Ein Bloomberg Index für acht Schwellenländerwährungen legte seit Ende 2024 rund 22 Prozent zu und verzeichnete sieben positive Quartale in Folge – die längste Gewinnserie seit 2008. Beim Carry Trade wird in einer vergleichsweise zinsgünstigen Währung finanziert und in höher verzinste Schwellenländerwährungen oder lo...
Forschungsantwort

Create a landscape editorial hero image for this Studio Global article: What is driving the dollar-funded emerging-market carry trade’s longest winning streak since the 2008 financial crisis—including Bloomberg’s. Article summary: The run is being driven by an unusually favorable carry backdrop: large yield premia, subdued FX volatility, a weak/cheap dollar funding leg, resilient global risk sentiment, and continuing foreign demand for high-yieldi. Topic tags: general, news, general web, user generated. Style: premium digital editorial illustration, source-backed research mood, clean composition, high detail, modern web publication hero. Use reference image context only for broad subject, composition, and topical grounding; do not copy the exact image. Avoid: logos, brand marks, copyrighted characters, real person likenesses, fake screenshots, UI text, readable text, watermarks, charts w
Der Carry-Trade mit Schwellenländerwährungen erlebt eine außergewöhnlich lange Erfolgsphase. Ein Bloomberg-Index, der acht Schwellenländerwährungen abbildet, erzielte seit Ende 2024 rund 22 Prozent Rendite und verbuchte sieben positive Quartale in Folge – die längste Gewinnserie seit 2008. 183
Der Grund ist eine selten günstige Kombination: große Zinsunterschiede, vergleichsweise ruhige Devisenmärkte, eine zeitweise weniger attraktive Dollar-Finanzierung und anhaltende Nachfrage nach renditestärkeren Anlagen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Strategie risikoarm wäre. Carry-Trades erzielen ihre Erträge meist schrittweise, können aber in kurzer Zeit hohe Verluste erleiden, wenn die Finanzierungswährung aufwertet, die Volatilität steigt oder Anleger gehebelte Positionen gleichzeitig abbauen.
Bei einem Dollar-finanzierten Carry-Trade leihen sich Anleger im Grundprinzip US-Dollar – oder verkaufen sie am Markt – und kaufen dafür eine höher verzinste Schwellenländerwährung oder eine Anleihe in lokaler Währung. Die Rendite besteht aus zwei Komponenten:
Ein hoher nominaler Zins ist deshalb kein sicherer Gewinn. Wertet die Zielwährung stärker ab als der Zinsvorsprung ausfällt, kann aus einem positiven Carry-Trade ein Verlustgeschäft werden.
Die ruhigen Devisenmärkte haben die Strategie zusätzlich attraktiv gemacht. Bei niedriger realisierter und erwarteter Wechselkursvolatilität fallen die täglichen Kursschwankungen geringer aus, und Absicherungen können günstiger sein. Im Juni berichtete Bloomberg jedoch, dass steigende Dollar-Schwankungen und Erwartungen höherer Leitzinsen der US-Notenbank Federal Reserve bereits Druck auf die Strategie ausübten. 9
Der wichtigste Anreiz sind die hohen lokalen Zinsen. In der Türkei erreichten die Zinsen und Anleiherenditen für die Lira zeitweise etwa 40 Prozent oder mehr – deutlich über den Finanzierungskosten in einer zinsgünstigen Währung. Diese Differenz kann erhebliche Carry-Erträge liefern, solange die Abwertung der Lira den Zinsvorteil nicht aufzehrt. 3
Die Türkei zeigt zugleich, warum der Blick auf die Rendite allein zu kurz greift. Goldman Sachs erwartete später, dass die Lira gegenüber dem Dollar mit einer annualisierten Rate im mittleren 20-Prozent-Bereich abwerten könnte. Die türkische Politik stellte dabei die Stabilisierung des Außenhaushalts in den Vordergrund. Eine schnellere Abwertung kann somit einen großen Teil des nominalen Zinsvorteils zunichtemachen. 10
Carry-Positionen lassen sich leichter halten, wenn sich Währungen in engen Bandbreiten bewegen und die globalen Märkte geordnet bleiben. Die Strategie hängt daher nicht nur vom Zinsabstand ab, sondern auch davon, ob Investoren bereit sind, Risiken in Schwellenländern zu tragen.
