Acemoglu beschreibt einen Mechanismus, den er die 'weiche Zwangsjacke' (soft straitjacket) nennt – keine offene Unterdrückung, sondern eine schleichende, von Eliten vorangetriebene Einschränkung politischer und wirtschaftlicher Wahlmöglichkeiten, die die demokratische Debatte lähmte und die Anliegen der Arbeiterklasse systematisch ausschloss . Diese äußerte sich in drei zentralen Fehlentwicklungen:
Diese weiche Zwangsjacke erstickte die demokratische Responsivität, die dem Liberalismus einst seine Legitimität verlieh, und machte ihn anfällig für den populistischen Backlash .
Acemoglu zieht eine direkte und auffällige Parallele zwischen der Dysfunktion in der KI-Entwicklung und der umfassenderen Krise der liberalen Demokratie. In beiden Bereichen, so argumentiert er, ersetzt elitengetriebene Eskalation den deliberativen, allgemein nützlichen Fortschritt .
Die KI-Debatte, sagt er, 'hat eine Tendenz, alles zu eskalieren', angetrieben von der gleichen Kluft zwischen einer gebildeten, qualifikationsbesessenen Elite und dem Rest der Bevölkerung . Anstatt KI demokratisch so zu gestalten, dass sie Arbeitnehmer unterstützt und öffentlichen Bedürfnissen dient, wird die Technologie eingesetzt, um 'Unternehmen und Regierungen gegenüber Arbeitnehmern und Bürgern zu stärken'
. Die Polarisierung und der Vertrauensverlust in die KI-Governance spiegeln identische Dynamiken im politischen Leben wider
.
Acemoglu ist ein konsequenter Kritiker des aktuellen KI-Kurses. Er schätzt, dass nur etwa 5 % der Aufgaben kurzfristig profitabel automatisiert werden können, was allenfalls ein BIP-Wachstum von 1 bis 1,5 % ergibt, und dass KI im nächsten Jahrzehnt tatsächlich etwa 0,55 % an totaler Faktorproduktivität liefern wird – ein Bruchteil der euphorischen Projektionen der Wall Street . Das eigentliche Problem, so argumentiert er, sei nicht die KI selbst, sondern der 'hirnlose' Diskurs und die Machtkonzentration, die sie ermöglicht
.
Acemoglos vorgeschlagene Alternative ist der 'Working-Class Liberalism' (etwa: Liberalismus der Arbeiterklasse) – ein Rahmen, der in den Werbematerialien als 'Roosevelt-artiges' Projekt beschrieben wird . Seine Kernelemente sind:
Acemoglu versteht dies nicht als Rückkehr zur Sozialdemokratie der Mitte des 20. Jahrhunderts, sondern als eine neue politische Philosophie, die das ursprüngliche Versprechen des Liberalismus – breite Freiheit und gemeinsamer Wohlstand – für eine postindustrielle, technologisch disruptierte Welt zurückerobert . Er argumentiert, dass 'die Reparatur der liberalen Demokratie nicht die Antwort ist' und dass eine grundlegende Neugestaltung erforderlich ist
.