Damit will Solinide den Übergang von der Technologiedemonstration zu Prototyping, Fertigungsvorbereitung und ersten kommerziellen Anwendungen beschleunigen.
Bei vielen optischen Systemen mit Wellenlängenmultiplexing erzeugt jeweils ein eigener Laser eine einzelne Wellenlänge. Mehrere Laser werden anschließend zu einem gemeinsamen Signal gebündelt. Solinides Ansatz verlagert diese Lichtquellen-Funktion auf einen photonischen Siliziumnitrid-Chip.
Dabei erzeugt ein einzelner Pump-Laser in Kombination mit einer integrierten resonanten Struktur zahlreiche gleichmäßig verteilte und kontrollierte Wellenlängen – den sogenannten optischen Frequenzkamm oder „Microcomb“.
Jede Wellenlänge kann als eigener Datenkanal dienen und durch dieselbe Glasfaser übertragen werden. Theoretisch kann eine kompakte Lichtquelle so mehrere Datenströme ermöglichen, ohne für jeden Kanal einen separaten Laser zu benötigen. Im Zusammenhang mit seinem angekündigten Produkt spricht Solinide von Dutzenden Wellenlängen; in den technischen Spezifikationen nennt das Unternehmen mehr als 100 Kanäle.
Der erwartete Vorteil: weniger Komponenten, geringerer Stromverbrauch, weniger Kühlbedarf, niedrigere Kosten und ein kleinerer Platzbedarf für die optische Verbindung. Dabei handelt es sich um Designziele und Unternehmensangaben, nicht um unabhängig bestätigte Ergebnisse aus breiten kommerziellen Einsätzen.
Solinide berichtet außerdem von einer optischen Umwandlungseffizienz von mehr als 60 Prozent für seine „photonic molecular“-Mikrocomb-Architektur. In einem unternehmenseigenen Vergleich liegt die Effizienz herkömmlicher Soliton-Mikrocombs bei weniger als 5 Prozent. Diese Werte wurden auf Grundlage der hier verfügbaren Belege nicht unabhängig benchmarkgetestet.
KI-Systeme bewegen enorme Datenmengen zwischen Prozessoren, Beschleunigern, Arbeitsspeichern und Netzwerkswitches. Mit wachsender Größe der Rechencluster können die optischen Verbindungen zwischen diesen Komponenten zu einem limitierenden Faktor werden – etwa bei Bandbreite, Energieverbrauch, Kühlung und der Packungsdichte von Racks.
Solinide zielt auf dieses Problem mit einer Lichtquelle, die mehrere Wellenlängen auf einem Chip bereitstellen und dadurch die für jede Verbindung benötigte Hardware reduzieren soll. Für Telekommunikationsnetze und künftige Hochkapazitätsinfrastrukturen gelten ähnliche Anforderungen: höhere Übertragungskapazität bei möglichst geringem Energiebedarf, Platzverbrauch und Kosten.
Nach eigenen Angaben hat Solinide die Mikrocomb-Technologie für Datenzentrumsverbindungen demonstriert und ein integriertes System für die Rack-Montage entwickelt. Im Dezember 2025 meldete das Unternehmen ein Siliziumnitrid-Mikrocomb-System im produktionsnahen Formfaktor. Es soll eine optische Umwandlungseffizienz von mehr als 60 Prozent und 28 Wellenlängenkanäle bieten und in ein rackmontiertes, für den Feldeinsatz vorbereitetes Produkt integriert sein.
Solinide erklärte außerdem, dass eine Versuchsintegration mit NVIDIA laufe. Die verfügbaren Belege bestätigen jedoch weder den genauen Umfang noch die Ergebnisse oder den kommerziellen Status dieser Arbeiten. Die Aussage ist daher als Unternehmensangabe zu werten, nicht als bestätigter produktiver Einsatz.
Als Produktstrategie nennt Solinide eine rackbasierte Frequenzkammquelle sowie ein steckbares optisches Lichtquellenmodul für Hochgeschwindigkeitsverbindungen.
Nach Angaben des Unternehmens fließt das neue Kapital in mehrere Bereiche:
Die Finanzierungsrunde ist damit ein wichtiger Schritt auf dem Weg vom Labor- und Demonstratorstadium zu industriell gefertigten Produkten. Ob die von Solinide genannten Effizienzwerte, die Leistung bei Datenzentrumsverbindungen und die behauptete Feldtauglichkeit unabhängigen Tests und kommerziellen Einsätzen standhalten, muss sich allerdings noch zeigen.