Die Reaktion fiel jedoch nicht wie erhofft aus: UEFA, CONCACAF und später auch die asiatische Konföderation AFC stellten sich gegen den Vorschlag. Innerhalb von fünf Tagen war das Projekt beendet – und Infantinos Position als FIFA-Präsident schwer beschädigt.
Am 28. Juli berichtete zunächst die britische Zeitung The Times, dass die FIFA eine eigenständige Gesellschaft außerhalb ihrer bisherigen gemeinnützigen Struktur aufbauen wolle . Die FIFA bestätigte daraufhin, sie prüfe die Zusammenführung ihrer kommerziellen Rechte mit der operativen Durchführung ihrer Wettbewerbe in der neuen FIFA Forward Enterprise .
Die Gesellschaft sollte:
Als führender Investor war Thrive Eternal vorgesehen, ein Investmentvehikel von Joshua Kushner. Er ist der Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn des früheren US-Präsidenten Donald Trump . Auch die Investmentbank J.P. Morgan war an dem Vorhaben beteiligt .
Infantino stellte den Mitgliedsverbänden die Finanzierung als „singuläre und einzigartige Finanzierungsmöglichkeit“ dar. Jeder der 211 FIFA-Verbände sollte bei einer Zustimmung einmalig 20 Millionen Dollar erhalten . In einem Schreiben setzte Infantino den 19. September als Frist. Wer den Vorschlag nicht annehme, könne nach seiner Darstellung ein Finanzierungspaket von 10 Milliarden Dollar verpassen .
Die europäische Fußballunion UEFA wies den Plan noch am Tag seiner Bekanntgabe scharf zurück. „Es ist nicht Sache der FIFA, das zu verkaufen. Niemand von uns ist Eigentümer des Fußballs“, erklärte die UEFA .
Die Organisation berief für den 30. Juli eine Krisensitzung ihrer 55 Mitgliedsverbände ein. Auf der Tagesordnung stand unter anderem ein Boykott sämtlicher FIFA-Wettbewerbe – einschließlich der Weltmeisterschaft .
Das war mehr als ein gewöhnlicher Streit über Finanzen. Die Kritiker sahen in dem Vorhaben eine Verschiebung der Kontrolle über den kommerziellen Kern des Fußballs hin zu privaten Kapitalgebern. Aus ihrer Sicht drohte die Weltmeisterschaft damit, von einem sportlichen Großereignis zu einem handelbaren Investmentobjekt zu werden .
Am 30. Juli fasste die UEFA nach ihrer Krisensitzung einen einstimmigen Beschluss: Sollte die FIFA den Privatisierungsplan weiterverfolgen, würden alle 55 europäischen Mitgliedsverbände an keinem FIFA-Wettbewerb mehr teilnehmen .
Das hätte sowohl Männer- und Frauen-Weltmeisterschaften als auch Klub-Weltmeisterschaften und weitere FIFA-Turniere betroffen. „Die UEFA und ihre Nationalverbände werden nicht an FIFA-Wettbewerben teilnehmen“, teilte die Organisation mit .
Die Botschaft war unmissverständlich: „Solange Europa eine Stimme hat, wird die Weltmeisterschaft niemals zum Verkauf stehen“ .
Noch am selben Tag lehnte auch CONCACAF den Vorschlag offiziell ab. Der Verband umfasst 41 Mitgliedsverbände aus Nordamerika, Mittelamerika und der Karibik . In der Erklärung hieß es, viele Mitglieder verlören das Vertrauen in Infantino – oder hätten es bereits vollständig verloren .
Damit hatten innerhalb weniger Stunden 96 der 211 FIFA-Mitgliedsverbände den Plan öffentlich zurückgewiesen .
Am 31. Juli schloss sich die Asian Football Confederation (AFC) dem Widerstand an. Der asiatische Kontinentalverband wies das Vorhaben zurück und äußerte „tiefe Besorgnis“ über die Beratungs- und Entscheidungsprozesse der FIFA .