Ein plötzlicher Volatilitätsschock kann gehebelte Anleger jedoch dazu zwingen, Positionen gleichzeitig zu schließen. Aus einer Strategie mit stetigen Erträgen wird dann schnell ein scharfer Rückschlag.
Der Ausstieg aus dem Yen-Carry-Trade im August 2024 ist ein aktuelles Beispiel. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich erklärte, dass veränderte Zinserwartungen und ein Volatilitätsschub den Abbau von Fremdfinanzierung verstärkten. Besonders stark betroffen waren Währungs-Carry-Trades, die in Yen finanziert worden waren. 5054
Zuflüsse ausländischen Kapitals können sowohl die lokale Währung als auch den heimischen Anleihemarkt stützen. In der Türkei kehrten internationale Investoren zurück, weil hohe Zinsen, verbesserte Marktbedingungen und geringere geopolitische Unsicherheit den Trade attraktiver machten. Bloomberg bezifferte die Devisen-Carry-Positionen auf rund 30 Milliarden US-Dollar und die ausländischen Anlagen in Anleihen in Landeswährung auf etwa 15 Milliarden US-Dollar. 6
Daraus kann ein sich selbst verstärkender Kreislauf entstehen: Zuflüsse treiben lokale Vermögenswerte und Währungen nach oben, verbessern die Zwischenbilanz der Anleger und fördern weitere Investitionen. Beim Ausstieg funktioniert derselbe Mechanismus in die entgegengesetzte Richtung.
Der Dollar ist eine wichtige Finanzierungswährung, aber nicht die einzige. Als der Dollar Mitte 2026 wieder stärker wurde, wichen einige Fondsmanager für ihre Schwellenländerpositionen auf den Euro und den Australischen Dollar aus. Morgan Stanley empfahl zudem, auf eine Aufwertung von Schwellenländerwährungen gegenüber einem breiteren Korb aus Dollar, Euro und Yen zu setzen. 5
Diese Flexibilität hat dazu beigetragen, das übergeordnete Thema des EM-Carry-Trades – also des Carry-Trades mit Schwellenländerwährungen – auch dann am Leben zu halten, wenn eine reine Dollar-Finanzierung weniger attraktiv wurde.
Die Einschätzungen der großen Finanzhäuser sind grundsätzlich positiv. Sie sind jedoch keine pauschale Empfehlung für jede Hochzinswährung.
PGIM: Cathy Hepworth, die das Schwellenländer-Anleiheteam des Vermögensverwalters PGIM leitet, bezeichnete Carry als ihr Überzeugungsthema mit der höchsten Priorität: „Carry, Carry, Carry.“ Das unterstreicht die Attraktivität der laufenden Erträge – nicht die Abwesenheit von Währungsrisiken. 3
Goldman Sachs: Goldman bezeichnete das globale Umfeld für Carry-Trades als so überzeugend wie seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr und bevorzugte Finanzierungen in Yen, Schweizer Franken oder Euro. Die separate Einschätzung zur Türkei fiel vorsichtiger aus: Eine schnellere Abwertung der Lira könnte die Rendite des Trades erheblich verringern. 710
Morgan Stanley: Morgan Stanley gehörte zu den Banken, die Anfang 2026 mit einer Fortsetzung der Rally rechneten. Zugleich warnte das Institut bereits davor, dass der Lira-Trade überfüllt und bei einer beschleunigten Abwertung anfälliger werden könnte. 1115
Bank of America: Auch die Bank of America sah Anfang 2026 Spielraum für eine Fortsetzung der breiteren Carry-Rally. Für die Türkei wurde sie defensiver, als ein Ölpreisschock eine höhere Importrechnung und stärkere Lira-Verluste erwarten ließ. Bloomberg berichtete, dass die Bank of America und Barclays in diesem Umfeld ihre positiven Lira-Positionen aufgaben. 1112
Der entscheidende Unterschied lautet daher: Die Institute stehen einem diversifizierten Carry-Engagement in Schwellenländern weiterhin vergleichsweise konstruktiv gegenüber. Konzentrierte Wetten auf eine einzelne Hochzinswährung – insbesondere die Lira – beurteilen sie deutlich vorsichtiger.
