Die Linux-Version soll außerdem nicht zusammen mit der nächsten Vorschau des neu gestalteten Launchers erscheinen. Berichten zufolge ist dafür mehr nötig, als die bestehende Windows-Anwendung einfach für Linux neu zu kompilieren.
Praktisch bedeutet das: Die kommende Preview wird voraussichtlich keine offizielle Linux-Unterstützung bieten. Ein eigenständiger Linux-Client kann später folgen – wie umfangreich und ausgereift er zum Start sein wird, ist derzeit nicht bekannt.
Die Linux-Arbeiten sind Teil eines größeren Umbaus des Epic Games Launchers. Berichten zufolge verabschiedet sich Epic dabei vom bisherigen Ansatz auf Basis der Unreal Engine und entwickelt die Anwendung mit Tauri neu, einem plattformübergreifenden Framework für WebView-Anwendungen. Mit dem Umbau werden unter anderem schnellere Ladezeiten, eine modernisierte Benutzeroberfläche und Funktionen wie schriftliche Nutzerbewertungen verbunden.
In der Berichterstattung zum neuen Store werden außerdem Leistungsverbesserungen genannt. Demnach soll die überarbeitete Fassung in bestimmten Start- oder Ladevergleichen bis zu 6,5-mal schneller sein. Das ist eine berichtete Angabe zum neu gestalteten Store – kein unabhängig bestätigtes Ergebnis für einen fertigen Linux-Client.
Ein plattformübergreifendes Framework kann es erleichtern, Teile des Launchers für mehrere Betriebssysteme gemeinsam zu nutzen. Das löst jedoch nicht automatisch das größere Problem: Viele Windows-Spiele benötigen Kompatibilitätsschichten, zusätzliche Launcher, spezielle Treiber oder Anti-Cheat-Systeme.
Ein Linux-Launcher könnte alltägliche Aufgaben deutlich vereinfachen. Dazu gehören die Anmeldung, das Durchsuchen des Stores, Downloads, Updates und die Verwaltung der eigenen Epic-Bibliothek. Der Client allein garantiert aber nicht, dass Windows-Spieldateien unter Linux korrekt laufen.
Epic hat bislang nicht bestätigt, ob der Linux-Launcher eine Kompatibilitätsschicht ähnlich Wine oder Proton enthalten oder automatisch einrichten wird. Ebenfalls offen ist, wie die Anwendung mit zusätzlichen Launchern, Online-Diensten, Overlays, Controllern, DLCs, Cloud-Saves und Anti-Cheat-Komponenten umgehen soll.
Für die meisten Nutzer ist das der entscheidende Punkt: Sie wollen nicht nur ein Epic-Games-Store-Fenster auf ihrem Linux-Desktop sehen, sondern ihre Spiele zuverlässig installieren und starten können. Ein guter Store würde den Zugang erleichtern. Ob das Ergebnis wirklich nützlich ist, würde aber weiterhin von der Kompatibilität jedes einzelnen Spiels abhängen.
Einen offiziellen Epic Games Launcher für Linux gibt es derzeit nicht. Stattdessen verwenden viele Nutzer Drittanbieter-Lösungen wie Heroic Games Launcher oder Lutris. Diese Programme können auf Epic-Bibliotheken zugreifen; für die Ausführung vieler Windows-Spiele kommen Wine oder Proton zum Einsatz.
Heroic unterstützt die Anmeldung mit einem Epic-Konto, die Verwaltung der Bibliothek, Installationen, Updates und den Start von Spielen über Wine oder Proton. Die Dokumentation weist jedoch darauf hin, dass die Anti-Cheat-Unterstützung vom jeweiligen Spiel abhängt.
Auch auf dem Steam Deck ist die Einrichtung nicht vollständig reibungslos. In der Dokumentation der Heroic-Flatpak-Version werden unter anderem Einschränkungen bei Controllern im Gaming-Modus des Steam Decks sowie beim Einsatz bestimmter Flatpak-Versionen von Wine und Proton genannt.
