„Kostenlos“ bedeutet dabei nicht automatisch, dass jede interessierte Person unabhängig von ihrem Status teilnehmen kann. Die Gebührenbefreiung und die Teilnahmebedingungen gelten für festgelegte Zielgruppen. Interessierte sollten deshalb die jeweils aktuellen Voraussetzungen von ISCA prüfen.
Inhaltlich ist das Programm ausdrücklich nicht nur für Datenwissenschaftler oder IT-Abteilungen konzipiert. Es soll Beschäftigten in Finanzberufen genug praktische KI-Kompetenz vermitteln, um die Technologie im Arbeitsalltag sinnvoll einzusetzen – ohne die Verantwortung für Ergebnisse an ein Tool abzugeben.
AIxAccountancy führt die Teilnehmenden schrittweise von allgemeiner KI-Sicherheit zu konkreten Arbeitsabläufen im Finanzbereich.
Zu Beginn lernen die Teilnehmenden gängige generative KI-Tools kennen, darunter ChatGPT, Claude, Gemini und Microsoft Copilot.
Im Mittelpunkt stehen unter anderem:
Der Schwerpunkt liegt damit nicht auf bloßer Tool-Kenntnis. Eine kompetente Anwenderin oder ein kompetenter Anwender muss auch erkennen, wann ein Ergebnis überprüft werden muss – und wann vertrauliche Informationen überhaupt nicht in ein KI-System eingegeben werden sollten.
In der zweiten Phase geht es um berufsspezifische Anwendungsfälle in Rechnungswesen, Finanzen, Wirtschaftsprüfung und Steuerwesen. Genannt werden etwa die Analyse von Finanzdaten, das Gewinnen von Erkenntnissen aus Rohdaten, die Unterstützung von Prüfungsarbeiten, das Erkennen von Betrugsrisiken sowie die Verbesserung von Prozessen in Buchhaltung und Steuerwesen.
Die Logik ist einfach: Erst sollen die Teilnehmenden die Möglichkeiten und Grenzen allgemeiner KI verstehen. Danach lernen sie zu beurteilen, an welchen Stellen diese Fähigkeiten in einem konkreten professionellen Workflow tatsächlich einen Mehrwert bieten.
AIxAccountancy ist deshalb eher ein Befähigungsprogramm für Finanzfachleute als ein Versprechen einer vollständig automatisierten Buchhaltung. Belege prüfen, professionelles Ermessen ausüben und für Entscheidungen einstehen müssen weiterhin Menschen – besonders bei Aufgaben, bei denen Genauigkeit, Vertraulichkeit, Nachvollziehbarkeit und Compliance entscheidend sind.
Die Schulung ist als selbstgesteuertes Online-Lernen angelegt. Berufstätige können die Inhalte somit neben ihrer Arbeit und anderen Verpflichtungen bearbeiten. ISCA gibt den Umfang mit etwa 30 Stunden praxisnaher, in kleine Einheiten gegliederter E-Learning-Inhalte an. Nach Abschluss sind außerdem Stunden für die kontinuierliche berufliche Weiterbildung (CPE) möglich.
Wer das Programm beendet, erhält ein Zertifikat und ein digitales Badge, das beispielsweise auf LinkedIn angezeigt werden kann. Damit lässt sich die absolvierte KI-Schulung sichtbar dokumentieren, statt lediglich informelle Erfahrung mit einzelnen Tools anzugeben.
Für Arbeitgeber kann das einen einheitlicheren Ausgangspunkt für Gespräche über KI-Einsatz und Weiterbildung schaffen. Beschäftigte und Studierende erhalten dagegen einen strukturierten Nachweis, während sie praktische Erfahrung mit KI in echten Finanzprozessen sammeln.
Teams in Rechnungswesen und Unternehmensfinanzierung arbeiten mit großen Mengen strukturierter Informationen und zunehmend datenintensiven Prozessen. KI kann bei Analysen, Arbeitsabläufen und der Erkennung von Mustern helfen. Ihr Nutzen hängt jedoch stark von der Qualität der Ausgangsdaten und von der menschlichen Bewertung der Ergebnisse ab.
Daher setzt AIxAccountancy laut ISCA auf KI-Kompetenz und verantwortungsvolle Einführung, nicht auf die Anschaffung von Tools um ihrer selbst willen. Die Initiative soll die Fähigkeiten innerhalb des Berufsstands stärken und Fachleute in die Lage versetzen, KI mit mehr Sicherheit und praktischem Nutzen einzusetzen.
Auch aus Unternehmen gibt es Interesse. Die singapurische Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PKF-CAP erklärte, ihre Mitarbeitenden hätten großes Interesse an einer Teilnahme bekundet. Das deutet darauf hin, dass Firmen einen leicht zugänglichen Weg suchen, um in ganzen Teams eine gemeinsame Grundlage für KI-Anwendungen zu schaffen.
Der langfristige Entwicklungspfad reicht dabei vom sicheren Einsatz im eigenen Arbeitsalltag über die Auswahl sinnvoller Anwendungsfälle bis hin zur verantwortungsvollen Einführung von KI in Teams. Ob dieser Schritt gelingt, wird letztlich davon abhängen, wie die Inhalte in realen Organisationen umgesetzt werden. Das Programm ist jedoch darauf ausgelegt, diese Entwicklung zu unterstützen.
AIxAccountancy und die Kurse des Programms SkillsFuture Green Workplace (SFGW) verfolgen unterschiedliche Ziele:
Praktisch bedeutet das: AIxAccountancy hilft einer Finanzfachkraft, KI sicher und effektiv einzusetzen. SFGW-Kurse vermitteln dagegen Wissen, um Nachhaltigkeits- und ESG-Informationen zu verstehen, aufzubereiten oder zu prüfen.
Beide Weiterbildungen können sich ergänzen. Wer beispielsweise mit Klima- oder ESG-Daten arbeitet, benötigt möglicherweise sowohl Fachwissen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung als auch KI-Kompetenz für Datenanalyse und effizientere Arbeitsabläufe. Es handelt sich jedoch nicht um dieselbe Qualifikation und nicht um ein gemeinsames Programm.
AIxAccountancy bietet Singapurs Finanz- und Rechnungswesen eine klar strukturierte Route in die KI-Nutzung: zuerst die Grundlagen, dann die Anwendung in konkreten beruflichen Aufgaben. Das Ziel, 60.000 Fachkräfte in drei Jahren zu erreichen, zeigt, dass KI-Kompetenz nach dem politischen Verständnis Singapurs weit über den Technologiesektor hinausgehen soll.
Die entscheidende Einschränkung bleibt: KI ist ein Assistent professioneller Arbeit, kein Ersatz für Kontrolle und Verantwortung. Der praktische Wert des Programms wird daher vor allem darin liegen, dass Teilnehmende lernen, wo KI Zeit sparen und Analysen verbessern kann – und an welchen Stellen das menschliche Urteil unbedingt die letzte Instanz bleiben muss.