Einige Hersteller bestellten im ersten Quartal zusätzliche Komponenten, um sich niedrigere Preise zu sichern und sich auf erwartete weitere Preissteigerungen vorzubereiten. Deshalb stiegen die Smartphone-Auslieferungen in Lateinamerika im ersten Quartal noch um 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Dieser Vorzieheffekt machte den Einbruch im zweiten Quartal umso deutlicher. Nachdem die Lager aufgefüllt worden waren, agierten die Hersteller angesichts der sich verschärfenden Speicherknappheit und notwendiger Preisanpassungen vorsichtiger. Auf den Anstieg im ersten Quartal folgte daher ein Rückgang statt einer kontinuierlichen Markterholung.
Die Aufwertung mehrerer lateinamerikanischer Währungen federte einen Teil der Preissteigerungen für Verbraucher ab. Gleichzeitig erschwerte sie es den Herstellern, die höheren Kosten vollständig weiterzugeben, ohne ihre Margen stärker zu belasten.
Die Preiserhöhungen, die dennoch bei den Kunden ankamen, trafen Einsteiger- und Mittelklassekäufer besonders hart. In diesen Segmenten wirken sich selbst moderate Preisänderungen deutlich auf die Nachfrage aus. Zusätzlich verringerte die Inflation in Kolumbien, Mexiko und Brasilien die reale Kaufkraft. Politische Unsicherheit in Kolumbien und Brasilien veranlasste manche Verbraucher außerdem, einen Neukauf aufzuschieben.
Der Markteinbruch traf die Hersteller nicht gleichermaßen. Samsung und Apple waren die einzigen wichtigen Marken unter den führenden Anbietern, die ihre Auslieferungen steigern konnten. Hersteller mit stärkerem Fokus auf günstige Smartphones verzeichneten dagegen deutlich größere Rückgänge.
Samsung ging mit umfangreichen Beständen und einem breiten Portfolio in den Abschwung. Die Galaxy-A-Reihe deckt das preisbewusste Segment ab, während die Galaxy-S-Reihe den höheren Preisbereich bedient. Hinzu kamen eine starke Präsenz im stationären Handel und in Onlinekanälen sowie aggressive Rabattaktionen. Dadurch blieben Samsung-Geräte verfügbar, während Wettbewerber mit Lieferengpässen oder einer stärkeren Abhängigkeit von preissensiblen Modellen zu kämpfen hatten.
Samsung konnte so Marktanteile gewinnen, obwohl der Gesamtmarkt schrumpfte. Das Ergebnis zeigt, dass im zweiten Quartal nicht nur die Nachfrage zählte: Lieferfähigkeit, Lagerverwaltung und Vertrieb waren mindestens ebenso entscheidend.
Apple profitierte von seiner Positionierung am oberen Ende des Marktes. Das Unternehmen fing einen Teil der Kostensteigerungen selbst ab, statt sie vollständig an die Käufer weiterzugeben. Gleichzeitig blieb die Nachfrage nach dem iPhone 17 Pro Max robust. Das Ende März eingeführte iPhone 17e gewann im zweiten Quartal an Dynamik, während ältere Modelle weiterhin stabil verkauft wurden.
Käufer im Premiumsegment reagieren normalerweise weniger empfindlich auf komponentenbedingte Preissteigerungen als Kunden im Einsteigerbereich. Apples etablierte Premiummarke schützte das Unternehmen daher vor den schlimmsten Folgen des Einbruchs bei günstigen Smartphones.
Motorola überarbeitete seine Produktreihen Moto G, Edge und Razr und nutzte das Marketing rund um die Fußball-Weltmeisterschaft 2026, um die Bekanntheit und die durchschnittlichen Verkaufspreise zu erhöhen. Diese Maßnahmen reichten jedoch nicht aus, um den Rückgang der Auslieferungen um 14 Prozent auszugleichen.
Der Druck dürfte über das zweite Quartal hinaus anhalten. Counterpoint Research erwartet, dass die Kosten- und Versorgungsprobleme bei Speicherchips im zweiten Halbjahr 2026 fortbestehen. Für das dritte Quartal wurde ein weiterer Anstieg der Preise für mobilen DRAM um etwa 10 Prozent gegenüber dem Vorquartal prognostiziert.
Damit dürfte sich der Markt zunehmend nach Preisklassen aufspalten. Bevor sich die Versorgungslage entspannt, könnten günstige und mittelpreisige Modelle weiter Marktanteile verlieren. Hersteller dürften ihre preiswerten Produktlinien stärker begrenzen, während höherpreisige Geräte vergleichsweise widerstandsfähig bleiben.
Nach der verfügbaren Analyse werden in den kommenden 18 bis 24 Monaten vor allem Speicherverfügbarkeit und Speicherpreise über die Entwicklung des Smartphone-Marktes entscheiden – und nicht allein die zugrunde liegende Verbrauchernachfrage. Eine allmähliche Entspannung wird erst gegen Ende 2027 erwartet; eine breitere Erholung könnte 2028 beginnen.
Eine konkrete, öffentlich verfügbare Prognose für den prozentualen Rückgang der Smartphone-Auslieferungen in Lateinamerika im zweiten Halbjahr 2026 oder im Gesamtjahr 2027 liegt in der zugrunde gelegten Forschung nicht vor. Der regionale Ausblick bleibt daher richtungsweisend: anhaltender Druck auf günstige Geräte, größere Widerstandskraft der Premiummarken und eine wachsende Kluft zwischen Herstellern mit starker Lieferkette, breitem Vertrieb und größerer Preissetzungsmacht und Anbietern, die stark auf das Niedrigpreissegment konzentriert sind.