Bemerkenswert war, dass es bereits Stunden zuvor ungewöhnlich deutliche Warnungen gegeben hatte.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte am 23. Mai, ukrainische Geheimdienste hätten – auch dank Informationen von US‑ und europäischen Partnern – Hinweise darauf, dass Russland einen kombinierten Angriff vorbereite, der auch den Einsatz der Oreschnik‑Rakete umfassen könnte.
Parallel dazu veröffentlichte die US‑Botschaft in Kyjiw eine Sicherheitswarnung. Darin hieß es, man habe Informationen über einen „potenziell bedeutenden Luftangriff“, der innerhalb der nächsten 24 Stunden stattfinden könnte. US‑Bürger wurden aufgefordert, bei Luftalarm sofort Schutzräume aufzusuchen.
Nur wenige Stunden später bestätigte der nächtliche Angriff die Befürchtungen.
Die Oreschnik ist eine russische Mittelstrecken‑ballistische Rakete (IRBM). Analysten gehen davon aus, dass sie technisch mit der russischen RS‑26‑Rubezh‑Rakete verwandt oder aus ihr entwickelt wurde.
Mehrere Eigenschaften machen das System besonders auffällig:
Erstmals wurde Oreschnik im November 2024 im Krieg eingesetzt, als Russland die ukrainische Stadt Dnipro angriff.
Fachleute betrachten Oreschnik aus mehreren Gründen als besonders gefährlich.
Erstens verkürzt ihre extreme Geschwindigkeit die Reaktionszeit von Luftverteidigungssystemen drastisch. Hyperschall‑ähnliche Flugprofile bedeuten, dass zwischen Entdeckung und Einschlag oft nur sehr wenig Zeit bleibt.
Zweitens erschwert die MIRV‑Technologie die Abwehr. Wenn eine Rakete mehrere Sprengköpfe freisetzt, müssen Verteidigungssysteme gleichzeitig mehrere Ziele verfolgen und abfangen.
Drittens ist das System nuklearfähig. Selbst wenn eine Rakete konventionell bestückt ist, kann ihr Einsatz eine strategische Signalwirkung haben – nicht nur gegenüber der Ukraine, sondern auch gegenüber NATO‑Staaten.
Der Angriff vom 24. Mai steht nicht isoliert. In den Wochen zuvor hatte Russland seine Luftangriffe auf die Ukraine deutlich intensiviert.
Mitte Mai meldeten ukrainische Behörden eine der größten Drohnen‑ und Raketenoffensiven seit Beginn der Invasion, bei der Russland innerhalb von zwei Tagen Hunderte Drohnen und Dutzende Raketen einsetzte.
Solche Angriffe treffen regelmäßig Großstädte wie Kyjiw, beschädigen Wohnhäuser und Infrastruktur und führen zu zivilen Opfern.
Vor diesem Hintergrund sehen Beobachter den Angriff vom 24. Mai als Teil einer anhaltenden Eskalation russischer Fernangriffe – sowohl militärisch als auch als strategisches Signal, insbesondere wenn modernere Waffensysteme wie die Oreschnik ins Spiel gebracht werden.
Der nächtliche Angriff auf Kyjiw am 24. Mai war eine der jüngsten großen kombinierten Drohnen‑ und Raketenoffensiven Russlands. Dass ukrainische Behörden zuvor vor dem möglichen Einsatz der Oreschnik‑Mittelstreckenrakete gewarnt hatten, verstärkte die internationale Aufmerksamkeit.
Mit ihrer enormen Geschwindigkeit, mehreren Sprengköpfen und potenziellen nuklearen Nutzlast gilt die Rakete als eines der schwierigsten Ziele für moderne Luftabwehrsysteme – und als ein weiteres Zeichen dafür, wie sich die militärische Dynamik des Kriegs zunehmend verschärft.
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