Für Iran ging es dabei um mehr als nur Symbolpolitik:
Gleichzeitig betonte Araghchi, dass die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Öl‑Transportachsen der Welt – weiterhin für Handelsschiffe offen sei, sofern diese mit iranischen Marineeinheiten kooperierten. Damit unterstrich Teheran die zentrale Rolle der Region für die globale Energieversorgung.
Für Indien war die Situation diplomatisch besonders sensibel. Als Gastgeber und aktueller BRICS‑Vorsitz versuchte Neu‑Delhi, die Diskussion auf Stabilität und wirtschaftliche Sicherheit zu lenken.
Außenminister Subrahmanyam Jaishankar hob hervor, dass sichere und ungehinderte Schifffahrt durch internationale Wasserstraßen – etwa durch die Straße von Hormus oder das Rote Meer – entscheidend für die Weltwirtschaft sei.
Diese Linie spiegelt Indiens strategische Balancepolitik wider:
Eine klare anti‑amerikanische oder anti‑israelische Position hätte mehrere dieser Partnerschaften gefährden können. Deshalb setzte Indien eher auf vorsichtige, diplomatische Formulierungen.
Die Diskussionen in Neu‑Delhi machten deutlich, dass die Mitgliedstaaten sehr unterschiedliche geopolitische Prioritäten haben.
Beide Staaten kritisieren in internationalen Foren häufig die Politik der USA. Aufgrund ihrer strategischen Rivalität mit Washington sind sie eher bereit, schärfere Formulierungen gegen westliche Interventionen zu unterstützen.
Indien verfolgt traditionell eine Politik der strategischen Autonomie. Das Land versucht, in internationalen Konflikten flexibel zu bleiben und Beziehungen zu allen Seiten aufrechtzuerhalten.
Für die VAE, selbst BRICS‑Mitglied und direkter Nachbar Irans, ist die Lage besonders komplex. Berichten zufolge drängte ein BRICS‑Land aus der Golfregion sogar darauf, eine Erklärung zu formulieren, die Teheran kritisiert – ein Hinweis auf interne Spannungen innerhalb des Bündnisses.
Auch die Rolle Saudi‑Arabiens bleibt in einigen Berichten unklar. Das Land hat enge Sicherheits‑ und Wirtschaftsbeziehungen zu den USA und wäre daher vermutlich vorsichtig gegenüber einer BRICS‑Erklärung, die als offen pro‑iranisch interpretiert werden könnte.
Neben der Politik prägten auch wirtschaftliche Sorgen die Gespräche.
Diese unterschiedlichen Abhängigkeiten erschweren eine gemeinsame politische Linie.
Die Debatten in Neu‑Delhi verdeutlichen ein grundlegendes Dilemma des erweiterten BRICS‑Bündnisses. Durch neue Mitglieder repräsentiert der Block heute einen größeren Anteil der Weltbevölkerung und der globalen Wirtschaft. Gleichzeitig sind die strategischen Interessen der Mitglieder sehr unterschiedlich geworden.
Das macht Kooperation bei Themen wie Entwicklung, Handel oder Reform internationaler Institutionen zwar möglich – doch bei akuten militärischen Konflikten wird ein Konsens deutlich schwieriger.
Angesichts dieser Spannungen gilt ein vorsichtig formulierter gemeinsamer Text als wahrscheinlichster Ausgang: Aufrufe zu Deeskalation, Respekt vor internationalem Recht, Schutz wichtiger Seewege und wirtschaftlicher Stabilität.
Eine klare gemeinsame Verurteilung einer Konfliktpartei dagegen bleibt für den heterogenen Staatenverbund deutlich schwerer umzusetzen.
Damit zeigte das Treffen in Neu‑Delhi zugleich die Stärke und die Grenzen der BRICS‑Erweiterung: ein geopolitisch gewichtiger Zusammenschluss aufstrebender Staaten – der jedoch noch nach einer gemeinsamen Stimme in globalen Krisen sucht.
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