Auch aus anderen Teilen von Quneitra und dem benachbarten Gouvernement Daraa wurden seit Dezember 2024 wiederholt Razzien, Kontrollen, Straßensperren und Festnahmen gemeldet. Die Angaben stammen vielfach aus syrischen Medien und Beobachtungsberichten und sind nicht in jedem Detail unabhängig überprüft.
Einen Tag vor dem Vorstoß in Quneitra meldete das syrische Staatsfernsehen acht israelische Luftangriffe auf den Militärflugplatz Abu al-Duhur im Osten der Provinz Idlib. Getroffen wurden nach syrischen Angaben die Start- beziehungsweise Landebahn sowie Lageranlagen und weitere Infrastruktur. Es entstand Sachschaden, Todesopfer wurden nicht gemeldet.
Der Flugplatz liegt rund 70 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt. Damit erhielt der Angriff eine zusätzliche politische Brisanz. Berichte zufolge hatte eine türkische Delegation das Gelände kurz vor den Luftangriffen besichtigt. Im Raum stand offenbar eine mögliche Beteiligung der Türkei an der Instandsetzung oder einer späteren Nutzung des Flugplatzes.
Israel bestätigte den Angriff später. Nach einer Erklärung aus dem Umfeld von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu habe Syrien gegen eine vereinbarte sicherheitspolitische „Status quo“-Regelung verstoßen, indem es eine Stationierung türkischer Kräfte auf dem Flugplatz ermöglicht habe. Israel habe Syrien zuvor wiederholt gewarnt, eine solche Stationierung könne eine Bedrohung darstellen.
Diese Begründung gibt die israelische Position wieder. Die vorliegenden Berichte belegen jedoch nicht unabhängig, dass eine türkische Stationierung unmittelbar bevorstand oder dass von dem Flugplatz bereits eine konkrete operative Gefahr ausging. Auch das genaue Ausmaß der Schäden lässt sich über Startbahn, Lageranlagen und weitere genannte Infrastruktur hinaus nicht sicher bestimmen.
Die Razzia in Quneitra steht im Zusammenhang mit einer seit dem Sturz der Regierung von Baschar al-Assad im Dezember 2024 gemeldeten, nahezu täglichen israelischen Militärpräsenz im Süden Syriens. Berichtet werden unter anderem Vorstöße in Ortschaften, Hausdurchsuchungen, Festnahmen, vorübergehende Kontrollpunkte und Einschränkungen des Straßenverkehrs.
Zudem soll Israel in die von den Vereinten Nationen überwachte Pufferzone vorgedrungen sein, die im Rahmen des Trennungsabkommens von 1974 eingerichtet wurde. Syrische Berichte und Menschenrechtsorganisationen sprechen von neuen militärischen Stellungen und mindestens neun Basen im Süden des Landes, die meisten davon in Quneitra.
Weitere Berichte nennen Schäden an landwirtschaftlichen Flächen sowie den Bau oder Ausbau von Gräben, Straßen und militärischer Infrastruktur nahe der Golan-Grenze. Umfang und Bewertung dieser Aktivitäten unterscheiden sich je nach Quelle. Als gemeinsamer Trend zeichnet sich jedoch eine dauerhaftere militärische Präsenz mit Zugangswegen und Kontrollpunkten ab – und nicht nur eine Reihe voneinander unabhängiger Einzelangriffe.
Die öffentliche Kritik aus Washington war besonders bemerkenswert. Sie bedeutete keine vollständige Übernahme der syrischen Darstellung, zeigte aber, dass die israelische Sicherheitsbegründung die USA in diesem Fall nicht von der Sorge vor einer weiteren Eskalation abhielt. Der Angriff verschärfte damit nicht nur den Konflikt zwischen Israel und Damaskus, sondern auch die Spannungen mit Ankara.
Syrien forderte den UN-Sicherheitsrat und die internationale Gemeinschaft auf, entschiedene Maßnahmen gegen israelische Angriffe und Vorstöße zu ergreifen. Dazu gehört nach Darstellung von Damaskus der internationale Druck auf Israel, sich aus Gebieten zurückzuziehen, in die seine Kräfte seit Dezember 2024 vorgedrungen sind – einschließlich Teilen der UN-überwachten Pufferzone. Syrien fordert außerdem den Rückzug von den besetzten syrischen Golanhöhen.
Damaskus beruft sich dabei auf die staatliche Souveränität und das Trennungsabkommen von 1974. Israel stellt seine ausgeweitete Militärpräsenz dagegen als Sicherheitsmaßnahme dar: Sie solle verhindern, dass feindliche Kräfte oder als destabilisierend betrachtete militärische Strukturen in die Nähe seiner Grenze gelangen. Die vorliegenden Quellen dokumentieren beide Positionen, belegen aber keine umfassende neue Vereinbarung zwischen den Beteiligten.
Die Razzia in Jabata al-Khashab und die Luftangriffe auf Abu al-Duhur sind zwei unterschiedliche Formen derselben sich ausweitenden Konfrontation. In Quneitra ging es um einen größeren Bodeneinsatz, Hausdurchsuchungen und zwei Festnahmen. In Idlib traf der Angriff eine militärische Anlage weit entfernt von Israels unmittelbarer Grenze zu den Golanhöhen und wurde dadurch zu einem direkten Streitpunkt mit der Türkei.
Zusammen zeigen die Vorfälle, wie Israel seit Dezember 2024 mehrere Instrumente verbindet: Vorstöße und Kontrollpunkte im Süden Syriens, Razzien und Festnahmen in Dörfern sowie Angriffe auf Einrichtungen, die als potenzielle Sicherheitsrisiken bewertet werden. Daraus entsteht ein regionales Dreiecksverhältnis: Syrien verlangt ein Ende der israelischen Vorstöße, die Türkei strebt eine Rolle bei Syriens Sicherheits- und Militärinfrastruktur an, und Israel versucht, eine solche Rolle nahe seiner Grenzen zu verhindern. Die öffentliche Rüge aus Washington macht zugleich deutlich, dass Israels Sicherheitsargument nicht automatisch jede Sorge vor einer weiteren Eskalation ausräumt.