Erst am nächsten Morgen bemerkten Tierpfleger bei der Routinekontrolle, dass sie weder im Innen- noch im Außengehege zu finden war. Daraufhin begannen sie, die Aufnahmen der Überwachungskameras auszuwerten und nach möglichen Fluchtwegen zu suchen.
Nach der Untersuchung des Geheges rekonstruierte das Zoo‑Team einen möglichen Ablauf.
Blackie soll auf einen Bananenbaum im Gehege geklettert sein. Dabei könnte der Stamm unter ihrem Gewicht gebrochen oder stark gebogen sein. Dadurch entstand offenbar eine Art Brücke zu einer künstlichen Felsstruktur neben dem Gehege, über die sie das eigentlich abgesicherte Areal verlassen konnte.
Der Außenbereich ist bewusst mit vielen Pflanzen und Kletterelementen gestaltet, damit die Tiere sich möglichst natürlich verhalten können. Gerade diese Vegetation kann jedoch für gute Kletterer auch unerwartete Wege eröffnen.
Nachdem klar war, dass Blackie entkommen war, startete der Zoo eine umfangreiche Suchaktion.
Trotz dieser Maßnahmen gab es in den neuesten Berichten noch keinen bestätigten Fund.
Mehrere Eigenschaften der Art erschweren die Suche erheblich.
Erstens sind Kleine Ameisenbären überwiegend nachtaktiv. Das bedeutet, dass Blackie sich wahrscheinlich bewegt, wenn es dunkel ist und Beobachtungen schwieriger sind.
Zweitens gilt die Art als sehr scheu. Statt sich Menschen zu nähern, verstecken sich die Tiere meist in dichter Vegetation.
Und drittens sind sie ausgezeichnete Kletterer: Mit ihren kräftigen Krallen und dem greiffähigen Schwanz können sie mühelos Bäume erklimmen und hoch oben in Ästen oder Blätterdächern verborgen bleiben.
Tagsüber könnte Blackie daher in dichtem Grün oder in höheren Baumkronen ruhen – Orte, die für Suchteams schwer einzusehen sind.
Der Zoo bittet Besucher und auch Wanderer in den angrenzenden Hügeln um Aufmerksamkeit – allerdings mit Vorsicht.
Wer Blackie entdeckt, sollte:
Nach Angaben des Zoos könnte ein erschrecktes Tier schnell auf Bäume flüchten oder sich noch tiefer in versteckte Bereiche zurückziehen, was die Suche weiter erschweren würde.
Blackie ist mit etwa 11 Jahren und 10 Monaten bereits ein relativ altes Tier für ihre Art. In freier Wildbahn liegt die durchschnittliche Lebenserwartung von Kleinen Ameisenbären bei etwa 9 bis 10 Jahren.
Sie gilt zwar als nicht gefährlich für Menschen, doch ihre Kombination aus Scheu, Klettertalent und nächtlicher Aktivität macht sie zu einer überraschend schwer zu findenden Ausreißerin. Wo genau sie sich derzeit versteckt, bleibt vorerst ein kleines Rätsel des Zoos von Taipeh.