Präsident Wolodymyr Selenskyj stellte den Angriff als Entscheidung Moskaus dar, die kurze Beruhigung zu beenden. Russland habe, so seine Darstellung, „die teilweise Stille“ selbst beendet und in der Nacht mehr als 200 Angriffsdrohnen gestartet.
Die gemeldeten Schäden konzentrierten sich nicht auf einen einzelnen Ort. Selenskyj nannte unter anderem Kiew, Cherson, Dnipro, Charkiw und weitere Regionen als betroffene Gebiete.
Nach Berichten aus der Ukraine und von internationalen Medien wurden Wohngebäude, Energieanlagen, ein Kindergarten sowie Transportanlagen getroffen oder beschädigt. Hromadske berichtete von Bränden in einem Wohnhochhaus in Kiew, in einem Kindergarten außerhalb der Hauptstadt und an einer Bahnanlage; außerdem sei zivile Infrastruktur in der Region Charkiw beschädigt worden.
Der Kyiv Independent meldete zudem, russische Drohnen seien in Richtung der Hauptstadt gestartet worden; Trümmer seien auf das Dach eines 16-stöckigen Wohnhauses in Kiew gefallen.
Bei den Opferzahlen ist die Quellenlage enger: Euronews berichtete, in der Region Dnipropetrowsk sei ein Mann getötet worden, mindestens vier Menschen seien verletzt worden. Andere Berichte sprechen allgemeiner von Opfern, liefern in den hier vorliegenden Informationen aber keine belastbare, umfassendere Gesamtzahl.
Die von der Ukraine gemeldete Quote lag bei etwa 89 Prozent: 192 von 216 Drohnen seien neutralisiert worden. Wichtig ist dabei die Formulierung: Kiew spricht nicht nur von physisch abgeschossenen Drohnen, sondern auch von elektronisch gestörten Flugkörpern.
Das kann bedeuten, dass Drohnen vom Kurs abgebracht oder funktionsunfähig gemacht wurden, ohne zwingend durch Raketen oder Flugabwehrkanonen zerstört worden zu sein.
Politisch betonte Kiew, die Pause habe verlängert werden sollen. Außenminister Andrij Sybiha sagte, die Ukraine habe vorgeschlagen, die teilweise Waffenruhe über den 11. Mai hinaus fortzusetzen; stattdessen habe Russland in der Nacht mehr als 200 Drohnen gestartet. Selenskyj kündigte an, die Ukraine werde auf feindliche Handlungen entsprechend reagieren, und forderte stärkere Sanktionen gegen Russland, bis eine dauerhafte Waffenruhe erreicht sei.
Schon die drei Tage der Waffenruhe waren von gegenseitigen Beschuldigungen geprägt. Reuters-Berichte, die von The Star übernommen wurden, beschrieben, dass beide Seiten einander Verstöße vorwarfen, während die Kämpfe entlang der Front weitergingen.
Während der Pause berichteten ukrainische Stellen außerdem, drei Menschen seien bei russischen Drohnenangriffen in frontnahen Gebieten getötet worden; seit dem frühen Samstag habe es mehr als 200 Gefechte gegeben.
Moskau erhob seinerseits sehr weitreichende Vorwürfe. Das russische Verteidigungsministerium behauptete, Kiew habe die dreitägige Waffenruhe 23.802 Mal in der von Russland so bezeichneten „Zone der militärischen Spezialoperation“ verletzt. Konkret warf Moskau ukrainischen Kräften 12 Angriffsversuche, 767 Beschüsse mit Mehrfachraketenwerfern, Feldartillerie und Mörsern sowie 6.905 Drohnenangriffe innerhalb der vorangegangenen 24 Stunden vor.
Diese Zahlen sind als russische Regierungsbehauptungen einzuordnen. Die vorliegenden Quellen geben sie wieder, liefern aber keine unabhängige Bestätigung der Zahl von 23.802 Verstößen.
Auch Russland sprach rund um die Waffenruhe von groß angelegter ukrainischer Drohnenaktivität. AFP-nahe Berichte meldeten, das russische Verteidigungsministerium habe behauptet, in der Nacht zum 8. Mai fast 350 ukrainische Drohnen zerstört zu haben; der Moskauer Bürgermeister habe zusätzlich 20 abgefangene Drohnen in den ersten zwei Stunden nach Beginn der russischen Waffenruhe gemeldet.
Weitere Berichte nannten Angaben des russischen Verteidigungsministeriums, wonach über Nacht und in den frühen Stunden der Feuerpause mehr als 260 ukrainische Drohnen abgeschossen worden seien. Auch diese Zahlen bleiben in der hier vorliegenden Quellenlage offizielle russische Angaben, nicht unabhängig überprüfte Gesamtwerte.
Der Kern der Nacht nach der Feuerpause ist gut dokumentiert: Die Ukraine meldete 216 von Russland gestartete Drohnen und 192 neutralisierte Flugkörper. Zugleich kam es nach ukrainischen und Medienberichten zu Treffern an 10 Orten sowie zu Schäden an zivilen und infrastrukturellen Zielen, darunter Wohngebäude, ein Kindergarten, Energie-, Transport- und Bahnanlagen.
Unklarer bleiben die vollständige Opferbilanz und die Wahrheit hinter den gegenseitigen Vorwürfen zu Verstößen gegen die Feuerpause. Beide Seiten beschuldigen einander, die Pause gebrochen zu haben; besonders die sehr hohen russischen Zahlen zu angeblichen ukrainischen Verstößen und Drohnenverlusten sind in den verfügbaren Quellen nicht unabhängig bestätigt.
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