Diese Funktion ist keine freiwillige Entscheidung Apples. Microsoft hat über Apples EU-Portal eine formelle Interoperabilitätsanfrage eingereicht. Dieses Portal hat Apple eingerichtet, um den Anforderungen des Digital Markets Act (DMA) der EU nachzukommen . Der DMA stuft Apple als „Gatekeeper“ ein und verpflichtet das Unternehmen, Drittanbietern Interoperabilitätsanfragen für seine Kernplattformdienste zu ermöglichen.
Apple begann im März 2026 mit der Prüfung von Microsofts Anfrage und antwortete am 26. Juni 2026 positiv. Das Unternehmen bestätigte, die Funktion zu entwickeln . Die Anfrage mit der ID 223295 zielte konkret darauf ab, Apples Universal Clipboard für Windows-PCs zu öffnen .
Apple schlägt eine Lösung vor, die auf bestehenden iOS-Frameworks aufbaut und ein neues Berechtigungsmodell einführt:
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Framework | Apple setzt auf das AccessorySetupKit, das bereits die Kopplung von Drittanbieter-Zubehör mit iOS ermöglicht . |
| Mechanismus | Entwickler können eine Erweiterung erstellen, die Zwischenablage-Inhalte des iPhones mit gekoppelten Windows-Geräten teilt und importiert . |
| Berechtigungsmodell | Der Zugriff auf die Zwischenablage erfordert eine einmalige Nutzererlaubnis pro gekoppeltem Gerät . Bisher können Apps die Zwischenablage nur lesen, wenn sie im Vordergrund ausgeführt werden. Diese Änderung ermöglicht die Hintergrund-Synchronisierung zwischen Geräten . |
| Kopierbare Inhalte | Text und andere unterstützte Zwischenablage-Inhalte . Apples Dokumentation beschreibt es als eine leichte, kontinuierliche Zwischenablage-Synchronisierung. |
| Hauptanwendungsfälle | Einen Link, einen Textausschnitt oder ein Bild vom iPhone kopieren und direkt in eine Windows-App wie Word, Outlook oder einen Browser einfügen – ohne Drittanbieter-Tools . |
Apple bezeichnet die Entwicklung als „erheblichen technischen Aufwand“ . Die Lösung wird ähnlichen Mustern folgen wie die Frameworks für Accessory Notifications und Accessory Live Activities, die mit iOS 26.5 eingeführt wurden .
Die Funktion bleibt auf Nutzer in der Europäischen Union beschränkt . Apples eigene Dokumentation für das AccessorySetupKit-Framework stellt klar, dass die Nutzung auf Geräte beschränkt ist, die sich physisch in der EU befinden und mit einer Apple-ID angemeldet sind, die auf ein EU-Land oder eine EU-Region eingestellt ist . Nutzer außerhalb der EU werden diese Funktion zumindest zunächst nicht erhalten – eine direkte Folge der DMA-Verpflichtungen, die nur innerhalb des Bündnisses gelten.
Die Funktion soll voraussichtlich mit iOS 28 im Herbst 2027 ausgeliefert werden . Apple hat klargestellt, dass die Entwicklung nicht vor Herbst 2027 abgeschlossen sein wird . Das Interoperabilitätsportal von Apple erlaubt einen Zeitrahmen von 6 bis 18 Monaten für die Entwicklung nach Annahme einer Anfrage. Apples Zusage vom Juni 2026 bringt die Funktion damit auf Kurs für eine Veröffentlichung im Jahr 2027 .
Für iPhone-Nutzer, die auch Windows verwenden – eine sehr große Gruppe, zu der Berufstätige, Studenten und Kreative gehören – schließt diese Funktion eine langjährige Lücke. Android-Nutzer haben seit Jahren Zugang zu geräteübergreifenden Zwischenablage-Tools wie Microsofts Phone Link. Apples Universal Clipboard war ein entscheidender Vorteil für Nutzer, die vollständig im Apple-Ökosystem verankert sind. Jetzt zwingt der DMA Apple dazu, diesen Vorteil auch auf Konkurrenzplattformen auszuweiten – zumindest in Europa.
Die Funktion signalisiert zudem einen grundlegenden Wandel: Apple wird zunehmend gezwungen, seinen abgeschotteten „Walled Garden“ in der EU zu öffnen. Microsoft ist das erste große Unternehmen, das erfolgreich den DMA-Interoperabilitätsmechanismus nutzt, um Zugang zu iPhone-Hardware-Funktionen zu erhalten.