Die AFC forderte außerdem eine dringende Überprüfung des Führungsstils der FIFA . ESPN wertete die Stellungnahme als möglicherweise entscheidenden Schlag gegen Infantinos politische Stellung .
Damit war aus der europäischen Protestbewegung eine Konfrontation geworden, die mehrere Kontinentalverbände umfasste.
Zusätzlichen Druck erzeugte der Rücktritt von Carlos Cordeiro, einem ranghohen Berater Infantinos. Cordeiro war früher Investmentbanker bei Goldman Sachs und vertrat die FIFA in der Taskforce des Weißen Hauses zur Weltmeisterschaft 2026 .
Er trat am 31. Juli aus Protest zurück und bezeichnete den von Joshua Kushner unterstützten 20-Milliarden-Dollar-Plan als „schlechtes Geschäft für den Fußball“ . Dass die Kritik aus Infantinos unmittelbarem Umfeld kam, verlieh der Affäre zusätzliches Gewicht .
Zunächst zeigte sich die FIFA trotz des Widerstands unbeirrt. Am 31. Juli erklärte der Weltverband, er werde den Konsultationsprozess fortsetzen. Zugleich machte er „unrichtige Medienberichte“ für die entstandene Unruhe verantwortlich .
Die Haltung hielt jedoch nur wenige Stunden. Noch am selben Tag kündigte Infantino an, dass der Vorschlag nicht weiterverfolgt werde . In der Erklärung der FIFA hieß es, das Projekt habe nach sorgfältiger Prüfung der unterschiedlichen Positionen Spaltungen hervorgerufen, die – unabhängig vom tatsächlichen Unterstützungsgrad – dem ursprünglichen Ziel nicht mehr dienten .
Der Plan für die FIFA Forward Enterprise war damit vom Tisch.
Mit dem Rückzug war die Krise allerdings nicht beendet. Am 1. August erklärte die UEFA, sie habe das Vertrauen in Infantinos Führung verloren .
Der Verband warf ihm vor, eine „schlampige, hinter den Kulissen ausgehandelte und unklare“ Vereinbarung organisiert zu haben . Die Erklärung ging damit deutlich über die vorherige Boykottdrohung hinaus: Sie stellte Infantinos Führungsanspruch grundsätzlich infrage.
Die UEFA begrüßte zwar, dass die Investorenpläne gestoppt wurden. Zugleich erklärte sie, Infantinos Vorgehen habe das Vertrauen der Fußballwelt beschädigt .
Stand Anfang August 2026 ist Infantino weder zurückgetreten noch formell abgesetzt worden. Ein konkretes Abwahlverfahren wurde nicht bekanntgegeben. Dennoch ist seine Position so stark unter Druck wie seit seinem Amtsantritt 2016 nicht mehr.
Die unmittelbare Gefahr für die Weltmeisterschaft ist damit zunächst abgewendet. Politisch ist die Angelegenheit jedoch nicht erledigt. Der Konflikt hat gezeigt, dass mehrere Kontinentalverbände bereit sind, sich gemeinsam gegen die FIFA-Führung zu stellen.
Der 20-Milliarden-Dollar-Plan ist gescheitert. Die geplante Gesellschaft hätte der FIFA zwar frisches Kapital für Entwicklungsprogramme verschaffen sollen, doch die Art der Entscheidungsfindung und die mögliche Beteiligung privater Investoren an den kommerziellen WM-Rechten lösten eine außergewöhnlich breite Gegenreaktion aus.
UEFA, CONCACAF und AFC lehnten das Vorhaben ab; ein ranghoher Berater trat zurück; und UEFA erklärte anschließend, das Vertrauen in Infantino verloren zu haben. Seine Präsidentschaft besteht formal fort – politisch steht sie jedoch vor der größten Bewährungsprobe ihrer bisherigen Laufzeit.