Die Berichte aus den ersten Maitagen zeigen, warum der Begriff „Waffenruhe“ in diesem Fall leicht in die Irre führt. Dawn meldete am 4. Mai unter Berufung auf libanesische Medien und die staatliche National News Agency, neue israelische Angriffe hätten im Süden des Libanon mindestens sieben Menschen getötet — unter anderem bei Angriffen in Safad al-Battikh, nahe Tyros sowie durch einen Drohnenangriff auf ein Motorrad . Zwei Tage später berichtete AFP über die Hindustan Times, ein israelischer Angriff in der östlichen Bekaa-Ebene habe vier Menschen getötet; die israelische Armee erklärte zugleich, sie habe nach Evakuierungswarnungen an Bewohner von rund einem Dutzend Ortschaften Hisbollah-Ziele im Süden angegriffen
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Ein Beitrag von Democracy Now vom 1. Mai zitierte ebenfalls die libanesische National News Agency und berichtete von mehr als 30 Toten an einem einzigen Tag israelischer Angriffe im Süden des Libanon; zugleich habe eine Hisbollah-Drohne zwölf israelische Soldaten im Norden Israels verletzt . Diese Angaben beziehen sich auf unterschiedliche Vorfälle und Zeitfenster. Sie lassen sich daher nicht einfach zu einer gesicherten Gesamtopferzahl addieren. Zusammengenommen zeigen sie aber, wie häufig die Feuerpause durch Angriffe, Gegenschläge und widersprüchliche Darstellungen unterbrochen wird
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Der zentrale Grund für die anhaltenden Kämpfe ist: Die Seiten sind sich offenbar nicht einig, was die Waffenruhe erlaubt — und was bereits als Bruch gilt.
Israel stellt seine Angriffe als Reaktion auf Verstöße der Hisbollah und als Schläge gegen militärische Ziele der Organisation dar. Chosun Biz berichtete, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu habe schwere Angriffe auf Hisbollah-Hochburgen angeordnet, nachdem Israel der Hisbollah eine Verletzung der Waffenruhe vorgeworfen hatte; Netanjahu wurde mit den Worten zitiert, Israel behalte sich „vollständige Freiheit“ vor, „gegen jede Bedrohung“ vorzugehen . Auch der von der Hindustan Times veröffentlichte AFP-Bericht gibt die Darstellung der israelischen Armee wieder, wonach Angriffe im Süden des Libanon Hisbollah-Zielen gegolten hätten
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Libanesische Behörden und Medien beschreiben dieselben Entwicklungen anders. Dawn sprach im Zusammenhang mit den Toten vom 4. Mai von israelischen „Waffenruhe-Verstößen“, Democracy Now bezeichnete israelische Angriffe ebenfalls als weitere Verletzungen der von den USA vermittelten Feuerpause . Praktisch bedeutet das: Die Waffenruhe ist nicht nur militärisch fragil, sondern auch politisch umstritten. Israel reklamiert für sich Durchsetzung und Selbstverteidigung; libanesische Quellen und die Hisbollah sehen in den israelischen Operationen Brüche der Vereinbarung
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Wichtig ist auch: Die verfügbaren Berichte beschreiben die Waffenruhe nicht als fertigen Friedensvertrag. Chosun nannte sie ausdrücklich eine vorübergehende, von den USA vermittelte Feuerpause und berichtete, die Zahl der Opfer sei gestiegen, während Israel und Hisbollah einander Verstöße vorwarfen und Angriffe ausführten .
Diese Vorläufigkeit macht die Lage so gefährlich. Diplomatische Gespräche laufen offenbar parallel zu militärischem Druck. Xinhua meldete am 28. April unter Berufung auf Israels Kan TV und israelische Vertreter, Israel betrachte die Verlängerung der aktuellen Waffenruhe bis Mitte Mai als letztes Zeitfenster, um eine dauerhafte Vereinbarung mit dem Libanon zu erreichen. Eine Regierungsquelle habe demnach gewarnt, Israel könne seine Operationen gegen die Hisbollah im Libanon ausweiten, falls keine dauerhafte Einigung erzielt werde .
Die meisten jüngeren Berichte konzentrieren sich auf den Süden des Libanon — also auf jene Grenzregion, in der die Konfrontation zwischen Israel und der Hisbollah seit langem besonders angespannt ist. Dort meldeten Dawn und Democracy Now tödliche israelische Angriffe; dort erklärte auch die israelische Armee, sie greife Hisbollah-Ziele an .
Doch die von AFP über Hindustan Times gemeldete tödliche Attacke in der östlichen Bekaa-Ebene zeigt, dass die Gewalt nicht nur auf einen schmalen Grenzstreifen beschränkt bleibt . Für die Einschätzung der Lage ist das entscheidend: Anhaltende Berichte aus dem Süden deuten auf eine ungelöste Grenzkonfrontation hin, Angriffe weiter im Landesinneren zeigen zugleich, dass sich der Konflikt innerhalb des Libanon ausweiten kann
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Drei Entwicklungen werden zeigen, ob die Waffenruhe stabiler wird — oder weiter Richtung Zusammenbruch rutscht.
Erstens: Kommt vor dem berichteten Zeitfenster bis Mitte Mai eine dauerhafte Regelung zustande ? Zweitens: Bleiben neue Angriffe vor allem auf den Süden des Libanon konzentriert, oder werden weiter auch Gebiete wie die Bekaa-Ebene getroffen
? Drittens: Nehmen Hisbollah-Beschuss und israelische Angriffe gleichzeitig zu? Genau diese Dynamik — Hisbollah-Angriffe, Israels Anspruch auf Handlungsfreiheit gegen Bedrohungen und gegenseitige Vorwürfe von Waffenruhe-Verstößen — beschreiben die jüngsten Berichte bereits
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Israel und die Hisbollah kämpfen weiter, weil die Waffenruhe den Grundkonflikt nicht gelöst hat: Wer darf was als Verstoß werten, wer darf militärisch reagieren, und wie weit reicht Israels beanspruchtes Recht, gegen mutmaßliche Hisbollah-Bedrohungen vorzugehen? Im Moment ist die Feuerpause weniger ein stabiler Halt der Feindseligkeiten als ein umkämpfter Rahmen. Israel sagt, es müsse gegen Bedrohungen handeln können; libanesische Quellen melden tödliche Angriffe als Verstöße; und der Diplomatie bleibt laut Berichten nur ein enges Zeitfenster, um aus einer vorläufigen Pause etwas Belastbareres zu machen .