Foxconn reiste in der stärksten finanziellen Verfassung seiner Geschichte zur Computex 2026 – eine direkte Folge des massiven Ausbaus der KI-Infrastruktur. Der Konzernumsatz im ersten Quartal 2026 erreichte 2,11 Billionen Neue Taiwan-Dollar (ca. 66,95 Milliarden US-Dollar), ein Plus von rund 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr . Allein der März brach mit 803,7 Milliarden NT-Dollar (ca. 25,1 Milliarden US-Dollar) und einem Anstieg um 45,6 Prozent alle bisherigen Monatsrekorde
.
Foxconn kontrolliert inzwischen rund 40 Prozent des globalen Marktes für KI-Server und erwartet für das Gesamtjahr 2026 mehr als eine Verdopplung der Auslieferungen von KI-Servern . Chairman Young Liu sprach von einem sequenziellen Wachstum der ausgelieferten KI-Server-Racks im „hohen zweistelligen Bereich" und prognostizierte für das zweite Quartal 2026 eine nahezu Verdopplung des Umsatzes mit KI-Servern – sowohl im Quartals- als auch im Jahresvergleich
.
Zusätzlichen Schub erhält das Bild durch die Cloud- und KI-Tochter Foxconn Industrial Internet. Sie meldete für das erste Quartal 2026 einen Umsatz von 251,1 Milliarden Renminbi – ein Plus von 56,5 Prozent im Jahresvergleich –, während sich die Einnahmen aus KI-Servern von Cloud-Anbietern mehr als verdreifachten und die Auslieferungen von KI-GPU-Schränken um das 3,8-Fache zulegten .
In Kaohsiung im Süden Taiwans bauen Nvidia und Foxconn gemeinsam ein Supercomputer-Zentrum für umgerechnet 1,4 Milliarden US-Dollar, dessen Fertigstellung für das erste Halbjahr 2026 geplant ist . Die Anlage mit einer Leistungsaufnahme von 27 Megawatt soll Taiwans größter fortschrittlicher GPU-Cluster und Asiens erstes Rechenzentrum werden, das mit Nvidias Blackwell-GB300-Chips betrieben wird – dem unmittelbaren Vorgänger der Vera-Rubin-Plattform
.
Erstmals auf der Computex 2024 angekündigt, dient der Standort Kaohsiung als physischer Anker der Partnerschaft. Er wird 10.000 Nvidia-Blackwell-GPUs beherbergen, die von der Foxconn-Tochter Big Innovation Company bereitgestellt werden. Das immense Rechenpotenzial soll Forschern, Start-ups und der gesamten taiwanesischen Industrie zur Verfügung stehen .
Das wohl futuristischste Projekt der Partnerschaft entsteht in Houston, Texas. Hier planen Foxconn und Nvidia den Einsatz humanoider Roboter in einer neuen Fertigungsstätte, die Nvidias GB300-KI-Server montieren soll . Sollte das Vorhaben umgesetzt werden, wäre es das erste Mal, dass Nvidias Produkte mit der direkten Hilfe menschenähnlicher Roboter gefertigt werden, und Foxconns erste KI-Server-Produktionslinie, die auf sie setzt
.
Foxconn will Roboter integrieren, die von Nvidias KI-Modell Isaac GR00T N gesteuert werden, und strebt einen ersten Einsatz bereits im ersten Quartal 2026 an . Die Maschinen sollen zunächst Aufgaben wie das Greifen und Platzieren von Bauteilen („Pick-and-Place"), das Einstecken von Kabeln und einfache Montageschritte übernehmen
. Foxconn beschreibt das Werk in Houston als eine „weltweit führende, richtungsweisende intelligente KI-Fabrik"
. Das Projekt ist Teil von Nvidias umfassender Strategie, KI-Supercomputer erstmals vollständig in den USA zu fertigen, zusammen mit einem weiteren Werk in Dallas, das mit Wistron entsteht
.
Foxconn produziert derzeit wöchentlich rund 1.000 KI-Server-Racks für Nvidia und skaliert diese Kapazität im Laufe des Jahres 2026 weiter hoch . Doch das Treffen auf der Computex 2026 machte klar, dass diese Beziehung weit über ein klassisches Auftragsfertigungsmodell hinausgeht.
Die Allianz umspannt heute drei kritische Bereiche: die Hightech-Volumenproduktion von Nvidias fortschrittlichstem KI-Equipment in Taiwan, eine Flaggschiff-Supercomputer-Anlage in Kaohsiung, die als nationale KI-Ressource dient, und eine Fabrik der nächsten Generation in Texas, die Nvidias Vision der „KI-Fabrik" physisch verkörpert. Foxconn nutzt dabei Nvidias Omniverse-Technologie für digitale Zwillinge, um diese Produktionslinien zunächst virtuell zu simulieren und zu optimieren, bevor sie in der Realität gebaut werden .
Oder, wie es Jensen Huang formulierte: Die Einführung von Vera Rubin könnte „der größte Produkt-Rollout sein, den die taiwanesische Elektronikindustrie je gesehen hat" . Das Treffen zwischen Huang und Liu bestätigte eindrucksvoll: Foxconn fährt nicht nur mit – es sitzt am Steuer.
Comments
0 comments