Damit rücken klassische Survival-Horror-Elemente ins Zentrum. Munition und Heilung sind knapp, Entscheidungen im Inventar haben Gewicht, und Begegnungen mit den grotesken Kreaturen sollen spürbare Kosten verursachen. Umwelt-Rätsel, versteckte Wege und später zugängliche Abkürzungen sorgen dafür, dass die einzelnen Bereiche nach und nach miteinander verschmelzen.
Die Richtung erinnert deshalb stärker an die moderne Resident-Evil-Tradition als an ein klassisches Detektivspiel. Vorschauen und Tests verweisen auf Resident Evil als Vorbild für Ressourcenknappheit, Kämpfe und Rätseldesign. Die bedrückende, surreale Atmosphäre lädt zugleich zu Vergleichen mit Silent Hill ein.
Die Hauptfigur ist Calvin Rafferty, ein Okkultist, dessen Partnerin Faye Bennett nach einem missglückten Traumritual in ein übernatürliches Koma fällt. Auf der Suche nach einem Heilmittel verschlägt es Calvin nach Arkham – in eine fiktive Stadt der 1920er-Jahre, die von einer übernatürlichen Flut verschlungen wurde. Mit dem Wasser sind auch Wesen aus den Tiefen an die Oberfläche gelangt.
Frogwares zufolge ist die Geschichte eigenständig genug, um auch ohne Kenntnis des Vorgängers verständlich zu sein. Sie setzt die Ermittlungen des früheren Protagonisten Charles Reed in Oakmont nicht direkt fort. Beide Spiele teilen sich jedoch Verbindungen in der Welt und den übergeordneten Cthulhu-Mythos.
Dieser Ansatz verleiht der Handlung ein unmittelbareres Ziel. Calvin versucht nicht nur, das Geheimnis einer dem Untergang geweihten Stadt zu entschlüsseln, sondern einen geliebten Menschen zu retten. Flut, bröckelnde Architektur und Monster machen dabei jeden Schritt durch Arkham zur Bedrohung.
The Sinking City 2 wurde mit der Unreal Engine 5 entwickelt. Überflutete Straßen, verfallende Innenräume, deformierte Kreaturen und detaillierte Gesichtsanimationen prägen die Präsentation. Die Technologie dient dabei nicht bloß als optisches Upgrade: Frogwares nutzt Beleuchtung und Umgebungsdetails, um selbst scheinbar gewöhnliche Wege durch Arkham unheimlich wirken zu lassen.
Die Stadt selbst gehört zu den am häufigsten gelobten Elementen. Tests heben die überschwemmte Umgebung, das groteske Gegnerdesign und die Fähigkeit des Spiels hervor, seine Lovecraft-Atmosphäre trotz des Wechsels weg vom langsameren Ermittlungsformat zu bewahren.
Der neue, konzentriertere Aufbau bringt allerdings einen Kompromiss mit sich. Ein Test lobte, dass die Fortsetzung nicht wieder in einer offenen Welt ausufert, die sich irgendwann ziehen konnte. Gleichzeitig kann sich der linearere Verlauf für manche Spieler zu knapp anfühlen, weil sie einzelne Schauplätze gern länger erkunden würden.
Der Schritt zum Survival-Horror ist die größte Stärke des Spiels – und zugleich der Bereich, in dem seine Grenzen besonders deutlich werden. Viele Kritiken loben Frogwares’ Selbstvertrauen, nennen aber auch ungleichmäßige Sprecherleistungen, Bugs, technische Unsauberkeiten, eine mitunter hakelige Kamera, ein nicht immer stimmiges Kampfbalance und unzuverlässiges Auto-Aiming.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft das späte Spiel. Einige Tests berichten, dass ausgiebiges Sammeln oder gezieltes Ressourcen-Grinding den Druck im späteren Verlauf abschwächen kann. Das gilt insbesondere für Bosskämpfe, die dadurch teilweise weniger bedrohlich wirken. Dabei handelt es sich um Einschätzungen einzelner Kritiker und nicht um eine allgemeingültige Erfahrung. Dennoch zeigt sich ein bekanntes Spannungsfeld: Das Spiel will Knappheit erzeugen, belohnt ausdauernde Spieler aber zugleich mit Möglichkeiten, sich besser auszurüsten.
Frogwares entwickelte The Sinking City 2 in Kyjiw, während der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine andauerte. Das Studio verwies auf die fortbestehenden Herausforderungen des Krieges, als es den ursprünglich für 2025 geplanten Veröffentlichungstermin auf die erste Hälfte des Jahres 2026 verschob.
Die Entscheidung für Kickstarter bezeichnete Frogwares als finanzielles Sicherheitsnetz. Die zusätzliche Finanzierung sollte helfen, die Unsicherheiten während der Entwicklung abzufedern und weitere Funktionen sowie Inhalte zu ermöglichen.
Die Kampagne erreichte ihr Ziel von 100.000 Euro innerhalb weniger Stunden. Bei der Endsumme unterscheiden sich jedoch die verfügbaren Angaben: Ein Bericht nennt 544.867 Euro von mehr als 6.000 Unterstützern, während ein späterer Kickstarter-Schnappschuss 554.002 Euro von 6.181 Unterstützern ausweist. Sicher lässt sich daher festhalten, dass die Kampagne mehr als eine halbe Million Euro einbrachte; die genaue Endsumme hängt von der jeweiligen Quelle beziehungsweise Momentaufnahme ab.
Die erste Resonanz fällt insgesamt positiv aus, auch wenn sich Wertungsdurchschnitte nach dem Start noch verändern können. Steam führte das Spiel zum erfassten Zeitpunkt mit dem Prädikat „Sehr positiv“: 95 Prozent von 218 Nutzerrezensionen waren positiv.
Metacritic listete einen Kritiker-Durchschnitt von 79 Punkten und ordnete das Spiel als „Generally Favorable“ ein. OpenCritic zeigte in seiner aktuellen Aufstellung einen Top-Critic-Schnitt von 81 sowie eine Empfehlungsquote von 77 Prozent.
Diese Zahlen entsprechen dem allgemeinen Bild der Tests. Zu den größten Stärken zählen die Atmosphäre, die Kreaturen, das überflutete Setting und die Bereitschaft, die Reihe grundlegend umzubauen. Die Schwächen liegen eher in den typischen rauen Kanten einer Produktion mit begrenzterem Budget: Bugs, technische und inszenatorische Uneinheitlichkeit, Probleme bei der Sprachausgabe, Kameraverhalten und ein Kampfsystem, das nicht immer die Präzision der Genregrößen erreicht.
The Sinking City 2 sollte man als Survival-Horror-Neuinterpretation der Frogwares-Reihe verstehen – nicht als geradlinige Fortsetzung, die einfach einen weiteren Fall in einer offenen Welt erzählt. Das überflutete Arkham, die Lovecraft-Bilder, der Druck knapper Ressourcen und die Umgebungsrätsel geben der Serie eine deutlich schärfere Horror-Identität. Die Ermittlungen bleiben erhalten, dienen aber eher als erzählerische und atmosphärische Ergänzung denn als tragendes Gerüst.
Damit richtet sich das Spiel vor allem an Fans angespannter Erkundung und gefährlicher Kreaturenbegegnungen. Wer am Vorgänger besonders den langsamen, detailreichen Rhythmus der Spurensuche mochte, dürfte sich hingegen umstellen müssen. Die ersten Tests deuten darauf hin, dass Frogwares’ riskanter Kurswechsel aufgeht – allerdings mit technischen und inszenatorischen Kompromissen, auf die sich Interessierte einstellen sollten.