Besonders betroffen waren Anlagen von Emirates Global Aluminium (EGA) in Al Taweelah sowie Einrichtungen des Großproduzenten Aluminium Bahrain (Alba). Schäden und Sicherheitsabschaltungen zwangen Betreiber dazu, Teile der Produktion zu stoppen und in einigen Fällen „Force Majeure“ bei Lieferverträgen zu erklären.
Das Problem: Aluminiumschmelzen arbeiten mit kontinuierlichen Elektrolyseprozessen. Werden diese unterbrochen, können selbst kurze Ausfälle lange Produktionsverluste nach sich ziehen.
Neben direkten Schäden reduzierten Betreiber ihre Auslastung bewusst, um Risiken zu begrenzen und Rohstoffe zu sparen.
Beispiele:
Allein diese Maßnahmen nahmen mehrere hunderttausend Tonnen jährliche Produktionskapazität vom Markt.
Die Straße von Hormus ist einer der wichtigsten maritimen Engpässe der Welt und verbindet den Persischen Golf mit internationalen Märkten.
Während der Eskalation kam der Schiffsverkehr dort Berichten zufolge weitgehend zum Stillstand. Dadurch wurden sowohl der Import von Rohstoffen als auch der Export von fertigem Aluminium massiv behindert.
Für die Region ist das besonders kritisch, denn viele Schmelzen sind auf importierte Rohstoffe angewiesen.
Die Golfstaaten produzieren nur einen kleinen Teil der weltweit benötigten Alumina und Bauxit selbst. Ohne regelmäßige Lieferungen per Schiff geraten ihre Produktionsketten schnell unter Druck.
Ein deutliches Signal für die Störung war der starke Rückgang bei Rohstofflieferungen.
Da Alumina das zentrale Zwischenprodukt für die Aluminiumherstellung ist, zwingt ein solcher Rückgang viele Schmelzen früher oder später zu Produktionskürzungen, sobald Lagerbestände aufgebraucht sind.
Aluminium gehört zu den energieintensivsten Industrieprozessen überhaupt. Elektrolysezellen benötigen rund um die Uhr stabile Stromversorgung.
Der Konflikt erhöhte jedoch die Risiken für Gasversorgung, Kraftwerke und Treibstofflogistik im Golf. Schon kleine Unterbrechungen in der Energieversorgung können Schmelzlinien außer Betrieb setzen.
Der Persische Golf ist heute eine der wichtigsten Aluminiumexportregionen außerhalb Chinas.
Die GCC‑Staaten produzieren jährlich etwa 6 bis 6,5 Millionen Tonnen Aluminium. Ein Großteil davon geht in Exportmärkte wie Europa, Nordamerika und Asien.
Damit reagieren internationale Märkte sofort, wenn die Region ausfällt. Gleichzeitig gibt es weltweit wenig freie Kapazität, um solche Ausfälle auszugleichen: Hohe Energiekosten haben viele westliche Schmelzen stillgelegt, und China begrenzt seine Kapazitäten politisch.
Der Angebotsausfall ließ die Preise rasch steigen.
Mitte April 2026 erreichte der Dreimonats‑Aluminiumpreis an der London Metal Exchange rund 3.571 US‑Dollar pro Tonne, den höchsten Stand seit etwa vier Jahren.
Der Markt reagierte dabei nicht nur auf reale Produktionsausfälle, sondern auch auf die Gefahr einer längerfristigen Blockade der Hormus‑Route.
Vor der Eskalation erwarteten viele Analysten einen weitgehend ausgeglichenen oder leicht überversorgten Markt.
Nach den Angriffen änderte sich das Bild schnell: Laut Analystenberichten wurden durch die Störungen etwa 4 % der weltweiten Aluminiumkapazität beeinträchtigt, wodurch sich der Markt von einem Überschuss von 550.000 Tonnen zu einem Defizit von etwa 570.000 Tonnen drehte.
Wood Mackenzie schätzt sogar, dass die Krise 3 bis 3,5 Millionen Tonnen Produktion im Jahr 2026 gefährden könnte, falls die Störungen anhalten.
Die geopolitische Krise verändert auch die Handelsströme.
Wenn Golfstaaten weniger Metall exportieren können, entsteht Raum für höhere chinesische Aluminiumexporte. Gleichzeitig werden Rohstofflieferungen wie Alumina, die ursprünglich für den Golf bestimmt waren, teilweise nach China umgeleitet.
Das könnte Chinas Einfluss auf den globalen Aluminiumhandel kurzfristig stärken.
Viele Industrien sind stark auf Aluminium angewiesen – darunter Automobilbau, Luftfahrt, Bauwirtschaft, Verpackungsindustrie und erneuerbare Energien.
Unternehmen in Nordamerika und Europa berichten bereits über steigende regionale Aufschläge und knapper werdende Lieferungen, da fehlendes Metall aus dem Golf die globalen Lagerbestände reduziert.
Die Ereignisse von 2026 zeigen, wie stark die Aluminiumlieferkette auf wenige kritische Punkte konzentriert ist:
Wenn Konflikte alle drei Bereiche gleichzeitig treffen, entsteht nicht nur eine Verzögerung im Transport – sondern ein systemischer Produktionsschock.
Sollten sich Sicherheit und Schifffahrt in der Region nicht rasch stabilisieren, dürfte der Aluminiummarkt auch im weiteren Verlauf von 2026 angespannt bleiben: mit höheren Preisen, verschobenen Handelsströmen und wachsender Abhängigkeit von alternativen Produzenten.
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