Am 4. August 2026 haben SK hynix und Sandisk auf der Konferenz Future of Memory and Storage (FMS) 2026 in Santa Clara, Kalifornien, die erste offizielle technische HBF-Spezifikation veröffentlicht . Sie wurde über das Open Compute Project (OCP) publiziert – eine Initiative, die offene Hardwarestandards für Rechenzentren fördert.
Der Standard soll laut den beteiligten Unternehmen offen und lizenzgebührenfrei nutzbar sein. Damit wollen SK hynix und Sandisk eine möglichst breite Unterstützung durch Speicherhersteller, Chipentwickler und Anbieter von KI-Systemen erreichen . Die Veröffentlichung folgt auf eine gemeinsame Absichtserklärung vom August 2025 und einen im Februar 2026 gestarteten HBF-Arbeitsbereich innerhalb des OCP .
Die erste Spezifikation definiert zwei mögliche Stapelhöhen:
Sandisks HBF-Produkte der ersten Generation sollen auf einem 16-fachen Stack basieren . Damit zielt die Technologie auf deutlich mehr Kapazität als ein vergleichbarer HBM-Baustein. Sandisk zufolge soll die erste Generation bis zu 1,6 TB/s Lesebandbreite erreichen – ungefähr auf dem Niveau eines HBM4-Stacks, allerdings mit etwa zehnfacher Kapazität .
Die OCP-Spezifikation sieht drei Leistungsstufen vor :
| Klasse | Lesebandbreite |
|---|---|
| Einstieg | etwa 0,4 TB/s |
| Mittel | etwa 1,6 TB/s |
| Hoch | etwa 3,0 TB/s |
Die Werte beschreiben die mögliche Lesebandbreite, also wie schnell Daten aus dem Flash-Speicher gelesen werden können. Für KI-Inferenz ist das besonders relevant, weil große Sprach- und Bildmodelle häufig umfangreiche Gewichtedaten zwischen Speicher und Beschleuniger bewegen müssen.
Anders als eine klassische NVMe-SSD soll HBF nicht primär über ein PCIe-Speicherprotokoll angesprochen werden. Vorgesehen ist ein paralleler Hochgeschwindigkeitsbus, der den Flash-Speicher direkt mit einer GPU oder einem anderen KI-Beschleuniger verbindet – ähnlich dem Ansatz bei HBM .
Die physikalischen und elektrischen Vorgaben werden im offenen OCP-Hardware-Rahmen veröffentlicht . Für Entwickler ist das entscheidend: Ein gemeinsamer Standard kann die Entwicklung von Beschleunigern, Speichermodulen und Systemen vereinfachen, sofern sich genügend Anbieter darauf festlegen.
Das HBF-Konsortium wird von SK hynix und Sandisk angeführt. Während des Standardisierungsprozesses sind außerdem zwei wichtige Akteure hinzugekommen:
Die Teilnahme dieser Unternehmen bedeutet jedoch noch nicht, dass konkrete Serienprodukte oder verbindliche Einsatzszenarien feststehen. Sie zeigt vor allem, dass die Standardisierung nicht ausschließlich aus Sicht der Speicherhersteller vorangetrieben wird.
Nach der bisherigen Unternehmensplanung ist der Fahrplan wie folgt:
Die Ankündigung auf der FMS 2026 hat diesen Zeitplan nicht wesentlich verändert. Es handelt sich daher weiterhin um die zuvor kommunizierten Zieltermine, nicht um eine Bestätigung bereits verfügbarer Serienprodukte .
Der Wettbewerb entwickelt sich entlang unterschiedlicher technischer Ansätze:
| Unternehmen bzw. Ansatz | Architektur | Genannte Ziele | Zeitplan und Einordnung |
|---|---|---|---|
| SK hynix und Sandisk | Offener OCP-Standard mit TSV-gestapeltem NAND | Bis zu 512 GB und 3,0 TB/s; erste Generation bis zu 1,6 TB/s | Speicherproben in H2 2026, Geräte-Bemusterung Anfang 2027; Google und Tenstorrent unterstützen das Ökosystem |
| Samsung | Eigene, proprietäre High-Bandwidth-NAND-Technologie | Ähnliche Kapazitäts- und Bandbreitenziele wie HBF | Berichten zufolge Produkte für Nvidia, AMD und Google ab Ende 2027 bis Anfang 2028 |
| Kioxia | GP-Series-Module auf XL-Flash-Basis, über PCIe angebunden | Bis zu 5 TB pro Modul und rund 64 GB/s; Roadmap bis zu 100 Millionen IOPS | Erste GP-Series-SSDs ab dem dritten Quartal 2026; anderer Ansatz als ein direkt am Speicherbus angebundenes HBF-Modul |
| Nvidia | Kein eigener HBF-Standard, sondern wichtiger Abnehmer und Qualifizierer | Keine eigenen HBF-Kapazitäts- oder Bandbreitenziele | Zusammenarbeit mit Kioxia bei sehr schnellen SSDs und Prüfung von Samsungs HBF für künftige GPUs |
Der zentrale Unterschied liegt in der Anbindung. HBF-Konzepte von SK hynix, Sandisk und Samsung setzen auf eine direkte Verbindung zum Speicherbus des Beschleunigers und zielen damit auf Bandbreiten im Terabyte-pro-Sekunde-Bereich. Kioxias GP-Series-Ansatz bleibt dagegen eine PCIe-basierte SSD-Lösung. Er bietet mit bis zu 5 TB deutlich mehr Kapazität pro Modul, erreicht aber mit rund 64 GB/s wesentlich weniger Bandbreite und lässt sich einfacher in bestehende Systeme integrieren .
Auch beim Geschäftsmodell gibt es einen Unterschied: SK hynix und Sandisk setzen auf eine offene OCP-Spezifikation, während Samsung und Kioxia eigene technische Wege verfolgen. Der offene Standard könnte HBF schneller verbreiten – vorausgesetzt, GPU-Hersteller und Systemanbieter übernehmen die Schnittstelle.
HBF soll HBM nicht vollständig ersetzen. HBM bleibt für besonders latenz- und bandbreitenkritische Rechenoperationen die schnellere Speicherlösung. HBF könnte vielmehr als zusätzliche, kapazitätsstarke Ebene dienen: näher am KI-Beschleuniger als eine klassische SSD, aber mit wesentlich mehr Speicherplatz als HBM.
Ob daraus tatsächlich ein neuer Standard für KI-Inferenz wird, hängt daher nicht nur von den technischen Daten ab. Entscheidend sind die Verfügbarkeit der Module, die Unterstützung durch GPU- und KI-Chip-Hersteller sowie die Integration in reale Serverplattformen. Mit der ersten offenen Spezifikation haben SK hynix und Sandisk dafür nun zumindest die technische Grundlage geschaffen.