Angst vor nachhaltigen KI-Investitionen. Die Investitionsausgaben (Capex) der Hyperscaler könnten 2026 rund 650 Milliarden US-Dollar erreichen und damit fast ihren gesamten operativen Cashflow aufzehren – der 10-Jahres-Durchschnitt liegt bei 40 % . Die UBS schätzt, dass die Cashflow-Renditen (CFROI) der fünf größten Hyperscaler bis 2028 sinken werden, da die massiven Rechenzentrumsinvestitionen die Kapitalproduktivität schmälern . Diese Ausgabendynamik – von der UBS als „so viel, so schnell“ beschrieben – hat grundlegende Zweifel daran geweckt, ob sich die Investitionen auszahlen werden .
Extreme Marktkonzentration. Die zehn größten Aktien im S&P 500 (Microsoft, Apple, NVIDIA, Amazon, Alphabet, Meta u.a.) machen inzwischen fast 40 % des Index aus – auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase waren es rund 25 %, 1980 sogar nur 15 % . Diese enge Marktführerschaft macht den Markt extrem anfällig für Gewinnenttäuschungen oder Zinsänderungen.
Überrenditen übertreffen Dotcom-Rekorde. Die HOLT-Daten der UBS zeigen, dass die Überrenditen von US-Momentum- und Tech-Aktien bereits das Niveau der Dotcom-Blase übertroffen haben. Das schürt die Sorge vor einer Wiederholung der schweren Korrektur von 1999 bis 2000 .
Zinssensitivität. Ein größerer Teil des Tech-Marktwerts ist heute an zukünftige Wachstumserwartungen gekoppelt, was die Bewertungen empfindlicher für Veränderungen der Inflations- und Zinserwartungen macht . Der US-Tech-Sektor wird mit einem aggregierten HOLT-KGV von über 35 gehandelt – ein Niveau, das mit dem Dotcom-Höhepunkt vergleichbar ist .
KI-Disruptionsängste treffen Software. Der MSCI Software and Services Index ist seit Jahresbeginn um 16 % gefallen, da der Markt die Risiken von KI-bedingten Geschäftsmodellveränderungen neu bewertet . Auch Aktien aus datenintensiven Branchen wie Medien, Bildung und Unternehmensdienstleistungen sind von der Verkaufswelle erfasst worden.
US-Tech herabgestuft; europäische Aktien hochgestuft. Die UBS hat die US-Technologiebranche Anfang 2026 auf „Neutral“ herabgestuft und europäische Aktien auf „Attraktiv“ hochgestuft . Die „House View“ des CIO benennt explizit ein „übermäßiges US-/US-Tech-Engagement“ als Risiko und empfiehlt, sich für eine sich verbreiternde Rallye jenseits der Technologieführer zu positionieren .
Prognose: 1,2 Billionen Euro Umschichtung. Die UBS-Analysten schätzen, dass in den nächsten fünf Jahren 1,2 Billionen Euro (6–8 % der europäischen Marktkapitalisierung) von den USA in europäische Aktienmärkte fließen könnten – angetrieben durch Bewertungslücken und eine sich verbreiternde globale Erholung . Der Anteil internationaler Investoren an US-Aktien, der zwischen 2018 und 2024 von 25 % auf 30 % gestiegen war, soll bis 2029 auf 27 % sinken .
Tech-Verkaufswelle beschleunigt Abflüsse. Der S&P 500 IT-Index fiel im ersten Quartal 2026 um 9,25 % – der stärkste Rückgang seit der Finanzkrise 2008 . Der Philadelphia Semiconductor Index brach im Juli um mehr als 20 % ein, da die Anleger den KI-Handel weiterhin neu bewerteten .
Ein entscheidender Unterschied zur Dotcom-Ära. Die UBS HOLT-Analyse betont, dass der heutige Tech-Sektor auf deutlich solideren Fundamentaldaten ruht: Der wirtschaftliche Gewinn der US-Tech-Branche ist etwa zehnmal so hoch wie im Jahr 2000, und der Sektor erwirtschaftet echte Cashflows statt Spekulation . Dennoch machen die hohen Erwartungen den Sektor anfällig für Korrekturen, und die UBS rät zu einer selektiven Vorgehensweise .
Der Volatilitätsanstieg spiegelt einen Markt wider, der mit der Frage ringt, ob die Rekordinvestitionen in KI die extremen Bewertungen und die Marktkonzentration rechtfertigen können. Die HOLT-Analyse der UBS sieht den Ausverkauf als Katalysator für eine Umschichtung – Kapital fließt aus überkonzentrierten US-Tech-Positionen ab und in breitere Märkte, wobei europäische Aktien zu den Hauptprofiteuren zählen. Die Bank erwartet, dass die globalen Aktienmärkte bis Ende 2026 um über 10 % steigen werden, wobei sich die Rallye über die direkten Gewinner des KI-Infrastrukturausbaus hinaus verbreitern wird . Für Anleger stellt sich nicht mehr die Frage, ob der Tech-Sektor solide Fundamentaldaten hat – das hat er weitgehend –, sondern ob der Markt bereits zu viel Wachstum für die ferne Zukunft eingepreist hat .