Besonders im Fokus stand das Cloud‑Geschäft. Amazon Web Services erzielte 37,6 Milliarden Dollar Umsatz, was einem Wachstum von 28 % gegenüber dem Vorjahr entspricht – der schnellste Anstieg seit etwa vier Jahren.
Für Investoren ist AWS entscheidend, weil dieser Bereich deutlich höhere Margen erzielt als der Onlinehandel. Das Cloud‑Geschäft trägt daher maßgeblich dazu bei, Amazons Gesamtprofitabilität zu steigern.
Der Wachstumsschub bei AWS hängt eng mit der rasanten Ausbreitung von KI‑Anwendungen zusammen.
Unternehmen, die generative KI entwickeln oder einsetzen, benötigen enorme Rechenleistung. Cloud‑Plattformen sind für viele Firmen der einfachste Weg, diese Infrastruktur zu nutzen. Amazon positioniert AWS gezielt als Plattform für solche Workloads – etwa mit generativen KI‑Tools, eigenen Chips und Unternehmens‑KI‑Plattformen.
Ein Hinweis auf die Stärke dieser Nachfrage ist der AWS‑Auftragsbestand von rund 244 Milliarden Dollar. Dieser Wert umfasst bereits vertraglich vereinbarte zukünftige Umsätze und gibt Amazon eine mehrjährige Planungssicherheit im Cloud‑Geschäft.
Große Partnerschaften mit Technologie‑ und KI‑Unternehmen verstärken zusätzlich die Erwartung, dass KI‑Workloads die Cloud‑Nachfrage in den kommenden Jahren weiter antreiben werden.
Um diese Nachfrage bedienen zu können, fährt Amazon derzeit eine der größten Investitionsoffensiven der Unternehmensgeschichte.
Der Konzern plant Kapitalausgaben von etwa 200 Milliarden Dollar, vor allem für neue Rechenzentren, Netzwerktechnik und eigene Chips für Machine‑Learning‑Workloads.
Kurzfristig schlägt sich diese Strategie bereits in den Finanzkennzahlen nieder. Die Investitionen stiegen im ersten Quartal 2026 deutlich: 44,2 Milliarden Dollar CapEx, ein Anstieg von 76 % gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig sank der freie Cashflow spürbar.
Das Management sieht diese Belastung als bewusste Entscheidung: kurzfristiger Druck auf den Cashflow, um Kapazitäten für eine erwartete jahrelange Nachfrage nach Unternehmens‑KI aufzubauen.
Der Erfolg dieser Strategie hängt letztlich davon ab, wie schnell sich die KI‑Workloads in dauerhaftes, margenstarkes Cloud‑Geschäft verwandeln.
An der Wall Street überwiegt derzeit ein positiver Blick auf Amazons Strategie.
Dutzende Analysten vergeben Buy‑ oder Strong‑Buy‑Ratings für die Aktie.
Einige Bewertungsmodelle gehen davon aus, dass Amazons Gewinne weiter stärker wachsen könnten als erwartet. In einem häufig diskutierten Szenario könnte der Gewinn je Aktie 2026 etwa 7,86 Dollar erreichen. Wenn Amazon diese Prognosen deutlich übertrifft, könnte die Marktkapitalisierung laut manchen Schätzungen auf rund 3,3 Billionen Dollar steigen.
Diese optimistischen Modelle basieren im Kern auf drei Annahmen:
Treffen diese Annahmen zu, könnte Amazons Bewertung weiterhin hoch bleiben, weil Investoren langfristiges KI‑Wachstum einpreisen.
Trotz der starken Dynamik sehen manche Marktbeobachter weiterhin Risiken.
Das größte Thema ist die Größe und der Zeitpunkt der KI‑Investitionen. Amazon gibt enorme Summen aus, bevor klar ist, wie schnell sich diese Investitionen vollständig auszahlen werden. Der starke Anstieg der Investitionen hat bereits zu einem Rückgang des freien Cashflows geführt.
Hinzu kommen weitere Unsicherheiten:
Da AWS der wichtigste Gewinnmotor des Konzerns ist, können selbst moderate Veränderungen im Wachstum dieses Geschäfts die Bewertung erheblich beeinflussen.
Ob Amazon die Marke von 3 Billionen Dollar erreicht – und dort bleibt – wird stark von den kommenden Quartalen abhängen.
Bestätigen zukünftige Ergebnisse weiter beschleunigtes AWS‑Wachstum, eine starke Umsetzung der KI‑Aufträge und stabile Margen, dürfte das Vertrauen der Investoren in die langfristige Story steigen.
Sollte sich jedoch zeigen, dass die KI‑Investitionen schneller steigen als die daraus resultierenden Einnahmen oder das Cloud‑Wachstum nachlässt, könnte der Markt die Bewertung deutlich kritischer betrachten.
Amazons mögliche 3‑Billionen‑Dollar‑Bewertung basiert auf einer klaren Erzählung: KI löst eine neue Wachstumsphase im Cloud‑Computing aus – und AWS steht im Zentrum dieser Entwicklung.
Rekordzahlen, beschleunigtes Cloud‑Wachstum und optimistische Analystenprognosen stützen diese Perspektive. Gleichzeitig macht die beispiellose 200‑Milliarden‑Dollar‑Investition in KI‑Infrastruktur die nächsten Jahre entscheidend dafür, ob sich diese Bewertung dauerhaft rechtfertigen lässt.
Der Weg zur 3‑Billionen‑Marke erscheint derzeit plausibel – aber noch keineswegs garantiert.