Das wäre nicht bloß eine kleinere Anpassung, sondern ein Wechsel des gesamten Produktionsmodells. Ein Live-Service-Spiel muss darauf ausgelegt sein, langfristig eine große Spielerschaft zu binden. Ein kompakteres Koop-Spiel kann sich dagegen auf eine begrenzte Zahl an Missionen, Spielsystemen und gemeinsamen Aktivitäten konzentrieren.
Welche Inhalte die überarbeitete Version genau bieten soll, wann sie erscheinen könnte oder ob sie überhaupt für eine Veröffentlichung freigegeben wird, ist derzeit nicht bekannt.
Berichten zufolge fiel das Feedback aus privaten Testphasen so negativ aus, dass Sony und Guerrilla eine grundlegende Überarbeitung einleiteten. Die Arbeiten an diesem Neustart sollen im Juni begonnen haben.
Damit befindet sich das Projekt offenbar zwar noch in Entwicklung, ist aber deutlich gefährdet. Mitarbeiter sollen bei einer internen Besprechung erfahren haben, dass das Team bis Dezember Zeit hat, die Sony-Führung bei einem nächsten Meilenstein zu überzeugen. Dieser Termin ist daher eher als wichtige Richtungsentscheidung zu verstehen – nicht als garantierter Veröffentlichungstermin oder verbindliche Produktionsfrist.
Guerrilla soll in den vergangenen Jahren den Großteil seiner Entwickler für Hunters Gathering eingesetzt haben. Im Zuge des neuen Plans wechseln Berichten zufolge einige Teammitglieder zu anderen Projekten, während der verbleibende Teil die überarbeitete Version weiterentwickelt.
Das hat Folgen für die gesamte Horizon-Reihe. Wenn ein großer Teil der Kapazitäten des Studios im Multiplayer-Projekt gebunden war, standen entsprechend weniger Entwickler für das nächste große Einzelspieler-Horizon zur Verfügung. Laut den Berichten arbeitet daran derzeit nur ein kleines Team; das Spiel sei noch „sehr, sehr weit entfernt“.
Daraus lässt sich weder ein konkreter Erscheinungszeitraum für das nächste Einzelspieler-Horizon ableiten noch beweisen, dass der Neustart es dauerhaft verzögert hat. Er macht jedoch sichtbar, welchen Preis eine jahrelange Konzentration auf ein Projekt haben kann, dessen Richtung später grundlegend korrigiert werden muss.
Der Fall wirkt weniger wie ein vollständiger Rückzug aus dem Live-Service-Geschäft als wie eine Abkehr von der Idee, jede große PlayStation-Marke in ein dauerhaft laufendes Online-Angebot zu verwandeln. Sony hat mehrere Multiplayer-Projekte gestrichen oder neu ausgerichtet, betont aber weiterhin, dass Live-Service-Spiele ein Bestandteil der PlayStation-Strategie bleiben.
Einige Beispiele zeigen das Spannungsfeld:
Hideaki Nishino, Präsident und CEO von Sony Interactive Entertainment, erklärte, dass Sony Live-Service-Spiele weiterhin unterstützen wolle. Zugleich betonte er, dass dieses Modell nur funktioniert, wenn den Spielern fortlaufend neuer Mehrwert geboten wird.
Der berichtete Umbau von Horizon Hunters Gathering deutet darauf hin, dass Sony Multiplayer-Projekte vor der Veröffentlichung stärker auf ihre Tragfähigkeit prüfen will. Wenn ein dauerhaftes Service-Modell nicht überzeugt, könnte ein kleineres Koop-Spiel die laufenden Anforderungen und das Risiko reduzieren. Gleichzeitig muss die neue Version nun beweisen, dass sie auch ohne permanente Inhalte eine überzeugende eigene Identität besitzt.
Für Horizon-Fans bedeutet das vor allem Unsicherheit in zwei Richtungen: Hunters Gathering könnte in kleinerer Form weiterleben, während das nächste Einzelspieler-Horizon offenbar noch Jahre entfernt ist. Für Sony fällt die Bilanz etwas klarer aus: Das Unternehmen will weiterhin die globale Reichweite und die wiederkehrende Spielerbindung von Live-Service-Spielen nutzen. Die Absage mehrerer Projekte, der schnelle Absturz von Concord und der gemeldete Umbau des Horizon-Spiels zeigen jedoch, dass nicht jedes große Multiplayer-Vorhaben unverändert bis zur Veröffentlichung durchgezogen wird.