Taiwan wies seine Vertretungen in Tokio und Manila an, Einzelheiten zu überprüfen und die Zusicherung einzuholen, dass künftige Abkommen seine Rechte und Interessen nicht beeinträchtigten .
Japan wies das Gesuch noch am selben Tag zurück. Chefkabinettssekretär Minoru Kihara erklärte vor der Presse, ein bilaterales Abkommen werde lediglich "die Rechte und Pflichten Japans und der Philippinen festlegen" und bekräftigte Tokios seit Langem vertretene Position, dass Taiwan kein souveräner Staat und daher keine Rechtspartei in den Verhandlungen sei .
Chinas Reaktion erfolgte rasch und auf zwei Gleisen.
Am 1. Juni führte die chinesische Küstenwache nach eigenen Angaben "Rechtsdurchsetzungs"-Patrouillen in Gewässern östlich von Taiwan durch und bezeichnete dies als direkte Reaktion auf die Gespräche zwischen Japan und den Philippinen. Taiwan verurteilte die Patrouille, gab jedoch an, nur zwei chinesische Schiffe südöstlich der Insel gesichtet zu haben, von denen keines in beschränkte Gewässer eindrang .
Am 6. Juni kündigte das chinesische Verkehrsministerium dann eine deutliche Eskalation an: eine "spezielle maritime Verkehrsüberwachungsoperation" östlich von Taiwan, an der die Seesicherheitsbehörden von Fujian und Guangdong, das Navigationsunterstützungszentrum des Ostchinesischen Meeres und das Seenotrettungsbüro des Ostchinesischen Meeres beteiligt waren . Staatsmedien zufolge zielte die Operation darauf ab, "Chinas maritime administrative Hoheitsgewalt voll auszuüben", die Fähigkeiten für Hochseepatrouillen und Verkehrsmanagement zu stärken und nationale Rechte zu wahren
.
Das Verkehrsministerium brachte die Operation explizit in Verbindung mit der "einseitigen Ankündigung" von Grenzgesprächen durch Japan und die Philippinen, die "Chinas territoriale Souveränität und maritime Rechte und Interessen schwerwiegend verletzt" .
Taiwans Küstenwache verurteilte die Operation am 7. Juni und erklärte, China "genieße keinerlei souveräne Rechte in Gewässern östlich von Taiwan" und Pekings Handlungen verstießen gegen internationales Recht .
Die Operation östlich von Taiwan fand nicht isoliert statt. Zeitgleich erhöhten chinesische Schiffe den Druck bei den Pratas-Inseln (Dongsha-Insel), einem von Taiwan kontrollierten Atoll am Nordrand des Südchinesischen Meeres, das einige Sicherheitsexperten für anfällig für einen chinesischen Angriff halten .
Die direkteste Konfrontation ereignete sich am 7. Juni 2026, als vier chinesische Regierungsschiffe – darunter drei der Küstenwache – in Taiwans beschränkte Gewässer rund 30 Seemeilen südwestlich der Südspitze der Insel eindrangen .
Taiwan entsandte sieben Küstenwachschiffe, um sie abzufangen. Die beiden Seiten tauschten gereizte Funksprüche aus, und am späten Sonntagnachmittag gab Taiwans Küstenwache bekannt, alle vier chinesischen Schiffe aus dem Gebiet "ausgewiesen" zu haben . Diese Ausweisung war geografisch getrennt von der Operation östlich Taiwans und den Vorfällen bei den Pratas-Inseln, was auf eine bewusste Strategie des Drucks an mehreren Fronten hindeutet.
Auch chinesische Staatsmedien berichteten über den Vorfall, jedoch durch die Linse von Pekings umfassenderen Verwaltungsansprüchen. Die China Daily veröffentlichte am 7. Juni einen Leitartikel mit der Überschrift "Tokio-Manila-Kollusion ist die wahre Gefahr für den Frieden", der die gesamte Abfolge als gerechtfertigte Reaktion auf externe Einmischung in von China beanspruchte Gewässer darstellte .
Sicherheitsanalysten sehen gerade in der Gleichzeitigkeit dieser Aktionen den Beleg für einen koordinierten Ansatz :
Dieser mehrdimensionale Druck spiegelt ein Muster wider, das Peking bereits im Südchinesischen Meer anwendet: die Kombination von Rechtsdurchsetzungsansprüchen, Vermessungseinsätzen und administrativen Deklarationen, um schrittweise vollendete Tatsachen zu schaffen.
Bis zum 3. Juni hatte sich die diplomatische Dimension verfestigt. Japans unmissverständliche Ablehnung von Taiwans Konsultationsgesuch ließ Taipeh im Hinblick auf die Verhandlungen zwischen Japan und den Philippinen ohne formelle Beteiligungsmöglichkeit zurück .
Taiwans Außenministerium hatte um die Bestätigung gebeten, dass die "künftigen Verhandlungsprozesse und Ergebnisse entsprechender Abkommen zwischen den beiden Ländern die souveränen Rechte, die Taiwan gemäß internationalem Recht und Seerecht zustehen, nicht beeinträchtigen" . Japans Position – die Gespräche seien rein bilateral und könnten Dritte rechtlich gar nicht berühren – bedeutet, dass Taiwans Anliegen offiziell unberücksichtigt bleiben.
Diese diplomatische Aussperrung fand in derselben Woche statt, in der die US-geführte Marineübung RIMPAC (Rim of the Pacific) am 24. Juni beginnen sollte – ein weiterer Hintergrund, vor dem Chinas Durchsetzungsfähigkeit in der Region oft kalibriert wird .
Chinas maritime Sonderoperation östlich von Taiwan wurde nicht als einmaliges Ereignis, sondern als andauernder Einsatz präsentiert. Das Verkehrsministerium bezeichnete sie als eine Maßnahme zur "Verbesserung der Hochseepatrouillen- und Strafverfolgungsfähigkeiten" und zur "Stärkung des Verkehrsmanagements in wichtigen Gewässern" .
Für Taiwan hat diese Woche gezeigt, dass der chinesische maritime Druck nun gleichzeitig an mehreren Fronten aufbranden kann: an einem umstrittenen Außenposten im Südchinesischen Meer, in den Gewässern unmittelbar südlich der Hauptinsel und in einer neu deklarierten Verwaltungszone im Osten. Für Japan und die Philippinen hat Pekings Reaktion klargemacht, dass es jegliche bilateralen Grenzverhandlungen in von ihm beanspruchten Gewässern als direkte Herausforderung betrachtet – und bereit ist, nicht nur militärische, sondern auch zivile Behörden wie Küstenwache und Verkehrsministerium einzusetzen, um dagegenzuhalten.
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