Neben dem chinesischen Alipay und dem südkoreanischen Kakao Pay können bald zahlreiche weitere Wallets aus ganz Asien und Europa an lateinamerikanischen Kassen eingesetzt werden – ein vertrauter Bezahlvorgang, der den Stress fremder Terminals und Währungsumrechnungen nimmt . Anstatt ein eigenes Händlernetz von Grund auf zu errichten, greift Ant International dabei clever auf das bestehende Netzwerk von PVS zurück.
Der PVS-Deal ist kein Einzelfall, sondern reiht sich ein in eine Serie von strategischen Schritten, mit denen Ant International den Subkontinent erschließt.
Bereits im September 2025 und April 2026 vereinbarte Alipay+ eine Partnerschaft mit Mastercard, um die NFC-Funktion („Tap-to-Pay“) für mobile Geldbörsen im Ausland zu aktivieren . Kakao Pay aus Südkorea war einer der ersten Partner, dessen Nutzer ihr Handy an über 150 Millionen kontaktlosen Mastercard-Terminals weltweit – auch in Lateinamerika – einsetzen können
.
Damit haben Reisende nun zwei Möglichkeiten: Über das PVS-Netz den QR-Code scannen oder an Mastercard-Terminals kontaktlos bezahlen. Für deutsche Touristen bedeutet das konkret: Wenn das Restaurant in Buenos Aires vielleicht keinen PVS-Aufkleber hat, aber ein gängiges Kartenlesegerät, könnte in Zukunft eine Zahlung mit der hinterlegten Wallet per NFC möglich sein.
Nur wenige Monate zuvor, am 30. Oktober 2025, gab Ant International eine strategische Beteiligung an R2 bekannt, dem führenden Anbieter für eingebettete Kreditinfrastruktur in Lateinamerika . Das Ziel: Kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in einer Region, die mit einer Kreditlücke von über 1 Billion US-Dollar kämpft, besseren Zugang zu Kapital zu verschaffen
. R2 ermöglicht es Plattformen wie Uber Eats, Rappi oder PayU, ihren Händlern einfach und API-basiert Betriebsmittelkredite anzubieten
. Über die genaue Höhe des Investments wurde Stillschweigen vereinbart, es beinhaltet aber eine Kapitalspritze von Ant International
.
Dieser Schritt baut eine solide Kreditsäule auf: Wo Alipay+ und Mastercard die Zahlungen der Touristen abwickeln, entsteht mit R2 eine Finanzierungsquelle für die Händler selbst. Eine klassische Win-win-Situation, die die Kundenbeziehung über den reinen Kauf hinaus vertiefen kann.
Ant International gab an, im Jahr 2025 über 2 Milliarden digitale grenzüberschreitende Transaktionen in seinen Kernmärkten – darunter auch Lateinamerika – abgewickelt zu haben . Besonders Kunden aus der Region verzeichneten demnach starke Zuwächse bei digitalen Zahlungen und im grenzüberschreitenden Handel
. Die Zahl unterstreicht die Dimension, in der das Unternehmen denkt.
Zahlungsinfrastruktur ist nur die eine Seite der Medaille. Ant International hat auch eine Reihe KI-gestützter Werkzeuge entwickelt, die Reisende gezielt zu den eigenen Akzeptanzstellen lotsen sollen.
Im Juli 2025 wurde Alipay+ Voyager vorgestellt, ein KI-Reisebegleiter, der direkt in die Wallet-Apps integriert wird. Entwickelt mit Partnern wie Agoda, Fliggy und Trip.com, kann man damit Reisepläne erstellen, buchen und lokale Dienstleistungen per Text- oder Spracheingabe in der eigenen Muttersprache kaufen .
Parallel setzt Alipay+ auf KI-gesteuerte Marketingkampagnen mit nationalen Tourismusbehörden. Das thailändische Fremdenverkehrsamt nutzte im Mai 2026 die Datenanalyse von Alipay+, um chinesischen Reisenden thematische Reiseführer wie „Thai Hotspots“ oder „Versteckte Juwelen“ zu präsentieren . Ähnliche Partnerprogramme laufen mit dem Singapore Tourism Board
. Für Händler im Alipay+-Netzwerk, darunter die neuen PVS-Partner in Chile und Argentinien, bedeuten diese Tools standortbezogene Angebote und Treueprogramme, die Reisende schon vor und während ihrer Reise erreichen
. So wird Aufmerksamkeit in klingende Münze verwandelt – im wahrsten Sinne des Wortes.
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