Genau deshalb könnte ein offizieller Client wertvoll sein: Er könnte den Einrichtungsaufwand verringern und einen stärker integrierten Weg bieten, anstatt mehrere Werkzeuge miteinander zu kombinieren. Eine native Anwendung würde die darunterliegende Kompatibilitätsschicht der einzelnen Spiele allerdings nicht automatisch ersetzen. Auch mit einem offiziellen Launcher könnten die Ergebnisse je nach Titel stark variieren.
Das Steam Deck ist der naheliegendste mögliche Nutzerkreis für einen offiziellen Epic-Client. Eine Anwendung aus erster Hand könnte die derzeitigen Hürden bei Kontoanmeldung, Installation und Bibliotheksverwaltung reduzieren. Dadurch könnte der Epic Games Store auf Linux-basierten Handhelds und Desktop-PCs zu einer glaubwürdigeren Alternative aus erster Hand werden.
Bestätigte Steam-Deck-Unterstützung ist das allerdings nicht. Epic hat nicht erklärt, ob der künftige Client für SteamOS optimiert wird, nahtlos mit dem Gaming-Modus des Decks arbeitet oder ein Bewertungssystem für die Kompatibilität anbieten wird, das mit Steams Deck-orientiertem Ansatz vergleichbar ist.
Die gleiche Vorsicht gilt für mögliche künftige Steam-Machine-Geräte oder andere Linux-basierte Gaming-Hardware. Ein nativer Store wäre eine wichtige Grundlage. Hardware-Integration, Controller-Verhalten, Spielkompatibilität, Updates und Multiplayer-Unterstützung müssten aber weiterhin separat gelöst werden.
Epics Linux-Pläne werden außerdem im Zusammenhang mit einer Stellenanzeige für einen Senior Game Security Engineer betrachtet. Gesucht wurde offenbar jemand, der bei Epic „Linux anti-cheat capabilities“ voranbringen soll und sich mit den Interna von Linux- und Windows-Betriebssystemen auskennt.
Das zeigt, dass Epic Linux-Unterstützung für Anti-Cheat offenbar als ernsthafte technische Aufgabe untersucht. Für Multiplayer-Spiele, die Linux-Umgebungen derzeit blockieren, könnte das relevant werden. Eine Stellenanzeige ist jedoch keine Produktankündigung: Sie bestätigt weder eine bestimmte Easy-Anti-Cheat-Implementierung noch Unterstützung auf Kernel-Ebene, Kompatibilität mit allen teilnehmenden Spielen oder Fortnite unter Linux.
Fortnite bleibt damit ein besonders wichtiger Prüfstein. Epic hat aber nicht bestätigt, dass das Spiel mit dem neuen Launcher unter Linux oder SteamOS laufen wird.
Damit Linux-Nutzer den Client als vollständige Lösung für Epic-Spiele betrachten können, braucht es Antworten auf mehrere zentrale Punkte:
Bis Epic diese Fragen beantwortet, sollte die Ankündigung vor allem als Infrastruktur-Neuigkeit verstanden werden – nicht als Ankündigung eines fertigen Produkts. Bestätigt ist der Launcher. Eine zuverlässige Möglichkeit, die gesamte Epic-Bibliothek unter Linux zu spielen, ist es noch nicht.
Der native Linux-Launcher von Epic Games ist real, sein Veröffentlichungszeitpunkt aber nicht. Das Projekt entsteht parallel zum größeren, auf Tauri basierenden Umbau des Launchers. Auch die Suche nach Spezialisten für Linux-Anti-Cheat deutet darauf hin, dass Epic das Problem nicht auf den Zugang zum Store beschränkt.
Für Linux- und Steam-Deck-Nutzer ist das eine erfreuliche Entwicklung. Wer jedoch auf einen offiziellen Weg zu Fortnite oder auf breite Kompatibilität mit Windows-exklusiven Epic-Spielen hofft, muss weiter abwarten. Solange der Client nicht mit klarer Unterstützung für Spiele, Anti-Cheat, Controller und SteamOS veröffentlicht wurde, bleiben Heroic, Lutris, Wine und Proton die praktischen Optionen.