Das ist für Bitcoin relevant, weil Stablecoins im Kryptomarkt als zentrale Eintrittsschiene für Liquidität dienen. In früheren Abwärtsphasen wechselte Kapital häufig aus volatilen Anlagen in Stablecoins und blieb dort als sogenanntes „trockenes Pulver“ für einen späteren Wiedereinstieg liegen. Der aktuelle Rückgang deutet dagegen eher darauf hin, dass Kapital das Krypto-Ökosystem vollständig verlässt und in Fiatwährungen zurückfließt . Für die kurzfristige Nachfrage nach Bitcoin ist das ein strukturell negatives Signal.
Der Rückgang betrifft mehrere große Anbieter. Tether (USDT) fiel von ungefähr 189 Milliarden US-Dollar Anfang Mai auf rund 183 Milliarden US-Dollar Anfang August . Der Stablecoin USDC von Circle verlor 4,8 Prozent und sank auf 73,5 Milliarden US-Dollar – der größte absolute Rückgang unter den großen Emittenten . Sky USDS büßte 16,4 Prozent ein und lag bei rund 10 Milliarden US-Dollar . Zum Abfluss beigetragen haben könnte zudem der im Juli 2025 verabschiedete GENIUS Act, der Emittenten die Verzinsung von Payment-Stablecoins untersagt .
Auch das technische Bild bleibt angespannt. Bitcoin bewegt sich seit dem starken Rückgang im Juni auf Tagesbasis in einer Formation, die wie ein Bear-Pennant aussieht . Dabei handelt es sich um eine kurze Konsolidierung mit zusammenlaufenden Trendlinien nach einem deutlichen Ausverkauf. Solche Muster lösen sich häufig in Richtung der vorherigen Bewegung auf.
Der Kurs befindet sich nahe der Spitze der Formation bei etwa 65.000 US-Dollar und notiert unter seinen exponentiellen gleitenden Durchschnitten für 50, 100 und 200 Tage. Das spricht zunächst für ein bärisches Szenario. Ein klarer Bruch der ansteigenden Unterstützung bei etwa 62.000 bis 63.000 US-Dollar könnte die Formation bestätigen und ein rechnerisches Kursziel nahe 44.750 US-Dollar aktivieren .
Mehrere Analysten verweisen außerdem auf eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation im Drei-Tage-Chart. Ein Bruch der Nackenlinie würde demnach ein Ziel von ungefähr 41.266 US-Dollar eröffnen . Als nächste größere Nachfragezone wird häufig der Bereich zwischen 40.000 und 48.000 US-Dollar genannt .
Allerdings sind Chartformationen keine Gewissheiten. Eine Auswertung kommt zu dem Ergebnis, dass nur 43 Prozent der Bear-Pennants nach unten aufgelöst werden. Von diesen erreichen wiederum lediglich 32 Prozent ihr vollständiges rechnerisches Ziel . Das Muster liefert also Wahrscheinlichkeiten, keine Garantie. In diesem Fall fällt jedoch die Übereinstimmung mit den Liquiditäts- und Makrorisiken ins Gewicht.
Auch die Saisonalität spricht kurzfristig nicht für Bitcoin. Über 15 Jahre betrachtet weist der August einen Medianverlust von etwa 7 bis 7,87 Prozent auf. Seit 2022 schloss der Monat jedes Jahr im Minus . Eine Analyse hält deshalb zunächst einen Rückgang in Richtung 58.000 bis 62.000 US-Dollar für möglich. Erst nach einer solchen Korrektur wird ein Erholungsszenario in Richtung 80.000 bis 92.000 US-Dollar in Betracht gezogen .
An den Terminmärkten wird bereits eine Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent für eine Zinssenkung im September eingepreist. Dadurch bleibt wenig Raum für einen überraschenden, besonders taubenhaften Impuls – also eine unerwartet lockere Botschaft der Fed .
Auch von der Makroseite ist vorerst keine schnelle Unterstützung in Sicht. Der Offenmarktausschuss der Federal Reserve (FOMC) ließ die Zinsen bei seiner Sitzung am 28. und 29. Juli unverändert. Die Zielspanne für den US-Leitzins blieb bei 3,5 bis 3,75 Prozent . Das Protokoll dieser Sitzung soll am 19. August veröffentlicht werden .
Die nächste FOMC-Sitzung ist für den 15. und 16. September angesetzt und umfasst auch den sogenannten Dot Plot sowie die aktualisierten Konjunkturprognosen. Danach folgen Sitzungen am 27. und 28. Oktober sowie am 8. und 9. Dezember . Damit liegen ungefähr sechs Wochen ohne planmäßige Zinsentscheidung vor – ein Zeitraum, in dem ein wichtiger kurzfristiger Katalysator für Risikoanlagen fehlt.
Als nächster größerer Termin gilt die Rede von Fed-Chef Kevin Warsh in Jackson Hole. Sie könnte Hinweise auf einen möglichen Kurswechsel liefern, ersetzt aber keine tatsächliche geldpolitische Sitzung .
Der Abfluss von Stablecoin-Liquidität, die Positionierung von Bitcoin unter den wichtigen exponentiellen Durchschnitten und das aktive Bear-Pennant ergeben zusammen ein ungünstiges kurzfristiges Bild. In den kommenden Wochen erscheint deshalb ein Test der Zone zwischen 58.000 und 62.000 US-Dollar wahrscheinlich. Sollte diese Unterstützung brechen, könnte sich der Rückgang in Richtung 44.000 bis 48.000 US-Dollar beschleunigen .
Das positive Szenario – eine schnelle Erholung auf 80.000 US-Dollar oder mehr – ist nicht ausgeschlossen. Dafür bräuchte es jedoch Katalysatoren, für die die aktuelle Datenlage nur wenig Unterstützung bietet: eine überraschend lockere Fed, nachlassende Inflationsdaten oder eine Verabschiedung des CLARITY Act vor der Sitzungspause des US-Kongresses am 8. August . Daten aus Prognosemärkten sahen die Wahrscheinlichkeit, dass Bitcoin bis Mitte August 72.000 US-Dollar erreicht, zuletzt bei lediglich 0,4 Prozent .
Wichtig: Die genannten Kursziele beruhen größtenteils auf probabilistischen Chartmustern. Eine überraschend taubenhafte FOMC-Entscheidung im September, eine plötzliche Trendwende bei den ETF-Zuflüssen oder ein regulatorischer Durchbruch könnten das bärische Szenario entkräften. Anfang August 2026 überwiegen jedoch die Argumente für fallende Kurse.