Leonardo Maria Del Vecchio zieht sich aus dem operativen Geschäft von EssilorLuxottica zurück – nicht jedoch aus dem Eigentümerkreis. Zum 31. August 2026 gibt der 31-Jährige seine Ämter als Chief Strategy Officer und Präsident der Marke Ray-Ban auf, um sich neuen unternehmerischen Projekten zu widmen. Über die Familienholding Delfin bleibt er mit 12,5 Prozent beteiligt.
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Damit verlässt Del Vecchio zwar die tägliche Führung des Brillen- und Linsenkonzerns, nicht aber den Machtkampf um das Vermögen seines verstorbenen Vaters. Delfin hält 32,4 Prozent an EssilorLuxottica und ist damit größter Aktionär des Konzerns.
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Der unmittelbare Effekt ist eine klarere Trennung zwischen professionellem Management und familiärer Eigentümerstruktur. Die grundsätzliche Frage bleibt jedoch offen: Wer soll die Strategie der Holding bestimmen und ihren Einfluss auf EssilorLuxottica und weitere Beteiligungen ausüben?
Was sich bei EssilorLuxottica ändert
Del Vecchio reichte seinen Rücktritt bei Verwaltungsratschef und CEO Francesco Milleri sowie beim Verwaltungsrat ein. Das Unternehmen erklärte, er wolle seine Managementaufgaben abgeben, um sich neuen unternehmerischen Vorhaben zu widmen. Medienberichte verwiesen zugleich auf Spannungen zwischen Del Vecchio und Milleri. Demnach kritisierte Del Vecchio unter anderem, die Führung sei zunehmend distanziert und unpersönlich geworden.
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Für den laufenden Betrieb wird zunächst keine unmittelbare Krise erwartet. Milleri und der Verwaltungsrat bleiben für die operative Leitung, die Produkte und die Umsetzung der Unternehmensstrategie verantwortlich. Del Vecchio kann seinen Einfluss künftig vor allem als Anteilseigner über Delfin geltend machen – nicht mehr über ein Vorstands- oder Markenamt.
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Warum der Rücktritt den Delfin-Konflikt sichtbarer macht
Der Rückzug erfolgte, nachdem Del Vecchios Versuch ins Stocken geraten war, seine Kontrolle über Delfin auszubauen. Er hatte vorgeschlagen, die zusammen 25 Prozent umfassenden Anteile seiner Geschwister Luca und Paola für rund 10 Milliarden Euro zu kaufen. Damit wäre seine Beteiligung an Delfin von 12,5 auf 37,5 Prozent gestiegen – er wäre zum größten einzelnen Anteilseigner der Familienholding geworden.
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Die Familie unterstützte den Vorschlag zunächst im April. Später geriet der Plan jedoch bei der Finanzierung und bei der Frage ins Stocken, welche Schutzmechanismen und Governance-Regeln mit einer solchen Machtkonzentration verbunden sein sollten.
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Der Rücktritt beantwortet deshalb nicht die zentrale Frage nach der Kontrolle über Delfin. Er trennt vielmehr deutlicher zwischen dem Streit der Erben und der operativen Führung von EssilorLuxottica.
Del Vecchio gibt das Management ab – nicht die Beteiligung
Delfins Anteil von 32,4 Prozent macht die Holding zum größten Aktionär von EssilorLuxottica. Weil Del Vecchio selbst 12,5 Prozent an Delfin hält, bleibt er auch nach seinem Ausscheiden aus den Konzernbüros mit Entscheidungen rund um den Brillenkonzern verbunden. Reuters zufolge will er aktiver Anteilseigner bleiben und weiterhin für die Unabhängigkeit, das langfristige Wachstum und stabile Eigentumsverhältnisse bei EssilorLuxottica eintreten.
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Damit entstehen zwei Ebenen der Unternehmensführung:
- Management und Verwaltungsrat von EssilorLuxottica verantworten das Tagesgeschäft, Produkte und die Umsetzung der Strategie.
- Anteilseigner und Verwaltungsrat von Delfin entscheiden darüber, wie die Familienholding ihren Einfluss als größter Aktionär nutzt.
