Spätere Aussagen – darunter Kommentare von Präsident Wladimir Putin – nannten sechs Todesopfer und Dutzende Verletzte, außerdem seien 15 Menschen vermisst worden.
Einige Medienberichte erwähnten später noch höhere Zahlen, was zeigt, dass sich die Angaben im Laufe des Tages mehrfach änderten, während neue Informationen eintrafen.
Rettungskräfte begannen kurz nach dem Angriff mit der Suche in den Trümmern.
Nach Angaben der russisch kontrollierten Regionalverwaltung konnten mehrere Menschen lebend aus den Trümmern gerettet werden. Berichte sprachen zunächst davon, dass zwei bis drei Überlebende gefunden worden seien, während weiterhin vermutet wurde, dass sich weitere Personen unter den Trümmern befanden.
Die Suche dauerte den ganzen Tag an, während Einsatzkräfte das beschädigte Wohnheim und angrenzende Gebäude des Colleges untersuchten.
Der Kreml verurteilte den Angriff scharf.
Präsident Wladimir Putin beschuldigte die Ukraine, gezielt Zivilisten angegriffen zu haben, und bezeichnete den Vorfall als „terroristischen“ Angriff. Laut Putin habe es keine militärischen Einrichtungen in der Nähe des Wohnheims gegeben.
Er wies das russische Militär an, Optionen für eine mögliche Vergeltung vorzubereiten. Gleichzeitig forderte Moskau eine Dringlichkeitssitzung des UN‑Sicherheitsrats, um über den Vorfall zu beraten.
Die ukrainische Seite weist die Darstellung Russlands zurück.
Der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte erklärte, man habe militärische Ziele im Gebiet um Starobilsk angegriffen, insbesondere eine militärische Kommando‑ oder Drohneneinheit.
Kiew bezeichnete die russischen Vorwürfe als „irreführende Informationen“ und betonte, dass die ukrainischen Streitkräfte nach eigenen Angaben militärische Infrastruktur gemäß internationalem humanitärem Recht angreifen.
Ukrainische Vertreter deuteten zudem an, dass russische Truppen militärische Einrichtungen in oder nahe ziviler Infrastruktur stationiert haben könnten, was erklären würde, warum ein Gebäude in Verbindung mit dem College getroffen wurde.
Der Vorfall ereignete sich in einer Phase intensiver Drohnenangriffe zwischen Russland und der Ukraine.
Die Ukraine hat ihre Langstrecken‑Drohnenangriffe auf Ziele tief im russischen Hinterland in den letzten Monaten deutlich ausgeweitet. Besonders häufig wurden Energieanlagen und Ölraffinerien angegriffen, um Russlands Einnahmen aus dem Ölsektor zu schwächen. Einige dieser Angriffe führten laut Reuters‑Berichten dazu, dass größere Raffinerien in Zentralrussland ihre Produktion reduzieren oder vorübergehend einstellen mussten.
Gleichzeitig führt Russland weiterhin Raketen‑ und Drohnenangriffe auf ukrainische Städte durch, die regelmäßig zivile Opfer fordern. Beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, zivile Ziele anzugreifen, bestreiten jedoch jeweils, dies absichtlich zu tun.
Der Angriff von Starobilsk zeigt ein typisches Muster im Informationskrieg rund um den Konflikt:
Da sich Starobilsk in einem von Russland kontrollierten Gebiet mit begrenztem Zugang für unabhängige Beobachter befindet, ist eine externe Überprüfung vieler Details bislang schwierig. Deshalb bleibt der Vorfall ein stark umstrittenes, aber bedeutendes Ereignis im zunehmend intensiven Drohnenkrieg zwischen beiden Ländern.
Comments
0 comments