In einem Interview mit dem Content-Creator Anderson Burak sagte Bogue, er sei derzeit „ein wenig enttäuscht von Rockstar“. Die Zusammenarbeit an GTA V habe ihm sehr gut gefallen, mehrere Produzenten und Regisseure von damals seien weiterhin beim Studio tätig. Umso schwerer falle es ihm, überhaupt nichts von Rockstar zu hören .
„Ich muss für mehr als 60 Figuren vorgesprochen haben. Einige waren groß, andere klein. Das war mir egal – ich wollte einfach dabei sein. Ich habe keine davon bekommen, und sie haben mich wegen keiner einzigen kontaktiert“, erklärte Bogue sinngemäß .
Der bemerkenswerteste Teil von Bogues Geschichte ist nicht unbedingt, dass er keine Rolle bekam. In der Schauspielbranche sind Absagen normal. Auffällig ist vielmehr, dass laut Bogue keinerlei Kommunikation folgte – selbst nach Dutzenden Bewerbungen und trotz seiner früheren Arbeit an der Reihe .
Bogue vermutete deshalb, Rockstar könne eine ungeschriebene Regel haben, Schauspieler aus früheren Spielen nicht erneut einzusetzen. Für ihn sei es schwer nachvollziehbar, bei mehr als 60 Vorsprechen nicht einmal für eine kleine Rolle berücksichtigt zu werden . Ob eine solche Regel tatsächlich existiert, ist allerdings nicht bekannt.
Im Mittelpunkt von GTA 6 stehen Jason und Lucia, zwei neue Hauptfiguren. Rockstar scheint bei der Besetzung einen deutlichen Schnitt zu GTA V zu machen und bislang keine bekannten Figuren oder Sprecher des Vorgängers zurückzubringen .
Steve Haines selbst ist im kanonischen Ende von GTA V tot. Bogue betonte jedoch, dass er keineswegs auf eine Rückkehr als Haines bestanden habe. Er sei bereit gewesen, jede beliebige neue Rolle zu übernehmen – unabhängig davon, wie groß oder klein sie ausfällt .
Bogues Aussagen lenken den Blick erneut auf die traditionell sehr verschlossene Kommunikationsweise von Rockstar. Das Studio hält Informationen zu GTA 6 besonders streng unter Verschluss. Für manche Beobachter könnte die Zurückhaltung bei Castings auch dem Schutz vor Leaks dienen; andere sehen darin vor allem einen mangelhaften Umgang mit Bewerbern und früheren Mitwirkenden .
Zudem werden Parallelen zu früheren Spannungen zwischen Rockstar und seinen Darstellern gezogen. Im Zusammenhang mit der Entwicklung von Red Dead Redemption 2 stand das Studio 2018 wegen der sogenannten Crunch-Kultur und Vorwürfen über die Behandlung von Sprechern und anderen Beschäftigten in der Kritik .
Bogue machte gleichzeitig deutlich, dass seine Enttäuschung nicht aus einer grundsätzlichen Abneigung gegen seine früheren Kollegen resultiert. Im Gegenteil: Er lobte die Produzenten und Regisseure, mit denen er bei GTA V gearbeitet hatte. Gerade deshalb bleibt für ihn die vollständige Funkstille schwer verständlich .
Bogue hat keine Informationen über die interne Casting-Entscheidung von Rockstar geliefert. Seine Schilderung zeigt daher nicht, warum er keine Rolle bekam. Sie wirft aber eine nachvollziehbare Frage auf: Sollte ein großes Studio Bewerbern – insbesondere bekannten früheren Mitwirkenden – zumindest eine kurze Rückmeldung geben?
Für Rockstar ist die Episode vor allem ein weiteres Beispiel dafür, wie die extreme Geheimhaltung rund um GTA 6 auch außerhalb des Spiels wahrgenommen wird. Für Bogue bleibt dagegen die bittere Erkenntnis, dass selbst ein vertrautes Gesicht aus einem Milliarden-Franchise bei einem neuen Projekt vollständig außen vor bleiben kann.