Am Morgen des 9. Juni 2026 blickten Anleger in Hongkong auf ein vertrautes Bild: Neue geopolitische Spannungen zwischen den USA und China. Dieses Mal hatte das Pentagon einige der größten Konzerne des Landes auf seine sogenannte Section-1260H-Liste gesetzt. Doch die Reaktion der Märkte erzählte eine differenzierte Geschichte – eine Geschichte von ungleichen Schicksalen zwischen Technologie- und Biotech-Werten.
Den größten Schlag musste WuXi AppTec (02359.HK) einstecken. Der Pharmazulieferer brach im frühen Handel um 5,5 % auf 114,60 HK$ ein . Noch härter traf es die in Shanghai notierte Aktie, die um 7,1 % auf 89,06 Yuan abrutschte
. Das Unternehmen reagierte umgehend und bezeichnete die Aufnahme in die Liste in einer Stellungnahme als „eindeutig falsch“. Man werde unverzüglich Maßnahmen ergreifen, um die Einstufung anzufechten und zu korrigieren
.
Alibaba Group Holding (09988.HK) gab dagegen nur um moderate 0,3 % auf 118,50 HK$ nach . Der E-Commerce-Riese wies die Pentagon-Entscheidung ebenfalls zurück: Alibaba sei kein Militärunternehmen und verfolge keinerlei Strategien zur zivil-militärischen Fusion. Man kündigte an, alle rechtlichen Möglichkeiten gegen Versuche, das Firmenimage zu verzerren, auszuschöpfen
.
Andere prominente Namen auf der erweiterten Schwarzen Liste zuckten kaum mit den Kursen. Baidu (09888.HK) legte im frühen Handel um rund 0,4 % zu, während der Elektroauto-Hersteller Nio ebenfalls zulegte . Der E-Auto-Gigant BYD (01211.HK) war zwar zusammen mit Alibaba und Baidu neu aufgenommen worden, seine Intraday-Notierung am 9. Juni wurde in den Quellen aber nicht separat ausgewiesen
.
Das US-Verteidigungsministerium aktualisierte seine gemäß Abschnitt 1260H des National Defense Authorization Act für das Fiskaljahr 2021 vorgeschriebene Liste mit Unternehmen, die es mit Pekings militärisch-ziviler Fusionsstrategie in Verbindung bringt . Die Einstufung selbst zieht keine automatischen Sanktionen oder Exportkontrollen nach sich. Allerdings verbietet ein US-Gesetz dem Pentagon seit Juni 2026 schrittweise, Waren oder Dienstleistungen von gelisteten Firmen zu beschaffen
.
Die überarbeitete Liste umfasst nun 188 chinesische Unternehmen mit angeblichen Militärverbindungen, ein deutlicher Anstieg von rund 130 in der vorherigen Version . Die Veröffentlichung am 9. Juni folgte auf einen chaotischen ersten Versuch im Februar 2026, als das Pentagon die Liste kurz im Federal Register publizierte und dann kommentarlos wieder zurückzog – bevor sie nun formell in Kraft trat
.
Die unterschiedlichen Marktreaktionen folgen einem klaren Muster: Unternehmen mit substanziellen Einnahmen aus dem US-Biotech- oder Verteidigungssektor erlitten die stärksten Kursverluste. WuXi AppTec, das stark von Partnerschaften mit amerikanischen Pharma- und Biotechfirmen für Auftragsforschung und -herstellung abhängt, erwies sich als besonders anfällig für den Reputations- und Operationsschaden dieser Militär-Einstufung.
Für Alibaba und Baidu hielt sich der Schaden in engen Grenzen. Viele Analysten hatten das geopolitische US-Risiko für große chinesische Tech-Werte bereits weitgehend eingepreist, nachdem diese über Jahre hinweg unter Investitionsbeschränkungen und verschärfter Prüfung früherer Regierungen gelitten hatten. Die Schwarze Liste ändert nichts Grundlegendes an ihrem Kerngeschäft außerhalb der US-Regierungsbeschaffung.
Die verhaltene Reaktion einiger Titel deutet auch auf eine gewisse Skepsis gegenüber der Substanz der Pentagon-Vorwürfe hin. Sowohl Alibaba als auch WuXi AppTec bezeichneten die Einstufung als haltlos und fehlerhaft . Zudem hatte das Zurückziehungs-Chaos im Februar bereits eine Wahrnehmung der Unsicherheit über die Bestandskraft der Liste geschaffen. Der 9. Juni formalisierte den Schritt zwar, doch der erste Schock lag Monate zurück.
Studio Global AI
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Am 9. Juni rutschte Alibaba in Hongkong nur um 0,3 % ab, Baidu legte sogar leicht zu – obwohl beide neu auf der Pentagon Liste „chinesischer Militärunternehmen“ stehen.
Am 9. Juni rutschte Alibaba in Hongkong nur um 0,3 % ab, Baidu legte sogar leicht zu – obwohl beide neu auf der Pentagon Liste „chinesischer Militärunternehmen“ stehen. Während der Biotech Dienstleister unter seinen engen US Geschäftsbeziehungen litt, zeigten sich die Tech Riesen nahezu immun.
Beide Konzerne wiesen die Einstufung umgehend als „eindeutig falsch“ zurück und drohten mit rechtlichen Schritten.