Diese Aufteilung kann das Risiko unmittelbarer Einmischung eines Familienmitglieds in das Tagesgeschäft verringern. Sie beseitigt jedoch weder möglichen Druck auf den Verwaltungsrat noch Streit über Einfluss, Nachfolge oder die künftige Ausrichtung von Delfin.
Die Folgen reichen über Ray-Ban hinaus
Delfin ist nicht nur ein Vehikel für die Beteiligung an EssilorLuxottica. Die Holding hält laut Berichten außerdem Anteile an der Banca Monte dei Paschi di Siena, am Versicherer Assicurazioni Generali und an UniCredit.
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Ein anhaltender Familienkonflikt könnte deshalb Entscheidungen in einem größeren italienischen Anlageportfolio beeinflussen. Welche konkreten Folgen daraus entstehen, hängt davon ab, ob sich die Erben auf Eigentum, Governance und die mit ihren Anteilen verbundenen Rechte einigen. Die vorliegenden Berichte belegen die Breite des Portfolios, nicht aber, dass der Streit bereits bei jedem einzelnen Beteiligungsunternehmen zu einer konkreten Veränderung geführt hat.
Warum der Zeitpunkt für Anleger heikel ist
EssilorLuxottica steht unter wachsendem Wettbewerbsdruck und arbeitet zugleich an neuen Wachstumsfeldern wie smarten Brillen. Als Konkurrenten im Bereich KI-gestützter Brillen werden unter anderem Apple, Google und Samsung genannt. Analysten verwiesen sowohl auf die komplexe Governance als auch auf den zunehmenden Wettbewerb als Belastungsfaktoren für die Aktie.
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Das belegt nicht, dass der Familienkonflikt eine bestimmte Produkt- oder Investitionsentscheidung verzögert hat. Es macht den Zeitpunkt aber problematisch: Der Konzern braucht strategische Kontinuität, während Anleger einschätzen müssen, ob die Spannungen bei der Eigentümerstruktur die langfristige Umsetzung erschweren könnten.
Bis Ende August lagen die EssilorLuxottica-Aktien laut Marktberichten rund 40 Prozent unter dem Jahresanfangsniveau.
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21 Der Kursrückgang hat nicht nachweislich nur eine Ursache. Zu den von Analysten genannten Belastungen zählen neben der Governance-Unsicherheit auch der Wettbewerbsdruck.
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Was der Aktienrückkauf vom 28. August signalisiert
Am 28. August startete EssilorLuxottica ein Programm zum Rückkauf von bis zu fünf Millionen eigenen Aktien. Auf Basis des damaligen Aktienkurses entsprach dies einem Wert von mehr als 800 Millionen Euro. Das Unternehmen stellte den Schritt als Zeichen seines Vertrauens in die eigene Wertschöpfung und die langfristigen Perspektiven dar.
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Ein Aktienrückkauf kann die Stimmung am Markt stützen und – sofern die Käufe durchgeführt werden – die Zahl der ausstehenden Aktien verringern. Den Streit bei Delfin kann er jedoch nicht beilegen. Er entscheidet nicht über die Kontrolle der Familienholding, schafft keinen Konsens zwischen den Erben und beseitigt auch nicht die Unsicherheit über die Governance. Da Analysten den Kursdruck sowohl mit der komplexen Delfin-Struktur als auch mit dem intensiveren Wettbewerb in Verbindung brachten, zielt der Rückkauf eher auf das Vertrauen des Kapitalmarkts als auf die Ursache des Familienstreits.
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Die entscheidende Frage
Del Vecchios Ausscheiden schafft eine klarere operative Grenze: EssilorLuxottica kann unter Milleri und dem Verwaltungsrat geführt werden, während Del Vecchio über Delfin als Anteilseigner aktiv bleibt. Für das Tagesgeschäft kann das eine gesündere Struktur sein. Gleichzeitig verlagert sich der Konflikt dadurch sichtbarer in die Eigentümer- und Governance-Ebene.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr, ob Del Vecchio ein Führungsamt bei EssilorLuxottica innehaben wird. Entscheidend ist, ob die Erben von Delfin ihre konkurrierenden Machtansprüche klären können, ohne den Konzern bei Wachstum, Wettbewerb und langfristiger Strategie abzulenken.