Kurz nach dem Aktienverkauf bestätigte Delivery Hero eine weitere wichtige Veränderung: Mitgründer und CEO Niklas Östberg will seine Position bis zum 31. März 2027 abgeben, nach rund 15 Jahren an der Spitze des Unternehmens .
Der Aufsichtsrat hat bereits mit der Suche nach einer Nachfolge begonnen. Bis dahin soll Östberg den laufenden strategischen Überprüfungsprozess begleiten und mögliche Portfolioentscheidungen vorbereiten .
Für Investoren ist die zeitliche Nähe dieser Ereignisse entscheidend. Aktivistische Investoren drängen häufig auf Veränderungen im Management, um strategische Neuausrichtungen zu beschleunigen. Aspex hatte bereits zuvor deutliche Änderungen im Führungsteam gefordert, bevor es seine Beteiligung erhöhte .
Der angekündigte Führungswechsel verstärkt deshalb die Erwartung, dass Delivery Hero künftig stärker auf Profitabilität und Portfolio‑Fokussierung statt auf globale Expansion setzt.
Zusätzliche Dynamik bekam die Story durch Berichte über einen möglichen Verkauf von Woowa Brothers, dem Betreiber der führenden südkoreanischen Liefer‑App Baedal Minjok (Baemin).
Laut Branchen‑ und Investmentbanking‑Quellen prüft Delivery Hero einen Verkauf für etwa 8 Billionen südkoreanische Won (rund 5,3 Milliarden US‑Dollar). Als Berater für den Verkaufsprozess soll JPMorgan mandatiert worden sein, und erste Informationsunterlagen wurden potenziellen Käufern zugeschickt .
Ein solcher Schritt wäre symbolisch bedeutsam: Delivery Hero hatte Woowa Brothers 2019 in einem Deal über rund 4 Milliarden Dollar übernommen, einer der größten Transaktionen der Branche damals .
Ein Verkauf heute würde deutlich machen, dass der Konzern seine Strategie verändert – weg vom globalen Aufbau eines möglichst großen Plattformnetzwerks hin zu einer stärkeren Fokussierung auf profitable Kernmärkte.
Delivery Hero ist historisch als Sammlung regionaler Lieferplattformen gewachsen – mit Aktivitäten in Europa, Asien, dem Nahen Osten und Lateinamerika. Diese globale Struktur brachte in der Pandemie‑Phase zwar starkes Wachstum, machte das Unternehmen aber auch komplex und schwer zu bewerten.
Die Ereignisse im Jahr 2026 –
haben deshalb die Erwartung entstehen lassen, dass Delivery Hero sein Portfolio deutlich schneller vereinfachen könnte.
Mögliche Szenarien reichen von Verkäufen einzelner regionaler Plattformen über Abspaltungen bis hin zu einer stärkeren Konzentration auf einige wenige profitable Kernmärkte.
Trotz der Kursrallye ist noch nichts endgültig entschieden. Der mögliche Verkauf von Woowa Brothers ist bislang nur berichtet, nicht bestätigt, und ein umfassender Aufspaltungsplan wurde vom Unternehmen nicht angekündigt.
Doch die Richtung scheint klar: Investoren rechnen zunehmend damit, dass Delivery Hero seine globale Struktur verschlankt, um den Wert einzelner Geschäftsbereiche sichtbar zu machen.
Ob daraus nur selektive Verkäufe oder eine tiefgreifende Umstrukturierung des gesamten Konzerns entsteht, dürfte sich in den kommenden Monaten entscheiden – insbesondere durch den Einfluss großer Aktionäre wie Aspex und die strategischen Entscheidungen des Managements.
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