Russland setzte seine Drohnenangriffe auf Kiew und die umliegende Region am 28. August 2026 den zweiten Tag in Folge fort. Die wiederholten Angriffswellen zwangen Bewohner erneut in Schutzräume und beeinträchtigten Verkehr, Arbeit und Handel. Besonders ins Gewicht fällt, dass neben Wohngebäuden auch Lagerhäuser und Verteilzentren getroffen wurden – also Infrastruktur, die für die Versorgung mit Lebensmitteln und anderen Gütern entscheidend ist.
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Die Lageberichte entwickelten sich zunächst weiter, und die gemeldeten Zahlen unterschieden sich je nach Ort und Zeitpunkt. Das bisher klarste Bild zeigt eine anhaltende Luftkampagne, die Luftabwehr und Rettungskräfte unter Druck setzt, den Alltag lähmt und die ukrainische Logistik- und Energieversorgung weiter belastet.
Kiew stand fast 15 Stunden unter Luftalarm
Am 27. August wurde in Kiew 13-mal innerhalb von 24 Stunden Luftalarm ausgelöst – so oft wie seit Beginn der russischen Vollinvasion im Februar 2022 noch an keinem einzelnen Tag. Insgesamt dauerten die Warnungen 872 Minuten, also knapp 15 Stunden.
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Die neuen Drohnenwellen am 28. August führten zu weiteren Alarmen und Schutzsuchen. Für die weiter gefasste Region Kiew meldeten die ukrainischen Rettungsbehörden separat elf Alarme mit einer Gesamtdauer von mehr als 14 Stunden. Die Störungen beschränkten sich damit nicht auf die Hauptstadt.
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Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe startete Russland in der Nacht zum 28. August 164 Drohnen des Shahed-Typs gegen die Ukraine. Etwa die Hälfte davon soll mit Düsenantrieb ausgestattet gewesen sein. Diese Zahl bezieht sich auf die nächtliche Angriffswelle und ist nicht als Gesamtzahl aller Angriffe über den gesamten Zeitraum zu verstehen.
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Wohnhäuser und Lagerstandorte beschädigt
Behörden zufolge wurden am zweiten Angriffstag in der Region Kiew mehr als ein Dutzend Wohngebäude und mehrere Lagerstandorte beschädigt. Ein Bericht unter Berufung auf den Regionalgouverneur nannte 14 beschädigte Lagerstandorte, 16 Häuser und drei Wohnblocks. Mindestens eine Person soll außerhalb von Kiew getötet worden sein.
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In Teilen der Region mussten Menschen evakuiert werden. Zudem dauerten Löscharbeiten und die Suche nach Schäden an, während die Berichte veröffentlicht wurden. Die genannten Zahlen sind daher als vorläufig zu verstehen.
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Die Folgen sind nicht nur baulicher Natur. Angriffe auf Lager- und Verteilzentren können den Transport von Lebensmitteln, Paketen und Industriegütern unterbrechen – selbst dann, wenn Straßen, Geschäfte und Produktionsanlagen zunächst weiter geöffnet bleiben.
Wiederholte Angriffe gefährdeten Rettungskräfte
Der ukrainische Staatliche Rettungsdienst meldete nach dem nächtlichen Angriff 28 weitere Tagesangriffe in der Region Kiew. Feuerwehrleute, die große Brände bekämpften, mussten ihre Arbeit mehrfach unterbrechen und sich in Sicherheit bringen, sobald neue Luftalarme weitere Angriffe ankündigten.
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Für ein solches Vorgehen wird häufig der Begriff „Double Tap“ verwendet: Ein zweiter Angriff trifft ein Ziel, nachdem Einsatzkräfte dort eingetroffen sind. Die stärkste der vorliegenden Quellen dokumentiert dieses konkrete Muster allerdings für einen separaten Angriff auf ein Einkaufszentrum in Krywyj Rih. Dort soll eine zweite Angriffswelle etwa 30 Minuten nach der ersten erfolgt sein, während Rettungskräfte vor Ort waren.
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Für die Region Kiew belegen die Berichte wiederholte Folgeangriffe und die daraus entstehende Gefahr für Rettungskräfte. Sie beweisen jedoch nicht, dass jeder Angriff dort exakt demselben Ablauf wie in Krywyj Rih folgte.
Nova Poshta und die Lebensmittel-Logistik im Visier
Der ukrainische Paketdienst Nova Poshta erklärte, russische Angriffe hätten mehrere seiner Depots zerstört. Die Einrichtungen wurden in Berichten zusammen mit Lagern von Einzelhändlern und anderen Organisationen genannt.
