Ein weiterer Punkt: Früher könnten solche Strukturen wirtschaftlich nötig gewesen sein, um Teams überleben zu lassen. Heute – mit der Budgetobergrenze („Cost Cap“) und höheren Einnahmen in der Formel 1 – hält Brown diese Begründung für überholt.
Das prominenteste Beispiel ist die Struktur von Red Bull. Der Konzern Red Bull GmbH besitzt sowohl das Topteam Red Bull Racing als auch Racing Bulls (früher AlphaTauri). Damit kontrolliert ein Unternehmen zwei Startplätze im gleichen Wettbewerb.
Diese Konstruktion existiert zwar schon seit vielen Jahren. Brown argumentiert jedoch, dass sie nicht zum Standardmodell für die Zukunft der Formel 1 werden dürfe.
Neue Brisanz bekam das Thema durch Berichte, wonach Mercedes eine Minderheitsbeteiligung am Alpine‑Team prüfen könnte, das zum Renault‑Konzern gehört. Selbst eine kleinere Beteiligung könnte neue Verbindungen zwischen eigentlich konkurrierenden Teams schaffen.
Brown betont allerdings, dass seine Kritik nicht gegen eine einzelne Organisation gerichtet sei. Seine Forderung gelte grundsätzlich für jede Situation, in der ein Unternehmen mehrere Teams beeinflussen könnte.
Brown verweist auch auf Rennsituationen, die seiner Meinung nach zeigen, welche Risiken enge Beziehungen zwischen Teams mit sich bringen können. Einige Vorfälle mit Red‑Bull‑verbundenen Teams hätten Auswirkungen auf Konkurrenten im Titelkampf gehabt.
Neben Rennstrategien nennt er auch operative Überschneidungen als Problem:
Solche Verbindungen könnten laut Brown dazu führen, dass Wissen oder strategische Vorteile zwischen eigentlich unabhängigen Teams zirkulieren.
Die FIA hat bestätigt, dass sie die Debatte ernst nimmt und das Thema derzeit prüft. Auslöser war unter anderem die Diskussion über eine mögliche Mercedes‑Beteiligung an Alpine im Jahr 2026.
Ben Sulayem sagte öffentlich, dass er persönlich der Meinung sei, der Besitz von zwei Teams sei wahrscheinlich „nicht der richtige Weg“. Gleichzeitig betonte er, dass die Frage komplex sei und sorgfältig untersucht werden müsse, bevor die FIA Maßnahmen ergreift.
Berichten zufolge hat der Automobil‑Weltverband bereits Mitarbeiter damit beauftragt, die ethischen und sportlichen Auswirkungen solcher Strukturen zu analysieren – insbesondere die Frage, ob sie die Wettbewerbsfairness beeinträchtigen könnten.
Gleichzeitig deutete Ben Sulayem an, dass Minderheitsbeteiligungen unter bestimmten Umständen weiterhin erlaubt sein könnten, was darauf hinweist, dass verschiedene regulatorische Optionen diskutiert werden und nicht zwingend ein vollständiges Verbot geplant ist.
Mehrere Entwicklungen machen deutlich, dass die Debatte einen Wendepunkt erreichen könnte.
Erstens hat Brown seine Kritik formalisiert und direkt an die FIA‑Führung adressiert – mit einem ausführlichen Brief und konkreten Forderungen.
Zweitens bestätigt die FIA selbst, dass sie die bestehenden Regeln zu Eigentumsstrukturen und Team‑Allianzen überprüft, statt das Thema abzutun.
Drittens erweitert die mögliche Mercedes‑Alpine‑Verbindung die Diskussion über das langjährige Red‑Bull‑Modell hinaus. Damit wächst die Sorge, dass Mehrfach‑Besitzstrukturen künftig häufiger werden könnten.
All diese Faktoren zusammen bedeuten: Die Frage ist nicht mehr nur ein politischer Streit im Fahrerlager. Die FIA prüft nun konkret, ob strengere Regeln nötig sind – und wie stark Eigentums‑, Investitions‑ oder Kooperationsbeziehungen zwischen Formel‑1‑Teams künftig eingeschränkt werden sollen.
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