Ablakwa erklärte, 62 Ghanaer seien im Krieg getötet worden, weitere 15 würden vermisst. Mehrere Berichte über die gemeinsame Pressekonferenz der beiden Minister nannten diese Zahlen.
Nicht belegt ist dagegen, wie viele Ghanaer seit Beginn der russischen Vollinvasion im Jahr 2022 insgesamt angeworben wurden. Die vorliegenden Quellen liefern auch keine unabhängig bestätigte Aufschlüsselung dazu, wie viele Ghanaer noch leben, unter Vertrag stehen oder möglicherweise unter falschen Versprechungen in den russischen Militärdienst gelangten.
Lawrow bestätigte laut Berichten, dass ghanaische Staatsbürger Verträge mit dem russischen Verteidigungsministerium unterschrieben hätten. Er erklärte ihre Entscheidung mit einer Kombination aus Solidarität mit Russland sowie materiellen und finanziellen Motiven.
Diese Darstellung steht im Gegensatz zu Ghanas Bezeichnung der Anwerbung als illegal. Zudem berichten Recherchen, dass Afrikaner über Vermittler mit Angeboten für zivile und gut bezahlte Arbeit angesprochen worden seien. Die verfügbaren Informationen zeigen damit widersprüchliche Darstellungen darüber, wie die Betroffenen in den russischen Dienst gelangten. Für die Fälle aus Ghana lässt sich daraus jedoch nicht unabhängig ableiten, wie häufig Täuschung oder Zwang eine Rolle spielten.
Ghanas Vorstoß ist Teil eines breiteren diplomatischen Konflikts. Lawrow sagte, Russland habe ähnliche Anliegen aus Südafrika, Kenia und Botswana erhalten.
Berichte beschreiben mutmaßliche Anwerbeversuche über Vermittler und zivile Jobangebote. Besonders in Kenia, Ghana und Südafrika löste dies Besorgnis aus. Kenianische Nachrichtendienste sollen mehr als 1.000 kenianische Rekruten identifiziert haben. Kenias Außenminister erklärte jedoch, dass keine präzise Gesamtzahl aller beteiligten Staatsbürger vorliege.
Das ukrainische Außenministerium erklärte im August, mindestens 2.982 Menschen aus 37 afrikanischen Ländern seien in die russischen Streitkräfte aufgenommen worden. 486 von ihnen seien nach ukrainischen Angaben getötet worden. Diese Zahlen stammen aus ukrainischen Angaben und sollten daher als ukrainische Schätzung beziehungsweise nachrichtendienstlich gestützte Darstellung verstanden werden, nicht als von allen Seiten bestätigte Gesamtbilanz.
Eine frühere ukrainische Angabe bezifferte die Zahl der auf russischer Seite kämpfenden Afrikaner auf mehr als 1.700. Die unterschiedlichen Werte können unter anderem auf abweichende Zeitpunkte, Definitionen und Quellen zurückgehen.
Die Berichte im Zusammenhang mit dem Treffen in Moskau zeichnen ein Muster, bei dem Interessenten über Dritte kontaktiert und mit zivilen Arbeitsplätzen sowie teilweise hohen Löhnen gelockt worden sein sollen. Weitere Untersuchungen und ukrainische Angaben nennen darüber hinaus Täuschung, Druck, Bildungs- oder Arbeitsangebote sowie Versprechen einer russischen Staatsbürgerschaft oder anderer Vorteile.
Diese Berichte beziehen sich auf ein mutmaßlich größeres Rekrutierungssystem. Sie belegen nicht, dass jeder Ghanaer getäuscht oder zur Unterzeichnung eines Vertrags gezwungen wurde. Auch die vorliegenden Quellen bestätigen nicht jede Einzelheit zu konkreten Fällen, Vermittlern oder Rekrutierungskanälen.
Die Gespräche beschränkten sich nicht auf den Streit über die Rekrutierung. Russland und Ghana unterzeichneten nach Angaben des ghanaischen Außenministeriums außerdem ein Abkommen, das die Visumpflicht für Inhaber diplomatischer und dienstlicher Pässe aufhebt.
Zudem soll noch vor Ende 2026 in Moskau eine Sitzung der zwischenstaatlichen Kommission für Handels-, Wirtschafts-, Wissenschafts- und Technikkooperation stattfinden. Das kündigte Lawrow an. Die Vereinbarungen zeigen, dass die Rekrutierungsfrage neben weiteren Themen der bilateralen Zusammenarbeit behandelt wurde und nicht die gesamte diplomatische Agenda ersetzte.
Die verfügbaren Quellen bestätigen nicht:
Die Ukraine berichtete außerdem, Russland plane 2026 die Anwerbung von mindestens 18.500 ausländischen Staatsbürgern. Auch diese Zahl ist eine ukrainische nachrichtendienstliche Schätzung und keine bestätigte russische Gesamtzahl.
Die vorsichtigste Schlussfolgerung aus dem Treffen vom 17. August lautet daher: Ghana brachte die Rekrutierung seiner Bürger direkt gegenüber Moskau zur Sprache, nannte 62 Tote und 15 Vermisste und erhielt nach eigenen Angaben die Zusage, dass Russland das Anliegen prüfen und an einer Lösung arbeiten werde. Ob daraus überprüfbare Maßnahmen folgen, bleibt offen.