Bemerkenswert ist auch der Fall Skyline. Der Android-Emulator war laut Berichten über die Takedowns bereits eingestellt worden. Dass er dennoch betroffen war, zeigt, wie lange aufgegebene oder inaktive Projekte über Kopien und Forks verfügbar bleiben können.
Nintendos Argumentation zielte nicht allein darauf, dass Emulatoren angeblich Nintendo-Software kopierten. Das Unternehmen stellte vielmehr die Umgehung technischer Schutzmaßnahmen in den Mittelpunkt. Nach Nintendos Darstellung seien Switch-Emulatoren vor allem dafür entwickelt, Switch-Spiele abzuspielen und dabei die technischen Schutzmaßnahmen der Konsole zu umgehen.
Nintendo behauptete außerdem, die Emulatoren müssten während des Betriebs – oder unmittelbar davor – unautorisierte Kopien kryptografischer Switch-prod.keys verwenden, um unautorisierte Kopien von Spielen zu entschlüsseln. Das Unternehmen wertete dies als Umgehung von Schutzmaßnahmen und argumentierte, dass die Bereitstellung der Emulatoren einem rechtswidrigen Vertrieb von Umgehungstechnologie nach dem US-amerikanischen DMCA gleichkomme.
Wichtig ist die juristische Einordnung: Dabei handelt es sich um Nintendos Vorwürfe in Meldungen an GitHub. Die aktuelle Entfernung ist kein neues Gerichtsurteil, das pauschal die gesamte Emulator-Technologie als DMCA-Verstoß eingestuft hätte. Die rechtliche Bewertung kann je nach Software, Vertriebsweg und konkretem Verhalten unterschiedlich ausfallen.
In den Meldungen soll Nintendo auch auf frühere Verfahren rund um Yuzu und andere Emulator-Aktivitäten verwiesen haben. Der Fall gegen Tropic Haze, das mit Yuzu verbundene Unternehmen, endete 2024 mit einem gerichtlichen Vergleich und einer Zahlung von 2,4 Millionen US-Dollar. Außerdem wurde ein Versäumnisurteil gegen den Streamer Jesse „EveryGameGuru“ Keighin aus Colorado genannt. Er wurde zur Zahlung von 17.500 US-Dollar verpflichtet.
Keiner dieser Fälle war ein streitiges Urteil, das die grundsätzliche Frage abschließend geklärt hätte, ob Emulator-Technologie als solche gegen die Anti-Umgehungsbestimmungen des DMCA verstößt. Tropic Haze einigte sich mit Nintendo; im Fall Keighin erging das Urteil wegen seines Ausbleibens. Das ist ein entscheidender Unterschied: Eine Takedown-Meldung gibt zunächst die Rechtsauffassung des Rechteinhabers wieder. Die Entfernung durch eine Plattform ist nicht dasselbe wie eine gerichtliche Entscheidung in der Sache.
Die jüngste Aktion steht in einer längeren Reihe von Maßnahmen gegen Switch-Emulatoren auf GitHub:
Addiert man die 401 Repositories der aktuellen Aktion zu den 8.535 entfernten Yuzu-Repositories aus dem Mai 2024, kommt man allein in diesen beiden Runden auf 8.936 Entfernungen. Daher ist häufig von einer GitHub-Kampagne mit „fast 9.000 Repositories“ die Rede. Die Zahl bedeutet allerdings nicht, dass es sich um 8.936 eigenständige Emulator-Projekte oder Entwicklerteams handelt.
GitHub ist eine wichtige Plattform für Entwicklung und Verbreitung, aber nicht der einzige Ort, an dem Open-Source-Code existieren kann. Wurde ein Repository bereits geklont oder gespiegelt, beseitigt ein späterer Takedown des Originals nicht automatisch jede Kopie. Code kann außerdem in neue Forks einfließen, umbenannt oder zu einem anderen Hoster verschoben werden.
So entsteht ein wiederkehrender Ablauf:
Die aktuelle Aktion wirkt deshalb eher wie eine Unterbrechungs- und Abschreckungsmaßnahme als wie ein endgültiger Sieg über die Switch-Emulation. Sie macht bekannte Codebasen auf GitHub schwerer auffindbar und erhöht die Kosten für öffentliche Projekte. Sie kann aber nicht garantieren, dass jede kopierte Version verschwunden ist.
Nintendos sieben Meldungen führten zur Entfernung von 401 Switch-Emulator-bezogenen Repositories – darunter 311 Suyu-, 29 Skyline- und 17 MonoNX-Repositories. Nintendo wirft den betroffenen Projekten vor, den Schutz der Switch zu umgehen, unautorisierte prod.keys zur Entschlüsselung von Spielekopien einzusetzen und nach dem DMCA unerlaubte Umgehungstechnologie zu verbreiten.
Zusammen mit den 8.535 Yuzu-Repositories aus dem Jahr 2024 und den weiteren Maßnahmen von 2026 ist die Kampagne erheblich. Die Struktur von Open-Source-Software setzt Nintendos Vorgehen jedoch Grenzen: Takedowns können die öffentliche Verbreitung unterdrücken, den Code selbst oder die Möglichkeit neuer Forks aber nicht dauerhaft aus der Welt schaffen.