Diese Bemerkung ließ die Spannungen im Raum augenblicklich kristallisieren. Nach außen hin arbeiteten die Spitzenpolitiker daran, eine geeinte Front in Sachen Ukraine und Iran zu präsentieren. Das versehentliche Geständnis bestätigte jedoch, dass selbst Frankreich, oftmals Trumps engster europäischer Verbündeter, dessen Positionen für kaum überbrückbar hielt. Der weitere Kontext für diese Belastungsprobe umfasste Trumps jüngste Drohungen, Grönland zu annektieren, Handelsstreitigkeiten und den Alleingang seiner Regierung im Iran-Konflikt – alles Punkte, die das Verhältnis zu den europäischen Partnern schwer belastet hatten .
Die europäischen Staats- und Regierungschefs reisten mit einer klaren Mission nach Évian-les-Bains: Sie wollten „Donald Trump näher an ihre Positionen heranziehen“ – bei zwei entscheidenden und miteinander verwobenen Themen .
Die Ukraine: Selenskyj, der auf Macrons Einladung hin teilnahm, kam mit der Botschaft, dass sich die Lage der Ukraine im Krieg verbessert habe und sie nun stärkere internationale Unterstützung verdiene . Die europäischen Partner drängten Trump gemeinsam, direkte Verhandlungen zwischen Selenskyj und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu moderieren. Die Hoffnung: das diplomatische Gewicht der USA hinter einen robusteren Friedensrahmen zu stellen
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Der Iran: Trump hatte kurz vor dem Gipfel auf eigene Faust einen vorläufigen 60-tägigen Waffenstillstand mit dem Iran ausgehandelt. Während er dies als großen Erfolg präsentierte, waren die G7-Verbündeten zutiefst beunruhigt über die Fragilität des Deals und das Fehlen von Durchsetzungsmechanismen. Sie drängten auf verbindliche Kontrollen und Garantien, dass der Iran die Feuerpause nicht zur Beschleunigung seines Atomprogramms nutzen würde . Das zentrale Argument der Europäer: Beide Herausforderungen – der Druck auf Russland und die Stabilisierung des Iran-Deals – erforderten eine geeinte westliche Front, die nur durch ein engagiertes Amerika zu erreichen sei.
Der transaktionale Charakter des Gipfels wurde schon durch seinen Zeitplan unterstrichen. Die erste Arbeitssitzung am Dienstag begann mit fast einer Stunde Verspätung, weil die anderen G7-Staatschefs auf Trump, Macron und Selenskyj warten mussten . Bundeskanzler Friedrich Merz quittierte die Verspätung bei Trumps Eintreffen demonstrativ mit einem versöhnlichen Gestus und überreichte dem US-Präsidenten zur Begrüßung ein deutsches Fußballtrikot
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Trumps anschließendes bilaterales Treffen mit Selenskyj war kurz und sachlich. Für den ukrainischen Präsidenten war es ein diplomatischer Achtungserfolg: Ursprünglich war kein Einzelgespräch mit Trump vorgesehen, und er hatte den US-Präsidenten zuvor vier Monate lang nicht persönlich getroffen . In der Gruppensitzung erklärte Trump, Russland „sollte ein Friedensabkommen anstreben“ – eine Formulierung, die direkt seiner Deal-Mentalität im Fall Iran entsprach. Gleichzeitig ermutigte er die Verbündeten, den Sanktionsdruck auf Moskau zu erhöhen
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Trump machte den vorläufigen Waffenstillstand mit dem Iran zum Herzstück seiner Gipfel-Erzählung und präsentierte ihn als Blaupause zur Beendigung des Ukraine-Kriegs. „Jetzt, wo das (der Iran) erledigt ist, werden wir uns darauf konzentrieren“, sagte er in Bezug auf die Ukraine . Seine öffentliche Botschaft war, dass dieselbe transaktionale Verhandlungslogik auch Russland an den Tisch zwingen könne
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Die G7-Verbündeten waren allerdings nicht überzeugt, dass sich dieses Modell übertragen ließe. Sie betrachteten den Iran-Deal als gefährlich unvollständig und sahen in der Ukraine einen weitaus komplexeren Konflikt, der ein ganz anderes, nachhaltigeres Engagement erforderte. Der Gipfel legte diesen fundamentalen Strategiestreit offen: Trump sah parallele, lösbare Konflikte; Europa sah eine einzigartige russische Bedrohung, die klassische, langfristige Abschreckung verlangte .
Jenseits der Mikrofonpanne und der politischen Debatten kommunizierte auch die Gipfel-Choreografie ihre eigene Botschaft der Distanzierung. Der britische Premierminister Keir Starmer hatte während des gesamten Gipfels bemerkenswerterweise kein Einzelgespräch mit Trump, was Starmer später zu einem Dementi veranlasste, er sei übergangen worden . Gleichzeitig schwebte im Hintergrund stets die Drohung von US-Strafzöllen auf europäische Waren, was den sicherheitspolitischen Streitigkeiten eine zusätzliche Ebene wirtschaftlicher Beunruhigung hinzufügte
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Der Vorfall mit dem offenen Mikrofon wurde zum Prisma, durch das das gesamte Treffen betrachtet wurde: ein Symptom einer Allianz, in der die Partner das Gefühl haben, den US-Präsidenten managen zu müssen, anstatt mit ihm zu kooperieren .
Am Ende veröffentlichte die G7 eine gemeinsame Erklärung, in der sie stärkere Unterstützung für die Ukraine und die weitere Arbeit am Iran-Thema zusagte. Doch das Vermächtnis des Gipfels wurde nicht in seinem Kommuniqué festgeschrieben. Es brannte sich ein durch das Bild eines Staatschefs, der einem anderen – in Hörweite der Welt – gestehen musste, dass die Gespräche „schwierig“ gewesen seien. Eine Live-Demonstration dafür, wie mühsam es geworden ist, die transatlantische Allianz auf Kurs zu halten .