Der Anstieg am 5. August folgte auf eine schwierige Phase für Gold. Im zweiten Quartal 2026 verzeichnete das Edelmetall seinen schlimmsten Quartalsverlust seit 13 Jahren (minus rund 12,7 %), da die Märkte auf weitere US-Zinserhöhungen zur Bekämpfung der hartnäckigen Inflation setzten . Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen bewegte sich nahe 18-Monats-Hochs, und der Dollar notierte nahe Einmonats-Hochs – beides beständige Belastungsfaktoren . Noch am 4. August pendelte Gold um 4.067 $/Unze, gestützt lediglich von einem etwas schwächeren Dollar und stabiler Nachfrage der Zentralbanken . Die Rallye am 5. August war eine heftige Gegenbewegung zu diesen Belastungen, ausgelöst durch einen plötzlichen Renditerückgang, der die Opportunitätskosten für das Halten des zinslosen Goldes drastisch senkte.
In einem Interview mit Kitco News am 5. August legte Chris Mancini, Co-Portfoliomanager des Gabelli Gold Fund (GOLDX), drei strukturelle Säulen dar, die der Markt seiner Meinung nach noch immer unterschätzt :
1. Verschuldung und Entdollarisierung. Die weltweit explodierenden Schuldenberge und die beschleunigte Abkehr der Zentralbanken von Dollar-Reserven schaffen einen säkularen Rückenwind. Mancini argumentiert, der Markt handle Gold „wie einen zyklischen Rohstoff, obwohl es das nicht ist“ – er behandle die Rekordhochs als Höhepunkt eines Zyklus statt als strukturelle Neubewertung . Vor allem Notenbanken in China und anderen Schwellenländern sorgen für eine „konstante solide Basisladungsnachfrage“ nach physischem Gold .
2. Geopolitische Risiken und Rüstungsausgaben. Der Iran-Konflikt, der Russland-Ukraine-Krieg und die massiv steigenden Militärausgaben in Europa und den USA erzeugen eine anhaltende Nachfrage nach sicheren Häfen, die Mancini zufolge nicht einfach verschwinden wird, wenn einzelne Waffenstillstände verkündet werden . Die strukturelle Fragmentierung der globalen Sicherheitsarchitektur sei ein Treiber für Jahre, nicht für Monate.
3. Gold als primäre Dollar-Alternative. Mancini hat wiederholt erklärt, Gold werde zur „primären Alternative“ zum US-Dollar werden, und das mittelfristige Kursziel von 6.000 $/Unze bleibe erreichbar, sobald sich das kurzfristige Makro-Rauschen legt . Auch die Analysten von J.P. Morgan Research halten an einem Jahresendziel von 6.000 $/Unze fest und sehen 6.300 $/Unze bis 2027 als möglich an, vorausgesetzt, die geopolitischen Konflikte entspannen sich .
Mancini warnt allerdings: In akuten Krisen wirke Gold als Liquiditätsspender – er verweist auf die Türkei, die 60 Tonnen Gold verkaufte, um ihre Währung zu stützen –, was zu vorübergehenden Rücksetzern führe. Diese sieht er jedoch als Kaufgelegenheiten vor dem nächsten strukturellen Bein nach oben .
Trotz der Rallye vom 5. August ist das kurzfristige Risikoprofil nach unten gerichtet. Der Markt preist eine rund 68 %ige Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte im September 2026 ein – nicht etwa eine Senkung. Die Bank of America sagt sogar drei aufeinanderfolgende Erhöhungen bis Dezember voraus, die den Leitzins auf 4,25 % bis 4,50 % heben würden . Höhere Realzinsen sind ein direkter Negativfaktor für das zinslose Gold.
Weitere kurzfristige Belastungsfaktoren:
Gold befindet sich 2026 in einem Kräftemessen zweier mächtiger Kräfte. Auf der taktischen Seite erzeugen eine falkenhafte Notenbank, ein starker Dollar und hohe Realzinsen echte Gegenwinde, die den Preis kurzfristig in einer Spanne um 4.000 bis 4.500 $ halten könnten . Auf der strukturellen Seite bauen Zentralbankkäufe, Entdollarisierung, geopolitische Fragmentierung und steigende Staatsverschuldung ein Argument dafür auf, dass Gold irgendwann die 5.000-$-Marke durchbrechen und die 6.000 $ testen könnte .
Für Anleger ist die Spannung offensichtlich: kurzfristiger Schmerz versus langfristiger Gewinn. Mancinis Rat: Durch das Rauschen hindurchschauen. Wie er es formulierte: „Der Markt handelt es wie einen zyklischen Rohstoff, obwohl es das nicht ist“ . Ob die Rallye vom 5. August der Beginn eines neuen Beins nach oben ist oder nur eine weitere heftige Short-Eindeckung, wird vor allem von einer Sache abhängen: was die Fed als Nächstes tut.