Die Unterbrechung setzte den nativen MANTRA-Token unmittelbar unter Druck. Marktdaten zufolge fiel der Kurs um etwa 18,5 Prozent – von rund 0,005060 US-Dollar auf ein Intraday-Tief von ungefähr 0,004126 US-Dollar. Gleichzeitig nahm das Handelsvolumen um fast 600 Prozent auf rund 24 Millionen US-Dollar zu. Das deutet auf eine hektische Reaktion der Händler auf den Exploit und den Ausfall der Blockchain-Funktionen hin.
Der Handel an zentralisierten Kryptobörsen konnte teilweise weiterlaufen. Weil die MANTRA-Blockchain jedoch offline war, blieben On-Chain-Transfers sowie Ein- und Auszahlungen aus oder wurden eingeschränkt. Damit waren Marktgeschäfte möglich, während sich die Token nicht normal über das Netzwerk bewegen ließen.
MANTRA erklärte, der Exploit habe vor der Eindämmung zwei Wallet-Adressen betroffen. Zugleich teilte das Projekt mit, dass keine Gelder von Drittanbietern, Nutzern, Börsen oder Partnern direkt betroffen gewesen seien.
Dabei handelt es sich um die aktuelle Einschätzung des Projekts, nicht um das Ergebnis eines abgeschlossenen unabhängigen Audits. Ein später veröffentlichter Post-Mortem-Bericht und eine externe Prüfung dürften genauer zeigen, wie der Angriff ablief, welche Vermögenswerte involviert waren und welche Sicherheitsmechanismen versagt oder standgehalten haben.
Um weitere Bewegungen von Werten zu verhindern, setzte MANTRA mehrere zentrale Netzwerkfunktionen aus:
Anschließend identifizierte das Team nach eigenen Angaben die Ursache, prüfte bekannte Angriffsvektoren und entwickelte die gepatchte Version v8.4.0. Diese soll die Schwachstelle im Cosmos-EVM-Modul beheben. Vor dem möglichen Neustart wurde das Update in einem Probelauf auf dem DuKong-Testnet getestet. Das Mainnet blieb während der abschließenden Sicherheitsprüfungen offline.
MANTRA plante keinen unabhängigen Neustart einzelner Betreiber, sondern eine koordinierte Wiederinbetriebnahme der Validatoren. Die Betreiber sollten den offiziellen Upgrade-Anweisungen folgen und auf das geplante Mainnet-Upgrade warten, statt ihre Nodes eigenständig wieder online zu bringen. Nach Angaben des Projekts verliefen die Probeläufe erfolgreich; die letzten Sicherheitsprüfungen und die Vorbereitungen für den koordinierten Neustart waren jedoch noch nicht abgeschlossen.
Bei einem angehaltenen Proof-of-Stake-Netzwerk ist diese Reihenfolge entscheidend. Werden Nodes vor dem Patch, der Validierung und der Koordination wieder gestartet, könnte die Schwachstelle erneut ausgenutzt werden oder ein uneinheitlicher Chain-Zustand entstehen. Die Wiederherstellung hängt daher nicht nur davon ab, die Blockproduktion wieder aufzunehmen, sondern von der abgeschlossenen Behebung und Sicherheitsprüfung.
Ein längerer Netzwerkausfall bietet Betrügern eine günstige Gelegenheit, sich als Support-Mitarbeiter oder Projektvertreter auszugeben. Nachrichten mit angeblichen Wiederherstellungsanweisungen, Wallet-Validierungen oder dringenden Transaktionen sollten daher besonders kritisch geprüft werden.
Nutzer sollten niemals eine Seed-Phrase oder einen Private Key weitergeben. Auch die Aufforderung, Token an eine angebliche „Recovery-Adresse“ zu senden, ist ein Warnsignal. Ein legitimer Neustart sollte keine Offenlegung von Wallet-Zugangsdaten oder eine Überweisung an einen vermeintlichen Support-Mitarbeiter verlangen. Verlässlich sind ausschließlich die offiziellen Statusmeldungen und verifizierten Upgrade-Anweisungen von MANTRA.
Der Ausfall trifft MANTRA in einer ohnehin sensiblen Phase. Im April 2025 war der frühere OM-Token laut zeitgenössischen Berichten um mehr als 90 Prozent eingebrochen – von etwa 6,30 US-Dollar auf unter 0,50 US-Dollar. MANTRA führte den damaligen Absturz auf erzwungene Liquidationen an Börsen zurück, während andere Beobachter diese Erklärung infrage stellten.
Später wechselte das Projekt von OM zu MANTRA. Bei Block 13.000.000 wurde ein nicht verwässernder 1:4-Token-Split durchgeführt: Aus jedem OM wurden vier MANTRA-Token, während sich das Gesamtangebot proportional erhöhte.
Darüber hinaus hatte Inveniam Capital Partners angekündigt, MANTRA und verbundene Unternehmen übernehmen zu wollen. Geplant war eine Verbindung von Inveniams Infrastruktur für private Marktdaten mit MANTRAs regulierter Blockchain- und Infrastruktur für tokenisierte Vermögenswerte. An der unmittelbaren technischen Herausforderung änderte das jedoch nichts: Für Marktteilnehmer stand zunächst die Frage im Mittelpunkt, ob das gepatchte Netzwerk sicher starten und wann der Transfer von Token wieder möglich sein würde.
Drei Punkte sind für die weitere Entwicklung besonders wichtig:
Bis diese Meilensteine erreicht sind, geht es bei MANTRA nicht nur um die übliche Volatilität eines Krypto-Tokens. Im Zentrum steht die Zuverlässigkeit des Netzwerks selbst – und die Frage, ob das Projekt nach einem weiteren schweren Sicherheits- und Vertrauensverlust seine Blockchain und das Vertrauen der Nutzer wiederherstellen kann.