Einen konkreten Termin für seine Rückkehr nannte Sinner nicht. Im Vordergrund stehen zunächst Rehabilitation und vollständige Genesung – nicht das Risiko, zu früh wieder in den Wettkampf einzusteigen. Berichten zufolge war der 24-Jährige traurig und enttäuscht, das Turnier zu verpassen.
Der Rückzug unterbricht eine Saison, in der Sinner zu den überragenden Spielern im Herrentennis gehörte. Bis Wimbledon hatte er eine Bilanz von 44 Siegen bei nur drei Niederlagen und sechs Titel gewonnen.
Zu seinen Erfolgen 2026 gehörten die erfolgreiche Titelverteidigung in Wimbledon und ein historischer Lauf bei den ATP-Masters-1000-Turnieren. Sinner wurde zum ersten Mann, der fünf dieser Turniere in Serie gewinnen konnte. Den Höhepunkt bildete sein 6:1, 6:2-Finalsieg gegen Alexander Zverev in Madrid.
Diese Form machte Sinner zu einer zentralen Figur im Kampf um den Titel in New York. Sein Fehlen ist deshalb mehr als eine Änderung auf der Teilnehmerliste: Aus dem Turnier verschwindet der Spieler, der die überzeugendste Mischung aus Weltranglistenposition, jüngsten Ergebnissen und Hartplatz-Qualität mitbrachte.
Alexander Zverev übernimmt in Flushing Meadows die Topsetzung. Das ist die unmittelbarste Folge von Sinners Rückzug, macht den Deutschen aber nicht automatisch zum Favoriten. Sinner hatte Zverev erst im Finale von Madrid bezwungen. Zverev verliert damit zwar einen möglichen Hochkaräter auf seinem Weg, trägt als Nummer eins des Turniers aber auch zusätzlichen Druck.
Carlos Alcaraz steht nach einer mehrmonatigen Pause wegen einer Verletzung am Handgelenk vor seinem Comeback. Seit April hatte er kein Turnier mehr gespielt. Sinners Rückzug verhindert das nächste große Duell der beiden bei diesen US Open – zugleich ist Alcaraz’ aktuelle Form wegen der fehlenden Matchpraxis schwer einzuschätzen.
Der Spanier muss einen Topgegner weniger aus dem Weg räumen, muss aber erst zeigen, dass Timing, Fitness und Wettkampfhärte wieder stimmen. Er gehört damit klar zum Kreis der Titelkandidaten, macht das Turnier aber nicht automatisch berechenbar.
Novak Djokovic wird durch Sinners Abwesenheit zu einem noch glaubwürdigeren Titelanwärter. Einen freien Weg zum Triumph gibt es für den Serben jedoch nicht. Auch Ben Shelton und Taylor Fritz haben nun realistischere Chancen, in die späteren Runden vorzustoßen – nicht zuletzt vor heimischem Publikum.
Die größere Konsequenz ist ein tatsächlich offenes Rennen. Zverev führt die Setzliste an, Alcaraz gibt sein mit Spannung erwartetes Comeback, Djokovic bringt immense Grand-Slam-Erfahrung mit, und Shelton, Fritz sowie weitere Spieler sehen einen erreichbareren Weg ins Viertelfinale oder darüber hinaus. Sinners Ausfall schafft also Chancen im gesamten Tableau, aber keinen einzelnen, eindeutigen Ersatz für den Weltranglistenersten.
Damit ist Sinners Platz formal besetzt. Die sportliche Wirkung seines Ausfalls lässt sich dadurch jedoch nicht ausgleichen. Entscheidend ist vielmehr, wie sich Setzliste, mögliche Paarungen und Chancen im gesamten Feld neu verteilen.
Sinners Rückzug ist eine Entscheidung für die Genesung – keine angekündigte Karrierepause und kein Hinweis auf ein langfristiges Aus. Seine Aussage, dass das Knie weitere Zeit benötige, folgt auf die bereits verpassten Turniere in Montreal und Cincinnati. Die Entscheidung für New York war somit Teil einer laufenden medizinischen und sportlichen Einschätzung, nicht lediglich die Folge eines einzelnen Rückschlags.
Für das Turnier sind die Folgen sofort sichtbar: Zverev wird zum Topgesetzten, Alcaraz kehrt ohne den Rivalen zurück, der ihn am ehesten hätte herausfordern können, und Djokovic, Shelton, Fritz sowie weitere Kandidaten gehen in ein deutlich offeneres Rennen. Für Sinner zählt dagegen vor allem, die Verletzung vollständig auszukurieren, bevor er wieder antritt.