Steigende US-Renditen oder eine deutliche Dollar-Aufwertung würden die Finanzierung verteuern und den effektiven Renditevorsprung verringern. Selbst wenn die lokalen Zinsen hoch bleiben, kann die Wechselkursbewegung den Zinsgewinn übertreffen. Bloomberg nannte höhere Dollar-Volatilität und Erwartungen steigender Fed-Zinsen als direkte Gefahren für Carry-Renditen. 9
Besonders gefährlich wird es, wenn viele Anleger gleichzeitig Fremdfinanzierung abbauen. In einer Risk-off-Phase können Finanzierungswährungen aufwerten, Schwellenländerwährungen fallen und der Margendruck zunehmen – alles zur selben Zeit. Der Yen-Carry-Abbau im Jahr 2024 zeigte, wie schnell sich diese Kräfte verbinden können. 4350
Ein stärkerer Yen verteuert Positionen, die in Yen finanziert wurden. Auch Maßnahmen von Zentralbanken können die bisherigen Annahmen des Trades verändern. Der Carry-Trade mit Schwellenländerwährungen blieb nach der gemeinsamen US-japanischen Währungsintervention im August 2026 zwar robust, doch Bloomberg zufolge wurde die Attraktivität der Yen-Finanzierung dadurch geschwächt. 8
Für Ölf importierende Schwellenländer können plötzlich steigende Energiekosten die Handelsbilanz belasten und den Druck auf die Währung erhöhen. Die türkische Ölpreiskrise 2026 zeigte, wie eine höhere Importrechnung einen vermeintlich lukrativen Lira-Carry-Trade gefährden und große Banken zum Rückzug bewegen kann. 12
Hohe Nominalzinsen reichen nicht aus, wenn Regierungen eine schnellere Abwertung zulassen oder Anleger die Beständigkeit des wirtschaftspolitischen Rahmens infrage stellen. Goldmans Lira-Prognose und Morgan Stanleys Warnung vor überfüllten Positionen zeigen, dass der erwartete Wechselkursverlauf ebenso wichtig ist wie der Zinsabstand. 1015
Die aktuelle Rally des EM-Carry-Trades wird von mehreren Faktoren gleichzeitig getragen: hohen lokalen Zinsen, relativ ruhigen Devisenmärkten, anhaltender Risikobereitschaft, Kapitalzuflüssen und einem bislang beherrschbaren Umfeld für die Finanzierungswährungen. Das Ergebnis ist außergewöhnlich: rund 22 Prozent Rendite seit Ende 2024 und sieben positive Quartale in Folge. 18
Der Trade ist jedoch an Bedingungen geknüpft und kein dauerhafter Selbstläufer. Besonders wichtig sind folgende Warnsignale:
Die klarste Schlussfolgerung aus den Einschätzungen der Institute lautet deshalb nicht einfach: „Carry ist zurück.“ Vielmehr bleibt ein breit gestreuter EM-Carry-Trade attraktiv, solange Volatilität und Finanzierungsbedingungen günstig sind. Überfüllte Einzelwetten – allen voran der Lira-Trade – können dagegen kippen, sobald sich das makroökonomische Umfeld verändert.
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Ein Bloomberg Index für acht Schwellenländerwährungen legte seit Ende 2024 rund 22 Prozent zu und verzeichnete sieben positive Quartale in Folge – die längste Gewinnserie seit 2008.
Ein Bloomberg Index für acht Schwellenländerwährungen legte seit Ende 2024 rund 22 Prozent zu und verzeichnete sieben positive Quartale in Folge – die längste Gewinnserie seit 2008. Beim Carry Trade wird in einer vergleichsweise zinsgünstigen Währung finanziert und in höher verzinste Schwellenländerwährungen oder lokale Anleihen investiert.
Die Aussichten bleiben für breit gestreute Positionen günstig, während überfüllte Einzelwetten wie der Lira Trade besonders anfällig für Wechselkurs , Ölpreis und Volatilitätsschocks sind.