Apples iPhone-Tastatur soll eine bislang nicht veröffentlichte, mehrsprachige „Grauliste“ mit Wörtern und Wendungen enthalten, die sie in den meisten Fällen weder bei der Autovervollständigung noch beim Schreiben per Wischgeste vorschlägt. Eine Schreibsperre ist das nicht: Nutzerinnen und Nutzer können die Begriffe weiterhin selbst eintippen. Der unabhängige Forscher Derik Kauffman schätzt den Umfang auf etwa 100.000 Einträge – chinesische Schriftzeichen nicht mitgerechnet. Apple hat diese Zahl nicht bestätigt.
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Was die Grauliste bewirken soll
Bei der Autovervollständigung schlägt die Tastatur während des Tippens passende Wörter vor. Die Wischeingabe – auch Swipe-Typing genannt – erkennt Wörter, wenn man mit dem Finger über die Buchstaben fährt, statt jede Taste einzeln anzutippen. Laut Reuters werden Begriffe auf der berichteten Liste über diese Funktionen meist nicht vorgeschlagen. Das kann die Eingabe umständlicher machen, verhindert aber nicht, dass jemand sie in einer Nachricht oder E-Mail verwendet.
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Kauffman zufolge stieß er im September auf das Problem, als die Wischeingabe bei bestimmten Formulierungen ins Stocken geriet. Reuters berichtete, dass er bei der Untersuchung OpenAIs Codex und Anthropics Claude Code einsetzte. Wie genau er die Liste technisch identifizierte, geht aus den verfügbaren Berichten nicht hervor.
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Was der Forscher gefunden haben will
Reuters beschreibt die Liste als Sammlung von Zehntausenden Wörtern und Wendungen. Kauffmans vorsichtige Schätzung liegt bei rund 100.000 Einträgen, ohne chinesische Schriftzeichen. Dabei handelt es sich um seine Schätzung, nicht um eine von Apple bestätigte Zahl. Nach seinen Angaben beziehen sich die meisten markierten Einträge auf vulgäre oder anstößige Inhalte sowie auf Drogen, Sex oder Gewalt.
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Unter den gemeldeten Beispielen finden sich auch politisch aufgeladene Ausdrücke wie „dictator Trump“ und „Sleepy Joe“. Ein weiterer Bericht nennt „Tibetan independence“ (tibetische Unabhängigkeit) und „United Ireland“ (ein vereintes Irland).
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Kauffman berichtete außerdem von auffälligen Unterschieden zwischen ähnlichen Wendungen: Bei „white man“ und „bad boy“ habe die Tastatur Schwierigkeiten gemacht, bei „black man“ und „bad girl“ dagegen nicht. Auch „read smut“ habe sich per Wischgeste eingeben lassen, „read gay smut“ hingegen nicht.
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18 Diese Beispiele zeigen ein uneinheitliches Verhalten – sie erklären für sich genommen aber nicht, warum einzelne Formulierungen auf der Liste stehen.
Apples Stellungnahme – und offene Fragen
Apple bestätigte weder direkt den Umfang noch die Zusammensetzung der gemeldeten Liste. Auch erklärte das Unternehmen nicht, weshalb bestimmte politische Ausdrücke darin auftauchen. Apple teilte mit, Nutzerinnen und Nutzer könnten bestimmte Wörter oder Wendungen selbst eingeben und Vorschläge der Textvorhersage überschreiben. Die Tastatur sei so gestaltet, dass sie keine möglicherweise unangebrachten oder beleidigenden Vorschläge mache.
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Die vorliegenden Berichte unterscheiden klar zwischen dem Zurückhalten von Tastaturvorschlägen und einer Sperre der manuellen Eingabe. Nicht bestätigt sind dagegen technische Einzelheiten wie eine Speicherung als Hashwerte. Auch ist nicht jeder einzelne Begriff, der der Liste zugeschrieben wird, unabhängig belegt. Solche Angaben sollten daher als unbestätigt gelten, solange Apple oder weitere Berichte sie nicht bestätigen.
Warum der Unterschied wichtig ist
Werden Vorschläge zurückgehalten, bleibt Kommunikation möglich – bestimmte Formulierungen können sich mit den Komfortfunktionen der Tastatur aber schwerer eingeben lassen. Da Apple den vollständigen Inhalt und die Auswahlregeln der Liste nicht erläutert hat, können Nutzerinnen und Nutzer womöglich nicht erkennen, ob ein Vorschlag wegen der gewöhnlichen Worterkennung ausbleibt oder gezielt unterdrückt wird. Die berichteten Widersprüche machen diese Unsicherheit sichtbar, belegen aber nicht, warum ein bestimmter Eintrag fehlt.
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