausabrisse prägen zunehmend den Alltag der palästinensischen Bevölkerung.
Quellen: AP, Reuters, BBC, Al Jazeera, UN OHCHR, WAFA, Times of Israel, NPR und andere im Recherchezeitraum abgedeckte internationale Medien.