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Der ukrainische Landwirtschaftsminister Taras Wyssozkי wurde mit der Einschätzung zitiert, dass etwa 90 Prozent der von Einzelhandelsketten betriebenen Lebensmittel-Logistik zerstört worden seien. Diese Aussage ist als schwerwiegende offizielle Einschätzung einzuordnen. Sie bezieht sich jedoch auf die Lebensmittel-Logistik des Einzelhandels – nicht zwingend auf 90 Prozent aller gewerblichen Lagerflächen oder sämtlicher Lagerhäuser in der Ukraine. Im selben Bericht hieß es, die Zerstörungen bedeuteten nicht, dass die Bevölkerung ohne Lebensmittel bleiben werde.
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Auch bei den wirtschaftlichen Prognosen gab es unterschiedliche Angaben. Ein Bericht nannte eine Senkung der ukrainischen Wachstumsprognose für 2026 von 1,3 auf 0,8 Prozent, ein anderer eine Absenkung auf 0,5 Prozent.
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56 Die Zahlen waren in der verfügbaren Berichterstattung somit noch nicht einheitlich. Die allgemeine Entwicklung ist dennoch erkennbar: Angriffe auf Energieanlagen, Logistik, Häfen und Industrie belasteten die wirtschaftliche Aktivität. Dass allein die jüngsten Angriffe auf Lagerhäuser eine bestimmte Prognoseänderung verursacht hätten, ist durch die vorliegenden Belege nicht nachgewiesen.
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Cherson droht ein schwieriger Winter
Die Angriffe beschränkten sich nicht auf die Logistikzentren rund um Kiew. Nach Angaben des staatlichen ukrainischen Energiekonzerns Naftogaz zerstörten vier russische Gleitbomben sämtliche Wärme- und Stromerzeugungsanlagen des Heizkraftwerks von Cherson. Das Kraftwerk versorgte zahlreiche Wohngebäude der Stadt mit Wärme.
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Damit steigt das Risiko von Strom- und Heizungsausfällen, wenn der Winter 2026/27 näher rückt. Die Ukraine stand bereits zuvor vor der schwierigen Aufgabe, ihr durch frühere Angriffe beschädigtes Kraft-Wärme-Kopplungssystem zu reparieren und wiederaufzubauen.
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Der Angriff auf Cherson bedeutet deshalb mehr als den Ausfall einer einzelnen Anlage: Lokale Strom- und Wärmekapazität geht verloren, während die Wiederherstellung der Energieinfrastruktur vor dem Winter ohnehin ein Wettlauf gegen die Zeit ist.
Ukraine will Angriffe tief in Russland ausweiten
Parallel setzte die Ukraine ihre Angriffe auf russische Energieanlagen fort. Am 6. August erklärten ukrainische Behörden, Drohnen hätten die Slawneft-JANOS-Raffinerie in der russischen Region Jaroslawl getroffen, rund 250 Kilometer nordöstlich von Moskau. Der Regionalgouverneur teilte später mit, ein Brand sei gelöscht worden. Die Ukraine erklärte außerdem, die Raffinerie Baschneft-Nowoil in Baschkortostan angegriffen zu haben.
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Diese Angriffe fanden Anfang August und nicht unmittelbar während des Kiewer Beschusses vom 28. August statt. Sie liefern jedoch Kontext für die ukrainische Strategie: Kiew versucht, Russlands Treibstoff-, Industrie- und Militärinfrastruktur auch weit hinter der Front unter Druck zu setzen.
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Am 28. August formulierte Präsident Wolodymyr Selenskyj das Ziel, täglich 1.000 Langstreckendrohnen herzustellen beziehungsweise für Angriffe einzusetzen. Derzeit liege der Durchschnitt bei mehr als 300. Selenskyj stellte das Ziel zusammen mit Plänen vor, die ukrainische Abwehr gegen düsengetriebene Shahed-Drohnen zu stärken und die Angriffe auf Ziele in Russland auszuweiten.
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Was die Angriffswelle zeigt
Die Angriffe vom 27. und 28. August waren mehr als ein Beschuss von Wohnvierteln in Kiew. Sie verbanden lang anhaltende Luftalarme mit Angriffen auf Lager-, Liefer- und Energieinfrastruktur – auf jene Systeme also, die den Alltag von Zivilbevölkerung, Unternehmen und öffentlichen Diensten ermöglichen.
Die belastbarste Schlussfolgerung fällt deshalb vorsichtiger aus als manche frühen Darstellungen: Die russische Drohnenkampagne am zweiten Tag verursachte bestätigte Schäden und mindestens einen gemeldeten Todesfall in der Region Kiew. Folgeangriffe machten die Rettungsarbeiten gefährlicher. Meldungen über weitreichende Zerstörungen in der Logistik und ein schwächeres Wirtschaftswachstum deuten auf größere wirtschaftliche Folgen hin; deren genaue Größenordnung und Einfluss auf das Bruttoinlandsprodukt blieben jedoch Gegenstand weiterer Überprüfung. Das ukrainische Ziel von 1.000 Langstreckendrohnen pro Tag zeigt zugleich, dass Kiew mit einer weiteren Verschärfung des Luftkriegs und des Ringens um kritische Infrastruktur rechnet.